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Kinostart: «Joker»
Aus Keine 3 Minuten – Die Filmkritik für Eilige vom 11.10.2019.
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Neu im Kino «Joker»: Gefährliche Freakshow

Batmans Gegenspieler, der Joker, bekommt seinen eigenen Film. Dabei wird Mitgefühl für einen Massenmörder geweckt.

1940 tauchte in den Comics der Joker das erste Mal als Gegner vom Batman auf. Wie aus dem Scherzkeks ein Killerclown wurde, das erzählt der Film.

Arthur Fleck ist ein dünner und schüchterner Kerl. Er pflegt seine Mutter und hält sich mit miesen Jobs als Auftrags-Clown über Wasser.

Als wären das nicht genug Verlierer-Klischees, leidet er auch noch unter einer psychologischen Störung: In den unpassendsten Situationen überkommen ihn zwanghafte Lachanfälle. Die wirken auf seine Mitmenschen ziemlich verstörend.

Als ihn drei Wallstreet-Yuppies wegen seines Lachens in der Subway schikanieren, erschiesst er die Prügel-Schnösel. Mit dem Mord löst er ungewollt Proteste gegen soziale Missstände aus.

Aber vor allem löst die Gewalttat in ihm ein befriedigendes Gefühl aus. Er will mehr. Der nächste Mord ist nur eine Frage der Zeit.

Das treffendste Zitat

Joker lacht im Bus
Legende: Sein Lachen macht Arthur Fleck zum Aussenseiter. Warner Bros.

«Bin es ich? Oder verlieren die Menschen da draussen den Verstand?»

Den Bürgern in Gotham City stinkt es. Die Müllabfuhr streikt und wegen städtischer Sparmassnahmen erhalten die Menschen kaum mehr Sozialleistungen. Auch Arthur Flecks Therapie wird samt seinen Psychopharmaka gestrichen.

Der Schauspieler

Schauspieler Joaquin Phoenix als Joker
Legende: Joaquin Phoenix als Arthur Fleck alias Joker. Warner Bros.

Abgemagert und zerbrechlich schaut er aus. Schauspieler Joaquin Phoenix nahm für seine Rolle als Joker mehr als 25 Kilogramm ab. Nicht nur äusserlich gibt er dem Begriff «Durchgeknallt» eine völlig neue Dimension.

Seine Lachanfälle sind so schauderhaft und schmerzvoll, dass man als Zuschauer Mitleid und Missachtung gleichzeitig empfindet.

Der mehrfach oscarnominierte Joaquin Phoenix hat schon öfters Männer am Rande des Wahnsinns gespielt. Als verrückter Tyrann im Sandalenfilm «Gladiator» wurde er international bekannt.

Brutal bizarr war er auch als Kriegsveteran mit posttraumatischen Belastungsstörungen im Drama «The Master» und im Thriller «You Were Never Really Here».

Fakten, die man wissen sollte

Joker in der Toilette
Legende: Zu nah an der Realität und deshalb gefährlich? Warner Bros.

Noch vor dem Filmstart in den USA löste «Joker» Kontroversen aus. Wegen seiner Gewaltdarstellung. 2012 hatte es bei der Premiere des Batman-Films «The Dark Knight Rises» einen Amoklauf gegeben.

Ein Mann erschoss 12 Kinogänger und verletzte über 50. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass sich der Täter dabei als Joker verkleidet hatte und sich selbst auch so nannte.

Vor der «Joker»-Premiere hatten Angehörige der Opfer Bedenken über den Kinostart des Films geäussert. Offenbar aus Angst, dass jemand, inspiriert vom Leinwandschurken, zu einer Gewalttat verleitet wird.

Dem Film hat es nicht geschadet. Ganz im Gegenteil, das «Achtung gefährlich»-Siegel, das «Joker» durch die Diskussionen aufgesetzt wurde, war offenbar die beste Werbung und beförderte den Film auf Platz eins der US-Kinocharts.

Das Urteil

Robert De Niro
Legende: Robert De Niro als Showmaster. Eine Referenz an «The King of Comedy». Warner Bros.

Regisseur Todd Phillips («The Hangover») macht kein Geheimnis daraus, dass er sich stark an den Filmklassikern «Taxi Driver» (1976) und «The King of Comedy» (1982) von Martin Scorsese orientiert hat. Und so sieht der «Joker» auch aus.

Das Vintage-New York der frühen 80er-Jahre, in dessen Strassen ein komischer Vogel läuft, der sich an der Gesellschaft rächen will. Das ist zwar atmosphärisch, doch was fehlt, ist das Geheimnisvolle, wie es die komplexen Charaktere der alten Kultklassiker innehatten.

Das Mysterium um einen der wahnsinnigsten Schurken aller Zeiten wird hier wie in einer Lehrstunde für Psychologie genauestens analysiert und erklärt. Unergründlich bleibt da nicht viel.

Als Zuschauer fängt man sogar an, den Killerclown und dessen Motive zu verstehen. Man empfindet sogar Mitgefühl. Und das ist der kontroverseste Beigeschmack des Films.

Also: «Joker» ist ein ungewöhnlicher Superschurkenfilm ohne Superhelden und gigantische Materialschlachten. Dafür mit einer herausragenden schauspielerischen Leistung von Joaquin Phoenix, die unter die Haut geht.

Kinostart: 10.10.2019

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Joker im Film
Aus SRF Kultur vom 08.10.2019.
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