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Aus dem Archiv: Die Geschichte des Zombie-Hypes
Aus Box Office vom 23.06.2013.
abspielen. Laufzeit 5 Minuten 33 Sekunden.
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Neu im Stream «Army of the Dead»: Braucht es noch einen Zombie-Film?

«Army of the Dead» heisst das neuste Untoten-Spektakel. Kann das dem Horror-Genre neue Impulse geben?

Immer wenn ein neuer Zombie-Film herauskommt, fragt man sich, was es da noch für eine Geschichte zu erzählen gibt. Wurde nicht längst jegliche Storyline über die hungrigen Untoten in Filmen und Serien verbraten?

Eine Zombie-Frau
Legende: Eine Zombie-Frau aus «Army of the Dead». Netflix

Ein Zombie für jeden

Zombies als Haustiere, Zombie-Babys, Zombies, die sich in Menschen verlieben, eine Zombie-Frau als Gerichtsmedizinerin, von Nazis gezüchtete Zombies, Iggy Pop als Zombie, Zombie-Männer auf Viagra - all das gab es schon.

Und darüber hinaus? Zombies dienten oft als Projektionsfläche für gesellschaftliche Probleme.

Eine Gruppe Zombies.
Legende: Gruppenbild mit Zombies 1: Mit «Night of the Living Dead» begann der Hype der hässlichen Hungrigen. imago images

George Romeros Klassiker «Night of the Living Dead» behandelte (1968) das Thema Rassismus: Der afroamerikanische Held wird am Ende nicht von Zombies getötet, sondern von einer weissen Miliz erschossen. Wer denkt da heute nicht an George Floyd?

Diktatur oder Demokratie?

«The Walking Dead» ist eine der erfolgreichsten Serien der vergangenen Jahre. Darin kämpft sich eine Gruppe Menschen durch die zombieverseuchten Südstaaten und versucht dabei, wieder eine Gemeinschaft zu gründen.

Gerade in den ersten Staffeln diskutierte die Gruppe wiederholt darüber, wie viel Macht eine Einzelne, ein Einzelner besitzen muss, um vernünftig zu führen. Eine Frage, die gerade während der zurückliegenden Präsidentschaft von Donald Trump in den USA diskutiert wurde.

Eine Gruppe Zombies geht über eine Wiese
Legende: Gruppenbild mit Zombies 2: 2022 kommt die elfte und letzte Staffel von «The Walking Dead». imago images

Letztendlich wurde in «The Walking Dead» die Frage gestellt: Was ist die bessere Staatsform: Diktatur oder Demokratie? Diese Debatte gab der Serie ihren Reiz.

Corona, das man sieht

In Brad Pitts «World War Z» sind die Untoten eine Metapher für einen tödlichen Virus, der sich auf der Erde verbreitet. Der Held sucht den Ursprung und damit die Heilung.

Ein Traum in Corona-Zeiten: Man wünscht sich, dass man die Gefahr sehen und mit einem Kopfschuss erledigen könnte.

Brad Pitt in einer Ruine. Ein Hubschrauber fliegt vorbei.
Legende: Brad Pitt hat «World War Z» auch produziert. IMAGO / Cinema Publishers Collection

Und jetzt kommt «Army of the Dead», von Starregisseur Zack Snyder, der Actionfilme wie «300» oder «Justice League» gedreht hat. Was bringt die Armee der Toten neues?

Viva Las Vegas

In dem Spektakel ist nur Las Vegas der Zombie-Epidemie zum Opfer gefallen. Das Spielerparadies ist abgeriegelt, der US-Präsident will eine Atombombe draufwerfen. Eine Gruppe Frauen und Männer plant, zuvor noch den Tresor eines Casinos auszurauben - weil 200 Millionen Dollar drin liegen. «Dawn of the Dead» meets «Ocean's Eleven».

Regisseur Zack Snyder am Set, in einem Wagen, mit einer Kamera. Im Vordergrund ein Skelett.
Legende: Regisseur Zack Snyder am Set von «Army of the Dead». Netflix

Zombies' Eleven

Ausser dem Mash-Up aus Horror- und Heist-Movie bietet «Army of the Dead» kaum Neues. Es gibt schnelle und langsame Untote, aber das ist ein alter Hut.

Einige Zombies sind klüger und können kommunizieren, auch das gab es schon. Neu hingegen ist, dass ein Pärchen die Horde der Heisshungrigen anführt.

Irgendwo ein tiefer Gedanke?

Dem Fan mit Anspruch bietet der Film nicht viel. Es gibt eine Mauer, die Menschen voneinander trennt, es gibt Uniformierte, die ungefragt Fieberpistolen an den Kopf setzen und einen Vergewaltiger, der den Zombies ausgeliefert wird.

Aktuelle soziopolitische Diskussionen in den USA werden also angerissen, ohne dass sie ausgeführt werden oder wichtig für die Handlung sind.

Eine Gruppe bewaffneter Männer und Frauen.
Legende: Gruppenbild ohne Zombies: «Army of the Dead» ist zeitgemäss besetzt, besteht aus afro-amerikanischen, japanischen, deutschen, indischen, mexikanischen, französischen und britischen Schauspieler:innen. Netflix

Pures Entertainment

Genre-Fans kommen auf ihre Kosten: Der Film ist kurzweilig und comichaft. Das coolste Geschöpf ist ein einäugiger Zombie-Tiger, der durch Las Vegas streift.

Der lustigste Moment: Zwei Menschen kämpfen sich durch unzählige Zombies und flüchten in einen funktionierenden Fahrtstuhl. In der Kabine läuft Musik. Es ist «Do You Really Want to Hurt Me» von Culture Club.

Wer so was witzig findet, kann sich die zweieinhalb Stunden «Army of the Dead» anschauen. Er bietet Splatter und Spass und das ist für ein so abgenutztes Genre schon viel.

Filmstart: Ab 21.05.2021 auf Netflix.

Video
Trailer «Army of The Dead»
Aus Kultur Extras vom 06.04.2021.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 21 Sekunden.

Radio SRF 3, 21.05.2021, 16.10 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Die Frage dazu ist, wer hat solche Fantasien, produziert, konsumiert -braucht solch abstruse Filme und wofür/wozu?
    Es gibt weltweit bei der Menschheit immens viel Missgunst, egoistische Skrupellosigkeit, Ausbeutung, Gemeinheiten, Missbräuche verschiedenster Art und Gewalt aller Gattung, Krieg, Mord....wozu also noch enstprechende Filme produzieren - konsumieren?
    1. Antwort von Alex Panagiotidis  (StarfleetCommand R&D)
      Wer solche Filme fabriziert und produziert? - selbstverständlich die Leute in den USA = Hollywood. Bei den Amis gehören die Zombies einfach zu deren Popkultur, und dass wird sich so oder so niemals ändern. Tragischerweise ist dieses Genre viel näher der Realität in unserer Gegenwart als man denkt, halt ohne die Untoten, und das wird noch lange zu und her gehen - Leider!
    2. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      @Casagrande
      Die Serie "The Walking Death" ist keine blosse Slasherei, wie man vielleicht denken könnte. Sie basiert auf einer Comicreihe und ist durchaus clever ausgefeilt. Die Figuren durchlaufen eine Entwicklung. So war z.B. Daryl Dixon in normalen Zeiten ein typischer Redneck. Er beschreibt sein Leben in Zombiezeiten als wesentlich besser als Vorher. Carol Peletier wandelt sich von der "geschlagenen Frau" zu einer starken Anführerin.
    3. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      @Casagrande 2
      Und das gibt es diese beiden Filme Zombieland 1 und 2. Bill Murray spielt sich selber und wird erschossen weil er Witze macht Wie sich die 4 Hauptfiguren im leeren weissen Haus in Washington einquartieren ist schon ganz grosses Kino. Die opening Sequenz in der Zombies in Zeitlupe Reihenweise niedergemäht werden zu Musik von Metallica - das hat es sicher so noch nie gegeben. Soll man lachen oder sich gruseln? Ja es ist irgendwie beides. Unter dem Strich ein Riesenspass.
    4. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Und noch etwas Frau Casagrade. Wie tief reichen die Wurzeln der Zombies in unserer Kultur? Ich würde sagen bis ganz unten. Überlegen sie mal folgendes: Was ist der Unterscheid zwischen einem Zombie und Jesus?

      Ein Zombie war ein Mensch der gestorben und wieder auferstanden ist und er will dein Fleisch essen.

      Jesus war ein Mensch (Halbmensch) der gestorben und wieder auferstanden ist und er will dass du sein Fleisch isst (Eucharistie, Abendmal). .
    5. Antwort von Stefan Salvisberg  (Deadpool)
      Sie müssen ja nicht schauen. Zudem lieber sowas als irgend einen " Ueli der Knecht" Film oder eine " Kommissar Rex" Folge, was ja im Schweizer Fernsehen gerne ausgestrahlt wird.
  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Warum die Frage oder gar den Aufreger? Kann man sich bei jedem Liebesfilm oder anderen Krimi ja auch fragen. - gabs schon tausend mal in allen Varianten.
    1. Antwort von Konrad Pfister  (Konrad Pfister)
      Stimmt schon, aber in letzter Zeit nimmt scheint mir Zombie und postapokalyptischer Klamauk etwas sehr viel Platz.
  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Der Kommerz beim Thema Zombies hat so stark zugenommen das dieses Horrorwesen seinen Reiz völlig verloren hat.