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«Downton Abbey» in Schweizer Kinos
Aus 10 vor 10 vom 18.09.2019.
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Neu im Kino «Downton Abbey»: Karamellisierte Kitsch-Katharsis

Der Kinofilm zur britischen TV-Erfolgsserie versucht, alle Figuren ausreichend zu beschäftigen. Das schadet dem Plot.

Durchschnittlich knapp 11 Millionen Zuschauer im Vereinigten Königreich allein. Boxset-Verkaufszahlen auf Amazon, die sogar US-Kultserien wie «The Wire» oder «The Sopranos» übertreffen und 69 Emmy-Nominierungen. Keine britische Serie war in diesem Jahrzehnt erfolgreicher als «Downton Abbey».

Wer hätte gedacht, dass eine Serie, die sich mit den Luxusproblemen einer englischen Adelsfamilie beschäftigt, im 21. Jahrhundert derart erfolgreich sein könnte? Wohl nicht einmal Macher Julian Fellowes.

Nun kommt «Downton Abbey» in die Kinos. Die Formel bleibt gleich: Inhaltlich bewegt man sich weiterhin nah an der Seifenoper. Besetzung und Produktionswert hingegen sind auf höchstem Niveau anzusiedeln.

Prunk und Vorurteil

Der Film spielt im Jahr 1927, zwei Jahre nach der letzten Staffel. Downton Abbey befindet sich im Ausnahmezustand: Das Königspaar hat seinen Besuch auf dem prunkvollen Yorkshire-Anwesen angemeldet.

Als bekannt wird, dass die königlichen Gäste ihre eigenen Bediensteten mitbringen werden, wandelt sich die Vorfreude des Downton-Abbey-Personals schnell in Unmut um.

Auch an der Adelsfamilie Crawley, den Besitzern Downtons, gehen die strapazierenden Vorbereitungen nicht spurlos vorbei: Kleider werden nicht rechtzeitig geliefert. Boiler gehen wiederholt kaputt. Zwischenzeitlich müssen die Blaublüter gar – Schreck lass nach! – selbst Hand anlegen und mehrere Dutzend Stühle aufstellen – bei Regenwetter!

Königlich nur für Fans der Serie

Der Film versucht, für beinahe jede Figur einen relevanten Sub-Plot zu finden. Ein ambitioniertes Unterfangen bei zwei Stunden Laufzeit. Fellowes war sichtlich bemüht, sämtlichen Crawleys und Bediensteten eine Art Katharsis zu geben.

In manchen Fällen gelingt das, in anderen scheint der Weg zum Ziel etwas gar kurz.

Aber tiefenpsychologische Charakterstudien darf man von «Downton Abbey» auch nicht erwarten. Vernünftiger ist es, sich dem Kitsch hinzugeben und geduldig auf die zuckersüsse Erlösung zu warten.

Kinostart: 19.9.2019

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Astrid Etter  (Raja)
    Herr Pozzi, haben Sie die ganze Serie eigentlich auch gesehen oder nur den Film? Denn ich denke das sollte man getan haben, man schaut nicht nur den Film ohne die ganze Serie gesehen zu haben. Denn die Charaktere sind sehr wohl tiefen psychologisch und nichts von kitsch und zuckersüss. Also alles schauen oder gar nichts.
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  • Kommentar von Christian Stübi  (Christian Stübi)
    Herr Pozzi, was ist denn für Sie Kitsch? Der Duden sagt:"aus einem bestimmten Kunstverständnis heraus als geschmacklos [und sentimental] empfundenes Produkt". Geschmacklos ist die Serie in keinster Weise, weder optisch noch inhaltlich da historisch ausserordentlich genau. Sentimental, naja, das hängt wohl ein stückweit vom Betrachter ab. Ich empfinde es als einen gelungenen Einblick in das höfische Leben zu der Zeit, der mir ansonsten völlig unbekannt bliebe. Das geniesse ich sehr.
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