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Rezension zu «The Banshees of Inisherin»
Aus Kultur-Aktualität vom 05.01.2023. Bild: Searchlight Pictures
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 27 Sekunden.
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Neu im Kino «The Banshees of Inisherin»: Irre ausdrucksstark, diese Iren!

Der Film mit Brendan Gleeson und Colin Farrell schafft die Gratwanderung zwischen Tragik und Komik auf höchstem Niveau.

Grüne Wiesen, gälische Namen und Glaubenskonflikte – dafür ist Irland gemeinhin bekannt. Dass die Insel auch grosses Kino hervorbringt, wissen wohl weit weniger Leute.

Drei Iren zeigen aber regelmässig, dass Irland Kino kann: Allen voran Colin Farrell, der bei der Rollenwahl zwischen Hollywood-Kisten jeweils gekonnt europäische Arthouse-Perlen einstreut. Sein Schauspielkollege Brendan Gleeson geht ähnlich vor, wobei bei ihm das Pendel etwas stärker in Richtung Kunstkino ausschlägt.

Die Filme des dritten im Bunde, Regisseur Martin McDonagh, sind am Schnittpunkt zwischen diesen beiden Filmwelten angesiedelt. So erstaunt es nicht, dass er für sein Kinodebüt 2008 genau die beiden oben genannten Landsleute rekrutierte: Farrell und Gleeson. 

Irisches Gipfeltreffen mit Farrell und Gleeson

McDonaghs Action-Drama «In Bruges» («Brügge sehen … und sterben») schlug ein wie eine Bombe. Colin Farrell und Brendan Gleeson hinterliessen als antagonistisches Duo einen so starken Eindruck, dass beide für den Golden Globe nominiert wurden. Dass Farrell diesen gewann, während Gleeson leer ausging, verkam zur Randnotiz.

Filmszene mit Brendan Gleeson und Colin Farrell vor malerischer Naturkulisse.
Legende: Irlands Charakterköpfe endlich wieder zusammen im Bild: Brendan Gleeson und Colin Farrell. Searchlight Pictures / Disney

In Erinnerung blieb: Vereint sind Farrell und Gleeson kaum zu toppen. Zumindest, wenn Mastermind McDonagh seinen Teil dazu beisteuert. Das anerkannte auch die Oscar-Academy, indem sie Letzteren 2009 mit einer Nominierung für das Beste Drehbuch bedachte. 2018 kamen zwei weitere Nominierungen für «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri» dazu. Das Goldmännchen entgegennehmen konnte McDonagh aber erst einmal: 2006 für seinen Kurzfilm «Six Shooter».

Zu dritt machten sich Irlands Kinogiganten erst wieder für «The Banshees of Inisherin» ans Werk. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten: Martin McDonagh gewann in Venedig 2022 den Drehbuchpreis, Colin Farrell die Coppa Volpi als «Bester Schauspieler».

«The Banshees of Inisherin» auf Oscarkurs

Die Handlung von McDonaghs jüngstem Oscaranwärter, die auf einer fiktiven Insel namens Inisherin spielt, ist rasch erzählt: Pádraic (Colin Farrell) versteht die Welt nicht mehr, als sich sein best buddy Colm (Brendan Gleeson) eines Tages von ihm abwendet.

Colin Farrell in seiner Rolle als Padraic, der vom hinten im Bild fortschreitenden Colm allein zurückgelassen wird.
Legende: Plötzlich muss der treudoofe Pádraic (Colin Farrell) seinen Lebensweg allein beschreiten. Searchlight Pictures / Disney

Verzweifelt versucht der am Boden zerstörte Pádraic, die alte Freundschaft wiederzubeleben. Doch der musisch begabte Colm steht felsenfest hinter seinem Entscheid, den Kontakt zum leicht einfältigen Pádraic abbrechen zu lassen. Mehr noch: Er stellt diesem ein schockierendes Ultimatum, das bald blutige Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Maximal menschelndes Meisterwerk

Ist Colm depressiv? Müsste Pádraic Colms Wünschen entsprechen und sich zurückziehen? Oder sollte er ganz im Gegenteil versuchen, Colms Meinung und sich selbst zu ändern? In Windeseile wirft der Film Fragen auf, die einen nachhaltig beschäftigen.

Ein Esel und sein Halter (Colin Farrell) allein auf weiter Flur.
Legende: Der Klügere gibt bekanntlich nach. Dessen ungeachtet verhält sich oft Pádraic wie ein Esel. Searchlight Pictures / Disney

Auf McDonaghs universelle Charakterzeichnung angesprochen, kommt Farrell ins Schmunzeln: «Alle Figuren hier sind meschugge. Sie sind wahnsinnig auf sehr unterschiedliche und eigene Weise. Archetypen, die zusammengebracht werden, um für ein blutiges Chaos zu sorgen.»

Ein Chaos, das historisch Beschlagene sofort mit dem Irischen Bürgerkrieg in Verbindung bringen werden. Dessen Lärm kann man in manchen Szenen ganz leise aus der Ferne vernehmen. Wie das gespenstische Echo von einer grösseren Bühne, auf welcher der Zwist zwischen einstigen Freunden längst eskaliert ist.

Kinostart: 5.1.2023

Radio SRF 2 Kultur, 5.1.2013, 08:06 Uhr

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