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Neu im Kino «Eldorado» – mit versteckter Kamera im Flüchtlingsghetto

Markus Imhoof («More Than Honey») drehte einen Film über Bootsflüchtlinge im Mittelmeer. Es ist ein bleibendes, beeindruckendes Dokument.

Ein Rettungsboot voller Flüchtlinge auf dem Mittelmeer.
Legende: Regisseur Markus Imhoof hat für seinen neuesten Film zehn Tage auf dem Rettungskreuzer San Giusto verbracht. Thelma Film AG

Markus Imhoof ist der Schweizer Regisseur, der sich 1981 für «Das Boot ist voll» noch gegen den Vorwurf der Nestbeschmutzung wehren musste.

«Das Boot ist voll» und seine Rekonstruktion der Schweizer Politik der geschlossenen Grenzen für die jüdischen Flüchtlinge der Nazizeit klingt auch in seinem neuen Film «Eldorado» wieder an.

Blick in die Vergangenheit

Einfach einen weiteren Dokumentarfilm über Operation «Mare Nostrum» und das Elend der Bootsflüchtlinge im Mittelmeer konnte und wollte Markus Imhoof nicht drehen.

Imhoof hat zwar auf italienischen Schiffen gedreht, in einem Auffanglager in Italien und in einem mafiösen Ghetto für untergetauchte Abgewiesene, die via Schwarzarbeit und Prostitution zu überleben versuchen. Aber Imhoof lässt diese Geschichten nicht jenseits der Alpen.

Der Regisseur erinnert sich einerseits an Giovanna, das italienische «Ferienkind», das seine Eltern während des Zweiten Weltkrieges für einige Zeit aufgenommen hatten, und an seine Kinder- und Jungenfreundschaft zu ihr.

Und er filmt in einer Schweizer Unterkunft für Asylbewerber, an der Grenze zu Italien, an Bahnhöfen – also überall dort, wo die Fluchtbewegungen durchgehen, gesteuert oder gestoppt werden.

Legende: Video Trailer von «Eldorado» abspielen. Laufzeit 02:16 Minuten.
Aus Kultur vom 07.03.2018.

Bekannte Bilder

«Eldorado» ruft vor allem im ersten Drittel immer wieder Bilder ab, die wir schon kennen. Die goldene Isolationsdecke, die zusammengepferchten Männer, Frauen und Kinder in halblecken Booten, die routinierten und doch immer wieder von neuen Trauermomenten durchbrochenen Rettungsaktionen.

Aber Markus Imhoof holt mit Hilfe seines Kameramannes Peter Indergand schon bei diesen Bildern immer wieder mehr heraus, als die Reportage-Standards.

Der prekäre Wechsel vom Flüchtlingsboot ins Rettungsschiff wird über den beweglichen Spalt zwischen den Booten gefilmt. So steht nicht einfach die erste Erleichterung der Rettung im Vordergrund, sondern der durchaus nicht nur symbolische Sprung über das Nichts, das Verderben, den Untergang in eine neue Unsicherheit.

Eine Hand hält ein altes Foto eines kleines Kindes.
Legende: Markus Imhoof begibt sich in dem Film auch auf eine Reise in die eigene Vergangenheit. Peter Indergand, Majestic/zero one film

Brücke zu persönlichen Erinnerungen

Es sind vor allem zwei Elemente, die Imhoofs Film zu einem bleibenden, beeindruckenden Dokument machen. Einerseits ist es die Verknüpfung mit seinen persönlichen Erinnerungen an das Kriegsopferkind Giovanna.

Zum anderen die mit versteckte Kamera gefilmten Aufnahmen in einem illegalen Flüchtlingsghetto in Italien, die vom Kameramann Indergand und Imhoof selbst nicht nur mit erheblichem Risiko aufgenommen wurden, sondern auch mit einer erstaunlichen Präzision.

Starke Leistung

«Eldorado» von Markus Imhoof ist nicht einfach ein weiterer Film über Bootsflüchtlinge und ihre Not. Er schlägt faktische und emotionale Brücken, denen man sich nicht entziehen kann. Und das ist eine Leistung, angesichts unserer alltäglichen Betäubung.

SRF-Koproduktion

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat diesen Film koproduziert, Link öffnet in einem neuen Fenster.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Konrad Schläpfer (Koni)
    Scheinbar ist man hier an einer ernsthaften Diskussion nicht interessiert. Es gilt die von SRF vorgefasste Meinung!!
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  • Kommentar von Konrad Schläpfer (Koni)
    Und wieder so ein Tränendrüsen Film von Imhof, was können wir dafür dass sich die Bevölkerung in Afrika alle 20 Jahre verdoppelt. Sind wir Verantwortlich für Misswirtschaft und Korruption? Wieviel sollen wir denn noch aufnehmen? Lange genug wurde von Europa ein falsches Signal ausgesendet, indem man mit untauglichen Gummibooten ein paar Meter aufs Mittelmeer hinaus fahren musste um dann automatisch nach Europa " gerettet " zu werden.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Pro Satz 2 falsche Behauptungen. 500 Zeichen reichen nicht aus, alle zu benennen und zu korrigieren. Es beginnt damit, dass ja, wir Europäer sind mit verantwortlich für die Zustände in Afrika. Die Kolonialherrschaft hat uns reich gemacht. Fluchtgelder der Afrikanischen Potentaten hat unsere Banken reich gemacht. Und die Einmischungen durch Westliche Mächte wer in den Afrikanischen Staaten die Macht hat dauern bis heute an. Stichworte: Ghadaffi, CIA, Fremdenlegion, CFA, Weltbank.
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