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Legende: Video Jeder Epoche ihre Mary Stuart abspielen. Laufzeit 03:35 Minuten.
Aus 10vor10 vom 18.01.2019.
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Neu im Kino Mary Stuart zwischen Feminismus und Nazi-Propaganda

Im neuen Film «Mary, Queen of Scots» ist die Königin eine selbstbewusste Frau. Sie wurde aber auch schon ganz anders inszeniert.

Eine selbstbewusste Frau, die sich gegen dominante Männer behaupten muss: So wird Mary Stuart von Schottland in der neusten Verfilmung «Mary, Queen of Scots» dargestellt.

Filmkritik «Mary, Queen of Scots»

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Filmkritik «Mary, Queen of Scots»

Regisseurin Josie Rourke inszeniert die jahrhundertealte Geschichte modern: Mit Transgender-Diener, multi-ethnischem Hofstaat und schwulem Ehemann.

Die beiden Hauptdarstellerinnen Saoirse Ronan und Margot Robbie überzeugen. Sie stellen Mary Stuart und Elizabeth I als starke, aber gleichzeitig verletzliche Monarchinnen dar.

Der Film ist zwar voller Morde, Liebschaften und Verschwörung. Hat aber trotzdem zu viele Szenen, in denen diskutiert, intrigiert und palavert wird. Das ist streckenweise ziemlich langweilig.

Kinostart: 17.1.2019

Verkörpert wird sie von Saoirse Ronan («Lady Bird»). «Mich als junge Frau inspiriert Mary», sagt Ronan. «Sie ist dafür eingestanden, was sie für richtig hielt. Auch wenn sie dabei andere vor den Kopf stiess.»

Mary Stuart

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Mary Stuart kam 1542 auf die Welt. Mit nur sechs Tagen wurde sie Königin von Schottland. Aufgrund ihrer Abstammung hatte sie auch Ansprüche auf den englischen Thron.

Als sie genug alt war, um selber zu regieren, sass auf diesem aber Elizabeth I. Dies führte zu Spannungen. Dass Mary Katholikin war, Elizabeth aber Protestantin, machte die Angelegenheit nicht einfacher.

Auch die schottischen Fürsten lehnten sich gegen ihre eigene Königin auf. Mit 26 Jahren floh sie nach England. Dort verbrachte sie fast 20 Jahren in Gefangenschaft.

1587 wurde sie mit Elizabeths Zustimmung hingerichtet. Mary Stuart soll an Verschwörungen gegen die englische Königin beteiligt gewesen sein.

Die Geschichte um sie und ihre Rivalin Königin Elizabeth I. wurde schon oft erzählt. Und je nach Zeitgeist immer anders interpretiert.

«The Execution of Mary Stuart» 1895, Regie: Alfred Clark

Szene aus einem alten Film: Ein Henker hebt ein Beil, vor ihm kniet eine Frau. Darum herum eine Menschenschar.
Legende: Verliert ihren Kopf: Eine Puppe als Mary Stuart. Screenshot

Zum ersten Mal verfilmt wurde Mary Stuarts Schicksal bereits 1895. Zumindest ein Teil davon. Der berühmte Erfinder und Filmproduzent Thomas Edison drehte den 19 Sekunden kurzen Film. Eine damals übliche Länge.

Er konzentriert sich im Kurzfilm auf den Tod der schottischen Königin: Ihre Rivalin Elizabeth I liess sie 1587 köpfen.

Um dies realistisch darzustellen, verwendeten die Macher einen Stopp-Trick: Sie hielten die Kamera an, ersetzten die Schauspielerin auf dem Schafott durch eine Puppe. Und liessen die Kamera dann weiterlaufen.

Special Effects gab es davor noch nicht. Deshalb war dies ein Meilenstein der Filmgeschichte. Die Zuschauer glaubten damals, eine echte Enthauptung mitzuverfolgen.

«The Execution of Mary Stuart» gilt als erster Historienfilm der Geschichte.

«Mary of Scotland» 1936, Regie: John Ford

Eine Frau in edlem Gewand steht vor einer riesigen Weltkugel und schaut nachdenklich zur Seite.
Legende: Möchte eigentlich einfach Frieden: Katharine Hepburn als Mary Stuart. imago/Prod.DB

Hollywood-Star Katharine Hepburn spielt Mary Stuart – als uneingeschränkte Heldin.

Für die Rolle war sie eigentlich viel zu alt. Wie die meisten Mary-Darstellerinnen im Film. Während der Dreharbeiten war Hepburn 28-jährig. Die echte Mary Stuart war zu Beginn der dargestellten Ereignisse aber noch ein Teenager.

Regie führte John Ford, vor allem bekannt für seine Western («My Darling Clementine»).

Die positive Darstellung Marys könnte einen einfachen Grund gehabt haben: John Ford und Katharine Hepburn hatten eine Affäre.

«Das Herz der Königin» 1940, Regie: Carl Froelich

Eine Szene aus einem alten Film: Eine Königin in prunkvollem Gewand sitzt an einem Tisch, links und rechts von ihr stehen zwei Männer und schauen sich in die Augen. Die Königin schaut starr geradeaus.
Legende: Lässt alles über sich ergehen: Zarah Leander als Mary Stuart. imago/United Archives

Die Nazis nutzten die Geschichte als Propaganda. Die englische Königin Elizabeth wird in diesem Film als eitel, illoyal und grausam dargestellt. Um den Kriegsgegner England zu verunglimpfen.

Mary Stuart hingegen dient als Vorbild für das deutsche Volk. Besetzt wurde die Rolle mit Zarah Leander – dem Star des nationalsozialistischen Kinos.

Diese Mary opfert sich für ihr Land. Genau das wollen die Nazis von der Bevölkerung: Dass sie für Nazideutschland bis in den Tod gehen.

«Mary, Queen of Scots» 1971, Regie: Charles Jarrott

Eine Szene aus einem Film: Eine Frau und ein Mann stehen nebeneinander und haben die Hände zusammengelegt wie zum Gebet. Sie sind prunkvoll gekleidet, mit Krone, Ketten etc.
Legende: Noch während sie mit ihm hier verheiratet ist, beginnt sie eine Affäre mit einem anderen: Vanessa Redgrave als Mary Stuart. mauritius images / United Archives

Diesem Film merkt man an, dass er in einer Zeit der gesellschaftlichen Umwälzung entstanden ist.

In der Verfilmung mit Vanessa Redgrave zeigen sich erste kleine Errungenschaften der Frauenbewegung. Diese Mary Stuart ist sexuell freier. Auch ist sie nicht mehr so häuslich. Sie beginnt, sich zu wehren.

«Mary Queen of Scots» 2013, Regie: Thomas Imbach

Nahaufnahme einer Frau in Rüstung. Sie steht neben einem Pferd und schaut zum Reiter hoch, Dieser ist nicht im Bild.
Legende: Nimmt sich, was sie will: Camille Rutherford als Mary Stuart. mauritius images / Collection Christophel / Okofilm Productions / Sciapode

Beim Schweizer Regisseur Thomas Imbach ist Mary Stuart selbstbewusst und eigensinnig.

Imbach konzentriert sich in seinem Film «Mary Queen of Scots» aus dem Jahr 2013 vor allem auf die Gedanken und Gefühle der jungen Königin.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Der Film ist exemplarisch gut geeignet, wenn auch nicht unbedingt zum Schauen, sondern eher um das heutige Selbstbild der Frauen zu reflektieren: Etwas überhöhend und schöngefärbt. Und das ganze noch mit multi-sexueller und verworren (geschichtlich inkorrekter) multi-ethnischer Gesellschaftskulisse zum Abrunden. Mary Stuart war vieles, aber sicher keine hübsche, verklärte Romantikerin. Hier gehts nicht um ein akkurates Geschichtsbild, sondern um Verklärung für den heutigen Zuschauer-Geschmack.
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  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Der Film ist exemplarisch gut geeignet, wenn auch nicht unbedingt zum Schauen, sondern eher um das heutige Selbstbild der Frauen zu reflektieren: Etwas überhöhend und schöngefärbt. Und das ganze noch mit multi-sexueller und verworren (geschichtlich inkorrekter) multi-ethnischer Gesellschaftskulisse zum Abrunden. Mary Stuart war vieles, aber sicher keine hübsche, verklärte Romantikerin. Hier gehts nicht um ein akkurates Geschichtsbild, sondern um Verklärung für den heutigen Zuschauer-Geschmack.
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