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Neu im Stream Die Leiden des jungen Rafa – Rafael Nadal in Serie

14 Titel in Paris, ein Körper im Dauerstreik: Die Netflix-Doku «Rafa» erzählt vom Kämpfer Rafael Nadal – und seinem härtesten Gegner.

Die Muskelshirts. Die Caprihosen. Das Stöhnen. Die rohe Kraft dieser Topspin-Vorhand. Der Machtkampf mit Roger Federer. Die anfangs holprigen Interviews auf Englisch. Rafael Nadal – in den 2000er-Jahren tauchte der «Rambo aus Spanien» im Profitennis auf. Und war nie wieder wegzudenken.

Tennisspieler liegt mit ausgestreckten Armen auf dem Sandplatz, umgeben von Zuschauern.
Legende: Eigentlich ist Rafael Nadal Rechtshänder. Spielt aber mit Links. Eine bewusste Entscheidung, um einen Vorteil zu haben. Netflix

Der Sandplatzkönig

Trotz Rücktritt 2024: Nadal ist wieder in aller Munde. Grund ist die Netflix-Serie «Rafa», erschienen am 29. Mai. Gut getimed: Am 3. Juni 2026 feiert er seinen 40. Geburtstag – parallel laufen die French Open in Paris.

Es war sein allerliebstes Turnier. Hier ist sein Fussabdruck am Centre Court verewigt, hier hat er 14 Mal gewonnen.

Rafa und Paris: Warum ist er der Sandplatzkönig?

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Tennisspielerinnen und -spieler brauchen Jahre, um den Platz in Roland Garros zu verstehen. Ihn zu dominieren.

Nicht Rafael Nadal. Er gewann das Turnier bei seinem ersten Versuch mit 18 Jahren.

Insgesamt gewann er 14 Mal in Paris – was sich vielleicht einfach anhört, ist eine beinahe unmenschliche Leistung. Auf diesem Platz verlor er insgesamt nur drei Spiele. Mehr als zwei Jahre lang schlug niemand Nadal auf Sand.

Paris ist das anspruchsvollste Grand-Slam-Turnier von allen: ungünstige Aufspringer, schwierige Bedingungen. Nadal kam der Belag entgegen, der Platz verstärkte seine Stärken.

Publikumsmagnet: Sportdoku

Kein Tennisfan? Kein Problem. Die Doku-Serie meistert das dramatische Storytelling. Seit einigen Jahren setzt Netflix verstärkt auf Sportdokus.

Vier Männer beim Gespräch auf einem Tennisplatz, einer hält einen Tennisschläger.
Legende: Die «Vamos»-Crew: Rafa holte 2016 den Ex-Tennisprofi Carlos Moyá (ganz links) ins Trainerteam. Netflix

Warum das funktioniert? Es geht um mehr als Resultate und Statistiken. Netflix zeigt die persönlichen Konflikte, die Kämpfe, die menschliche Seite einer ansonsten überlebensgrossen Figur. Sei dies bei Michael Jordan, bei Simone Biles oder bei David Beckham.

Und nun auch bei Rafa. Es ist die Geschichte eines Mannes, der vor allem gegen sich selbst kämpfte.

Von MRT und Spritzen

Der rote Faden: Rafas chronische Verletzungsgeschichte. Seit er 16 ist, macht ihm sein Körper zu schaffen.

Zuerst die höchstseltene Fusskrankheit, die seine Karriere eigentlich hätte verhindern müssen. Daraus folgten Knie- und Hüftprobleme, Schmerzmittel, Darmprobleme. Erneut im MRT: Routine. Das sieht man ihm an.

Person in einem MRT-Gerät liegend.
Legende: «Tennis war für mich ein Rennen gegen die Zeit», sinniert Rafa. Die Serie macht klar, wie stark der Spanier leiden musste. Netflix

Gespräche mit Weggefährten bringen einen näher an den Menschen Rafa. Schön ausgeleuchtete Interviews mit der Familie, mit Rivalen wie Federer und Djokovic, mit seinen Ärzten.

Zwei Männer umarmen sich, umgeben von Menschen in orangen Hemden.
Legende: Ihre Geschichten sind miteinander verbunden: Roger Federer, der elegante Maestro, der damals vom spanischen Kraftpaket gebodigt wurde. Hier 2025 bei Nadals Abschiedszeremonie in Paris. EPA/TERESA SUAREZ

Die Story springt hin und her zwischen seinen Anfängen und seinen letzten Monaten im Profisport. Immer wieder fragt er sich, wie lange sein Körper dies noch mitmacht.

Held mit Angstzuständen

Rafa wird gezeigt als der willensstarke Held – mit Sätzen wie: «Ich bin kein Sieger, ich bin ein Kämpfer.»

Ein jubelnder Tennisspieler mit ausgestreckten Armen auf dem Platz.
Legende: Wurde der Punkt zu einem physischen Kampf, wendete sich das Blatt zugunsten von Nadal. Netflix

Doch es gibt auch unerwartete Seiten. Nadal gibt zu, unter Angstzuständen gelitten zu haben. Er holte sich Hilfe bei einem Psychiater.

Die Ticks, die immer wieder belächelt wurden? Das Zupfen an der Unterhose, das Abtupfen der Nase, das Nichtberühren der Platzlinie? «Es war eine Form der Kontrolle», sagt Nadal. Er wirkt verlegen. Sein Onkel Toni sagte, er solle damit aufhören, er mache sich lächerlich.

Antiheld Toni

Und damit zum Auftritt des Antihelden. Onkel Toni. Er trainierte Nadal 26 Jahre lang. Nadal nennt ihn die «prägendste Figur seines Lebens». Folge für Folge wird Toni unsympathischer.

Älterer Mann in schwarzem Hemd sitzt an einem Tisch in einem Zimmer mit Regalen.
Legende: Sandplatzkönig sein? Das reicht nicht, so Onkel Toni. Ein wahrer Champion müsse in Wimbledon gewinnen. Rafa gelang dies dann auch zweimal. Netflix

Toni verwehrte dem Teenager Nadal Wasser im Training. Er musste lernen, zu leiden. Als Nadal später einen zusätzlichen Coach ins Team bringt, setzt sich Toni ab. Und liess es seinen Neffen über die Presse wissen.

Er wirkt hochnäsig im Interview. Erklärt allen die Welt. Und zitiert dann auch noch Goethe.

Blick dahinter

Die Serie funktioniert auch, weil sie einen vermeintlichen Blick hinter die Kulissen bietet.

Man ist dabei, wenn nach einer schlechten Diagnose im Auto niemand die richtigen Worte findet. Bei der Sprechstunde, als Rafa der Ärztin gesteht, nicht auf Schokolade verzichten zu können. Beim Spielen zu Hause mit dem Sohn.

Rafael Nadal ist einer der besten Tennisspieler der Welt. Die Serie bietet eine Einordnung seiner Exzellenz. Aber sie bietet auch einen reflektierten Mann, dem man gerne zuhört.

Radio SRF 3, 1.6.2026, 15:45 Uhr

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