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«Der Distelfink» – die Filmkritik
Aus Kultur-Aktualität vom 26.09.2019.
abspielen. Laufzeit 03:22 Minuten.
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Neu im Kino «The Goldfinch»: Kitsch im Quadrat

Der Roman «The Goldfinch» war Bestseller und Pulitzer-Preis-Gewinner. In der Verfilmung hätte man einiges weglassen können.

Seit seinem 13. Lebensjahr trägt Theodor ein grosses Geheimnis mit sich herum – im wahrsten Sinne des Wortes. Als seine Mutter bei einem Anschlag in einem Museum stirbt, klaut er dort ein wertvolles Bild.

Seither ist «The Goldfinch» (auf Deutsch: «Distelfink») – eingepackt in alten Zeitungen – sein einziger konstanter Begleiter. Denn auch sonst ist Theodors Leben seit dem tragischen Vorfall von Verlusten und Schicksalsschlägen geprägt.

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Trailer zu «The Goldfinch»
Aus Kultur vom 27.09.2019.
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Klassen-Klischees

Mittels Rückblenden wird uns Theodors Kindheit seit dem Anschlag erzählt. Oft untermalt von dramatischer Musik und den Gedanken des erwachsenen Theos, der zeitlebens mit Drogen versucht, die Erinnerungen an seine Vergangenheit zu betäuben.

Das Ganze ist so kitschig und pathetisch inszeniert, dass die Schwere, mit der der Film beginnt, niederschmetternd ist. Besonders nervig: die klischierte Darstellung der Klassenunterschiede der Milieus, in denen Theodor aufwächst.

Eine Frau und ein kleiner Junge blicken sich in die Augen.
Legende: Klassen-Klischees und zu viel Kitsch: Die «Distelfink»-Verfilmung überzeugt nicht. Warner Bros.

Nachdem er bei einer reichen Pflegefamilie in New York untergebracht wurde, wird er zu seinem Säufer-Vater nach Las Vegas abgeschoben. Als auch dieser stirbt, flüchtet der kleine Theodor wieder zurück nach New York.

Unendlich viele Nebenhandlungen

Als erwachsener Mann arbeitet Theodor dort als Antiquitätenhändler. Immer wieder trifft Theodor – unrealistisch zufällig – auf Menschen, die mit seiner Vergangenheit zu tun haben.

Der Film verirrt sich dabei dermassen in diesen Nebenhandlungen, dass der eigentliche Ausgangspunkt der Geschichte völlig abhandenkommt.

Worum geht es in diesem Film?

Als Zuschauerin schwimmt man verwirrt zwischen den verschiedenen Zeitebenen und Erzählsträngen hin und her. Der Versuch, den Fokus des Films zu fassen, wird mit der Zeit richtig anstrengend.

Trauma, Trauer, Drogensucht, verstrickte Familiendramen – die Themen, die die Geschichte hergibt, sind interessant. Da der Film aber so überladen ist, werden sie nur oberflächlich behandelt.

Was ist denn jetzt eigentlich mit diesem Bild? Erst gegen Schluss wird das Sujet des Distelfink-Bildes wieder wirklich aufgegriffen. Nachdem man es fast schon vergessen hatte.

Viel zu langes Genre-Chaos

Als Theodor – wieder einmal – zufällig auf seinen Kindheitsfreund Boris trifft, gesteht ihm dieser, dass er das Bild von Theodor geklaut hatte. Inzwischen sei es in den Händen von mafiösen Kunsthändlern. Im Paket, das Theodor seither mit sich rumträgt, ist das Bild schon lange nicht mehr – er hat nur nie nachgesehen.

Zwei junge Männer vor schwarzen Autos.
Legende: Wo sind wir denn jetzt gelandet? Eine Szene aus dem Genre-Mix «Goldfinch». Warner Bros.

Boris bietet Theodor an, das Bild auf kriminelle Wege wieder zu besorgen. Als sich «Der Distelfink» nun auch noch in einen Heist-Movie zu verwandeln scheint, ist man über den sonderbaren Genre-Mix nur noch völlig irritiert.

Der Stoff für eine Serie

Der Besteller-Roman und Pulitzer-Preis-Gewinner «The Goldfinch» umfasst in der deutschen Übersetzung fast 1000 Seiten. Der Film fühlt sich an, als hätte man versucht, jede Seite davon zu verfilmen.

Diese Nähe zur Buchvorlage mag ja gut gemeint sein. Den Stoff hätte man jedoch lieber zu einer Serie verarbeitet.

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