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IT'S DONE. IT'S DUNE.
Aus Kultur Webvideos vom 06.09.2021.
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Neu im Kino Denis Villeneuves «Dune» bringt die Leinwand zum Glühen

Frank Herberts Sci-Fi-Klassiker galt als unverfilmbar. Nun beweist der Regisseur von «Blade Runner 2049»: Es geht doch. «Dune» ist seit heute im Kino zu sehen.

Bis anhin sind alle an diesem Stoff gescheitert. Auch die ganz Grossen. Alejandro Jodorowskys ambitioniertes Projekt mit Mick Jagger, Orson Welles, Salvador Dalí und H.R. Giger versandete bereits in der Vorproduktionsphase. David Lynchs Buchverfilmung war dramaturgisch auf Sand gebaut, floppte sowohl bei der Kritik als auch den Kinokassen.

Das Kernproblem steckt in Frank Herberts Literaturvorlage, deren Komplexität und Detailverliebtheit sich schlicht nicht in einen Kinofilm pressen lassen. Dachte man zumindest. Nun dürften nicht nur Dune-Fanatiker jubeln: Jetzt ist der Film «Dune» auf der Kinoleinwand zu geniessen.

Religion, Macht und Ökologie

Zur Geschichte: Wir schreiben das Jahr 10'191. Das blutrünstige Königshaus der Harkonnen bekämpft dasjenige der edlen Atreides mit allen Mitteln. Im Grunde handelt es sich um einen Ressourcenkrieg. Wobei nicht Öl der Rohstoff ist, an dem sich der Konflikt entflammt, sondern das sogenannte «Spice».

Legende: Style matters: Rebecca Ferguson, Zendaya, Javier Bardem und Timothée Chalamet in schicken Schutzanzügen. Warner Bros

Diese rätselhafte Substanz gibt es nur an einem einzigen Ort: Auf Arrakis, einem Wüstenplaneten, den viele Dune nennen. Weil das die Dünenwelt bündig beschreibt, in der riesige Sandwürmer die Spice-Vorräte verteidigen. Das klingt fremdartig, ist uns aber in der Essenz vertraut: Wer die Macht über die knappsten Güter hat, beherrscht die Welt.

Für die in Einklang mit der Natur lebenden Ureinwohner des Wüstenplaneten ist Wasser das teuerste Gut. Dessen ist sich Thronfolger Paul Atreides (Timothée Chalamet) bewusst, als er auf Arrakis eintrifft. Über eine andere Sache muss er sich dagegen noch Klarheit verschaffen: Ob er wirklich der Messias ist, der den Planeten von seinen ökologischen Ausbeutern aus dem All befreien kann.

Staubtrockener Humor des Auserwählten

Inhaltlich steckt also ganz schön viel drin in dieser Story, die zu Zeiten der Klimakrise auf reichlich Resonanz stossen dürfte. Doch wie bringt man die Vielschichtigkeit der Vorlage auf die Leinwand? Regisseur Denis Villeneuve wusste sofort, dass er eine schlüssige Antwort auf diese Schlüsselfrage finden musste.

Legende: Visionärer Filmemacher mit gesellschaftskritischem Blick und beeindruckendem Oeuvre: Denis Villeneuve (53). Warner Bros / Ulysse Del Drago

Als die Presse am Filmfestival in Venedig von ihm wissen wollte, mit was er bei dieser Herkulesaufgabe am meisten zu ringen hatte, antwortete er staubtrocken: «Die mit Abstand grösste Herausforderung bestand darin, die Haare von Hauptdarsteller Timothée Chalamet zu bändigen. Weil sie ein Eigenleben führen. Ich musste also Timothée und seinen Haarschnitt in den Griff kriegen.»

Erst als das Gelächter aus dem Publikum allmählich verstummte, folgte eine seriöse Antwort: «Ich musste das richtige Mass an Information für Uneingeweihte liefern, ohne das Publikum damit zu erdrücken. Ich wollte keine überbordende Exposition, sondern so kinematographisch wie möglich sein.»

Die Prophezeiung erfüllt sich

Genau dieser Spagat ist dem Kanadier geglückt, der schon mit «Arrival» und «Blade Runner 2049» seine Affinität fürs Genre unter Beweis gestellt hatte. Sein «Dune» bietet alles, was sich Science-Fiction-Fans und Filmkritiker erträumt haben.

Das über zweieinhalbstündige Mammutwerk, das wohlbemerkt nur ungefähr die Hälfte der Romanhandlung abdeckt, gleicht einem Trip in eine exotische Welt. Geschildert in einer eigenständigen audiovisuellen Sprache, die sich deutlicher vom matten Mainstream abhebt, als die Trailer vermuten liessen.

Legende: Die Wüste lebt! Paul Atreides (Timothée Chalamet, kniend) sucht Halt bei seinem Mentor Gurney (Josh Brolin). Warner Bros

An die grossen Marvel- und DC-Blockbuster der letzten Jahre erinnert bloss die Vermarktungsstrategie: Fortsetzung folgt. Aus künstlerischer Sicht stellt «Dune» allerdings ein Unikat dar: Das heiss ersehnte Missing Link, welches das Multiplex- und Arthouse-Kino miteinander versöhnen könnte.

Denis Villeneuve hat ein cineastisches Wunder vollbracht: IT’S DONE. IT’S DUNE. 

Kinostart: 16.9.2021

SRF 1, 10vor10, 17.09.2021, 21:50 Uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    "Der Wüstenplanet" von David Lynch ist einer der besseren Filme und heute ein "Klassiker"
    Die Komplexität der Beziehungen zwischen den Herrscherhäusern der Atreides, Harkonnen, und Corrino wird auch erwähnt. Und auch der Einfluss der Navigatoren Gilde und dem Kult der Bene Gesserit-Hexen auf diese Häuser wird erwähnt.
    So auch, dass das Wasser auf Dune in der Lage ist, die Spice-Vorkommen komplett zu zerstören.
  • Kommentar von Andreas Müller  (Hugh Everett)
    Der nicht zustande gekommene Film von Alejandro Jodorowsky war dennoch ein zentral wichtiges Ereignis. Jodorowsky bracht Dan O'Bannon, Moebius und Hr. Giger zusammen. Das Trio erwies sich als kongeniale Kombination für den Film Alien und alle Ableger davon (Alien Sequels, Alien vs. Predator, Prometeus). Jodorowsky zeichete mit Möbis den Incal, eine Gravic Novel mit imensem Einfluss. Sowie Vor dem Incal, Nach dem Incal, die Tecnoväter, die Metabarone.
  • Kommentar von selma oez  (Sma77)
    Danke für diesen Appetizer!
    Werde mir den Film ganz bestimmt mit Genuss ansehen.
    Ein Hoch auf den Regisseur, der den Mut hat, DAS Umweltthema am Filmfestival anzusprechen. Grossartig!
    Danke für den gelungenen Bericht!