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Filmkritik «Cry Macho»
Aus Kultur-Aktualität vom 20.10.2021.
abspielen. Laufzeit 03:30 Minuten.
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Neu im Kino «Cry Macho»: Viele Chancen, die meisten vertan

Auch mit 91 Jahren macht Clint Eastwood noch Filme. In seinem neuesten Western-Drama ist er Regisseur und Protagonist zugleich und spielt eine Rolle, die er besser vor Jahren hätte spielen sollen.

«Lord, I've made my share of mistakes but I meant no wrong!» – «Oh Herr, ich habe meine Fehler gemacht, aber ich habe es immer gut gemeint», singt Countrysänger Will Banister über die ersten Einstellungen von Clint Eastwoods jüngstem Film.

Für Regisseur Eastwood bezieht sich das wohl gleichermassen auf seine eigene Karriere, wie auch auf die des alten Rodeo-Reiters Mike Milo, den er in seinem Werk spielt.

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Trailer zu «Cry Macho»
Aus Kultur-Clips vom 20.10.2021.
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Erzähltempo wie ein Country-Schlager

Milo war einst ein erfolgreicher Rodeo-Reiter. Fünfmal hat er die «All American Rodeo-Meisterschaften» in seinem Leben gewonnen, erklärt Milos Boss, der Ranchbesitzer Howard Polk – gespielt von Country Sänger Dwight Yoakam. Doch das war alles vor dem Unfall, vor den Pillen und vor dem Saufen.

Legende: Die glanzvollen alten Zeiten sind vorüber. Howard Polk (Dwight Yoakam, rechts) hat jedoch einen wichtigen Auftrag für Mike Milo (Clint Eastwood, links). Warner Bros. Ent.

Das ist leider eine typische Szene für die erste Hälfte von Clint Eastwoods Regie. Da wird die Hauptfigur mit ihrer Geschichte umständlich eingeführt, damit Star Eastwood dann möglichst knapp reagieren kann.

Der Rancher hat einen letzten Auftrag für Milo. Er soll seinen Sohn, der in Mexiko bei seiner Mutter lebt, entführen und Howard wiederbringen. Darum geht es – mehr oder weniger.

Legende: Aus ihrer abenteuerlichen Reise durch Mexiko entsteht zwischen Milo und Rafo (Eduardo Minett) eine Freundschaft. Warner Bros. Ent.

Manche Dinge sollten besser in der Schublade bleiben

Das Drehbuch für «Cry Macho» machte in Hollywood seit Mitte der 1970-er Jahre die Runde. Der alternde amerikanische Cowboy und dessen Freundschaft zu einem mexikanischen Jungen war eine Rolle, die nicht nur Clint Eastwood für sich ins Auge fasste – aber das Drehbuch verschwand immer wieder in einer Schublade.

Der Film ist im Jahr 1979 angesiedelt, aber das ändert nichts daran, dass der 91-jährige Eastwood einen etwa 60-jährigen Cowboy spielt. Und das funktioniert in den meisten Szenen einfach nicht.

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Über den Filmemacher, der es einfach nicht lassen kann
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Ob er nun der bösartigen, mexikanischen Mutter des Jungen den Sex verweigert oder mit einer deutlich jüngeren und attraktiveren Witwe tanzt und das Bett teilt: Man fürchtet stets, dass der Alte nicht mehr allein auf die Beine kommen wird.

Aus der Zeit gefallen

Dabei hätte der Film durchaus gewisse Qualitäten: Der alte Mann und der einsame Teenager, die sich auf ihrer Flucht vor den Schergen der Mutter zusammenraufen. Das hat Charme und Witz.

Aber im Gegensatz zu Eastwoods letzten Filmen, wie etwa «The Mule», in denen er sein fortgeschrittenes Alter clever einsetzte, wird man dieses Mal den Verdacht nicht los, dass er sich selbst einfach noch einen Wunsch erfüllen wollte, mit einer Rolle, die er im letzten Jahrhundert hätte spielen sollen.

Kinostart: 21. Oktober 2021

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 19.10.2021, 17:20 Uhr;

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