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Kinostart «Pushing Boundaries»
Aus Kultur Webvideos vom 27.07.2022.
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Neu im Kino «Pushing Boundaries»: Zwischen physischen und psychischen Grenzen

Das paralympische Team der Ukraine verlor kurz vor der Olympiade seine Trainingsbasis auf der Krim. Ein Schweizer Dokumentarfilm begleitete es auf dem schwierigen Weg.

Das viertbeste Team der Paralympischen Spiele in London 2012 gewann ganze 84 Medaillen. Diesen Rekord will das ukrainische Team 2016 in Rio de Janeiro aufrechterhalten.

Doch dann wird ihnen 2014 mitten in der Vorbereitung auf einen Schlag die topmoderne Trainingsbasis genommen. Denn Russland annektiert die Halbinsel Krim, auf der sich die Anlage befindet.

«Die Ukraine erlitt Amputationen»

Die Sportlerinnen und Sportler stehen vor riesigen Herausforderungen und Unsicherheiten. Sowohl sportlich wie auch privat.

Regisseurin Lesia Kordonets begleitete mehrere von ihnen von 2014 bis zu den Paralympischen Spielen 2016. Daraus entstanden ist der eindrückliche Dokumentarfilm «Pushing Boundaries».

Ein Mann fährt im Rollstuhl auf einer Strasse. Er trägt sportliche Kleidung und schaut auf die Armbanduhr.
Legende: Roman ist Ruderer. Und auf der Flucht. Dschoint Ventschr

Die Regisseurin ist Ukrainerin und lebt schon länger in der Schweiz. Für sie war schnell klar, dass sie die Geschehnisse in ihrem Land anhand der paralympischen Sportlerinnen und Sportler erzählen will.

«Es war für mich symbolisch», sagt sie. «Die Ukraine hat durch die Annexion der Krim und den Krieg im Donbass Amputationen erlitten. Wenn man das Land als einen Körper betrachtet, wurden gewisse Teile abgeschnitten.»

Film mit Sportlerinnen, aber kein Sportfilm

«Pushing Boundaries» ist kein Sportfilm. Auch wenn die beeindruckenden Leistungen der Sportlerinnen und Sportler am Rand immer wieder gezeigt werden.

Vielmehr werden die Geschehnisse in der Ukraine und die Stimmung im Land anhand der Protagonistinnen und Protagonisten erzählt. Der Schock, plötzlich die Heimat, die Nationalität, das Zuhause oder eben das Trainingszentrum zu verlieren. Freunde und Verwandte nicht mehr sehen zu können.

Der Mann links hält ein Gewehr in der Hand. Der Mann rechts inspiziert den Lauf.
Legende: Anton (rechts) ist Gewichtheber. Sein bester Freund ist im Militär. Dschoint Ventschr

Was man im Film nicht sieht: Auch die Dreharbeiten waren sehr schwierig. Vor allem auf der Krim.

Ausländische SIM-Karten hätten funktioniert, erzählt Lesia Kordonets. Aber weder Geldüberweisungen noch das Abheben mit Bankkarten waren möglich. Die Grenzen konnten nur zu Fuss überquert werden. Das Kamera-Equipment mussten sie reinschmuggeln lassen.

Auch festgenommen wurden die Regisseurin und ihr Team. Weil sie aus dem fahrenden Auto einen Checkpoint gefilmt hatten.

«Im Westen haben einige nichts von der Annexion mitbekommen»

Trotz der Schwierigkeiten ist der Regisseurin das Projekt sehr wichtig: «Diese Geschichte muss erzählt werden. Ich habe Menschen im Westen Europas getroffen, die die Annexion der Krim nicht mal mitbekommen haben. Das war meine Motivation.»

Die letzten Dreharbeiten fanden 2016 statt. Wegen der langen Post Production kommt «Pushing Boundaries» erst jetzt ins Kino. Und ist durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine erschreckend aktuell.

«Der Film zeigt die Ereignisse von damals, dank denen man vielleicht auch den heutigen Krieg besser verstehen kann», sagt Regisseurin Lesia Kordonets. «Vielleicht nicht nur den Krieg, sondern auch unser Verhalten. Unsere Reaktion. Unsere Illusion.»

Ein Mann mit amputiertem Bein sitzt im Rollstuhl vor einer offenen Tür. Drinnen ein heruntergekommenes Fitnessstudio.
Legende: Statt in der modernen Trainingsanlage mussten die Sportlerinnen und Sportler an solchen Orten trainieren. Dschoint Ventschr

Die Premiere in der Ukraine war auf den Frühling 2022 geplant. Sie konnte nicht stattfinden. Lesia Kordonets weiss nicht, ob sie es jemals wieder schafft, ihre Protagonistinnen und Protagonisten zusammenzubringen.

Die meisten von ihnen sind noch immer in der Ukraine. Versuchen zu trainieren oder an Wettkämpfen teilzunehmen.

Mit einigen der Sportlerinnen und Sportler hat die Regisseurin Kontakt. Andere jedoch sind seit Wochen nicht mehr erreichbar.

Kinostart: 28.7.2022

SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 28.7.22, 7:06 Uhr

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