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Kinostart «The Childres Act»
Aus Kultur-Aktualität vom 29.08.2018. Bild: © Ascot Elite
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 39 Sekunden.

Neu im Kino «The Children Act»: Die Richterin und der verlorene Sohn

Emma Thompson spielt in «The Children Act» eine Familienrichterin. Die salomonisch entscheidende Juristin steckt privat selber in der Krise.

Es sind harte Entscheide, welche Fiona Maye (Emma Thompson) im Richteramt treffen muss: Soll sie etwa die chirurgische Trennung eines siamesischen Zwillingspaars zulassen, wenn mit dieser Massnahme nur eines der beiden Kleinkindern gerettet werden kann?

Maye spricht ihr Urteil: Sie misst einem lebendigen, gesunden Menschen mehr Wert bei als zwei todgeweihten Kindern. Also: Trennen

Von Amtes wegen angefeindet

Fiona Maye hat in ihrem Amt naturgemäss Feinde. Doch die Angriffe auf ihre Person muss sie wegstecken; es gehört zu ihrem Beruf.

Auch in ihrem nächsten Fall läuft sie Gefahr, sich unbeliebt zu machen: Ein nicht ganz volljähriger Teenager ist auf eine lebensrettende Bluttransfusion angewiesen. Doch die Eltern – sie sind Zeugen Jehovas – stellen sich quer, ihr Sohn zieht mit: Fremdes Blut im Körper, das ist Verrat an Gottes Plan.

Wurm in der eigenen Ehe

Vielleicht ist es die eigene Ehekrise, welche die Richterin Maye in diesem Moment überraschend aktiv werden lässt. Sie hat soeben ihren Ehegatten (Stanley Tucci) vor die Tür gestellt, weil dieser ihre Arbeitswut bemängelte.

Ein Mann und eine Frau stehen sich gegenüber. Ausschnitt aus dem FIlm «The Children Act»
Legende: Fiona Mayes Gatte ist nicht mehr zufrieden mit ihrer Beziehung und der Arbeitsbelastung seiner Frau. © Ascot Elite

Zudem bittet er sie um Erlaubnis, mit einer jüngeren Frau eine Affäre zu beginnen. Was in diesem Konflikt mitschwingt: Das Paar ist kinderlos.

Warten auf Tod, trotz möglicher Rettung

Das Publikum reimt sich ab hier zusammen: Es kommt nicht ganz von ungefähr, dass Maye diesen jungen Mann persönlich kennenlernen will, der im Krankenhaus beharrlich auf seinen Tod wartet, obwohl er gerettet werden könnte.

Sind seine religiösen Gefühle wirklich derart tief, dass er dafür sein Leben aufs Spiel setzt? Oder kann er noch zur Umkehr bewogen werden?

Grünes Licht vom Gericht

«The Children Act 1989» ist ein britisches Gesetz, das der Judikative erlaubt, zum Kindeswohl in familiäre Verhältnisse einzugreifen. Genau das tut Richterin Maye nach einem äusserst emotional verlaufenen Krankenhausbesuch.

Ein junger Mann und eine Frau sprechen zusammen. Ausschnitt aus dem Film «The Children Act»
Legende: Adam hat dank Fionas Eingreifen überlebt. Fiona sieht in ihm den Sohn, den sie nie hatte. © Ascot Elite

Vom Gerichtssaal aus gibt sie grünes Licht für die Transfusion – über die Köpfe der erbosten Eltern hinweg. Sie macht sich neue Feinde. Und sie hat einen neuen Freund.

Gerettetes Leben, neuer Ärger

Der Junge, dessen Leben sie gerettet hat, vergöttert sie nun. Er schreibt ihr Briefe und Gedichte, er spricht ihr auf die Combox. Er löst sich von seinen fundamentalistischen Eltern und klammert sich stattdessen an sie.

Maye bleibt professionell und blockt diese Kontaktversuche ab. Doch anderswo vergnügt sich ihr Mann mit einer jüngeren Frau.

Zuviel zum Schluss

«The Children Act» ist nach «On Chesil Beach» die zweite Verfilmung eines Romans des Erfolgsschriftstellers Ian McEwan dieses Jahr. Zu beiden Filmen schrieb der Autor auch das Drehbuch.

Schauspielerin Emma Thompson.
Legende: Dreh- und Angelpunkt von «The Children Act»: Schauspielerin Emma Thompson. © Ascot Elite

Beide Filme bieten in der ersten Hälfte eine verzwickte Ausgangslage, in der die Protagonistinnen komplexe Entscheidungen treffen müssen. Doch was vielversprechend beginnt, endet in beiden Fällen mit unnötig überdeutlichen Szenen.

Respekt vor eigenen Vorlage fehlt

In seinen Romanen und Novellen wagt McEwan das Unausgesprochene jeweils bis zum Schluss. Bei seinen Drehbucharbeiten hingegen scheint er die Ansicht zu vertreten, dass ein gelungenes Ende im Kino das restlose Herauskehren aller Emotionen bedingt.

Sollte McEwan zukünftig weiteres Material für die Filmkameras aufbereiten, wünscht man ihm mehr Mut zum Respekt vor der eigenen Vorlage. Es wird nicht immer eine geniale Darstellerin wie Emma Thompson zur Stelle sein, die derart explizite Gefühlsausbrüche auch tatsächlich spielen kann.

Kinostart: 30.8.2018

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