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Legende: Video Im Kino: «Les Invisibles» abspielen. Laufzeit 03:00 Minuten.
Aus Keine 3 Minuten – Die Filmkritik für Eilige vom 13.09.2019.
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Neu im Kino «Les Invisibles»: Baise Le Système

Ein Überraschungs-Hit aus Frankreich: Profi-Schauspielerinnen und Laien-Darstellerinnen spielen zusammen. Und zeigen dem System den Stinkefinger.

Mit «Les Invisibles» sind Frauen gemeint, die für die Gesellschaft unsichtbar sind. Frauen ohne Wohnung, Job und Geld.

Eine Tagesstätte steht im Zentrum der Geschichte: Eine kleine, aber enorm wichtige Einrichtung für die Betroffenen. Dort sind sie für paar Stunden vor den Gefahren der Strasse geschützt, können sich duschen, bekommen eine warme Mahlzeit und haben jemanden zum Reden.

Doch nun soll die Tagesstätte geschlossen werden. Als auch noch ein Zeltlager der obdachlosen Frauen geräumt wird, beschliessen die Sozialarbeiterinnen, ihren Schützlingen zu helfen. Ziel ist es, den obdachlosen Frauen eine Arbeit zu vermitteln und sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Und das, bevor ihre Einrichtung geschlossen wird.

Ein ehrgeiziges Vorhaben. Dabei kommen die Sozialarbeiterinnen sogar mit dem Gesetz in Konflikt.

Das eindrucksvollste Zitat

Zwei Frauen an einem Tisch
Legende: Chantal kann nicht lügen. Frenetic

«Wenn man nicht mehr reden darf, wird man depressiv», sagt Chantal, die sich bei Bewerbungsgesprächen nicht auf die Zunge beissen kann. Ihre Soft-Skills eignete sie sich im Gefängnis an. Dass sie hinter schwedischen Gardinen sass, will sie nicht verheimlichen.

Die Schauspielerin

Schauspielerin Adolpha Van Meerhaeghe
Legende: Filmreifes Leben: Adolpha Van Meerhaeghe spielt Chantal. Frenetic

In «Les Invisibles» sind die Rollen der Obdachlosen mit Frauen besetzt, die das Leben am Rande der Gesellschaft kennen. Darstellerin Adolpha Van Meerhaeghe beispielsweise verbrachte im echten Leben, wie im Film, eine Zeit im Gefängnis, weil sie ihren Mann aus Notwehr getötet hat. Sie verarbeitete ihre Vergangenheit in einem Buch. Daraus wurde ein Theaterstück. Nun ist ihre Geschichte Teil von «Les Invisibles».

Fakten, die man wissen sollte

Frauen Gesprächsrunde
Legende: Die freiwillige Helferin gibt den obdachlosen Damen ein Berufscoaching auf ihre eigene Art. Frenetic

Wie viele Obdachlose leben in einer Stadt? In Paris fand dieses Jahr zum zweiten Mal die Aktion «Nacht der Solidarität» statt. Freiwillige ermittelten auf nächtlichen Streifzügen die Zahl der Obdachlosen auf der Strasse. Denn in Paris gibt es zu wenig Notunterkünfte. Es sind rund 20'00 Plätze. Sie sind fast immer belegt.

Über 3000 Obdachlose gab es 2018 auf den Strassen, die keinen Platz mehr gefunden haben. 12 Prozent davon waren Frauen. In einem Interview mit dem «Deutschlandfunk», Link öffnet in einem neuen Fenstererzählte eine ehemalige Langzeitobdachlose, dass gerade Frauen, die auf der Strasse leben, zur «sexuellen Beute» werden.

Das Urteil

Frauen tanzen
Legende: Mit Humor gegen das System. Frenetic

In einer Filmszene sieht man, wie Parkbänke mit Haken oder Spitzen versehen werden, damit sich Obdachlose nicht hinlegen können. Ein fieser, menschenfeindlicher Moment.

«Les Invisibles» zeigt dem Zuschauer die Welt aus dem Blickwinkel der obdachlosen Frauen. «Les Invisibles» kritisiert dabei nicht nur das französische Sozialsystem. Die Geschichte über die Rebellion der Sozialarbeiterinnen besitzt viel Humor. Der ist wichtig. Im Kampf gegen den Wahnsinn der Bürokratie können die Frauen oft nur ihre Würde durch Witz bewahren.

Kinostart: 12.09.2019

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