Oh, was für ein schöner, kitschiger Weihnachtsfilm

«Miracle on 34th Street» ist eine wunderbare Santa-Claus-Geschichte. Zwei Versionen des Weihnachtsfilms gibt es. Aus dem Jahr 1947 und 1994. Die neuere hat es Film-Redaktorin Cynthia Ringgenberg besonders angetan.

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«Miracle on 34th Street»

3:48 min, vom 3.12.2014

Der romantische Weihnachtsfilm «Miracle on 34th Street» von 1994 läuft regelmässig vor und während der Feiertage auf irgendeinem TV-Sender. An den Kinokassen ein mittelmässiger Erfolg, wurde er durch die ständigen Wiederholungen im Fernsehen zu einem Weihnachtsklassiker. Dabei ist die 94er-Version nicht das Original.

Der namensgleiche Schwarz-Weiss-Film von 1947 erzählt genau dieselbe Geschichte: Ein Mann Namens Kris Kringle behauptet, er sei am Nordpol geboren und der Weihnachtsmann. Er landet im Knast und muss vor Gericht beweisen, dass er der echte «Santa Claus» ist. Beides sind wunderbare Filme. Für den alten wurde auch auf eine wunderbare Art geworben.

Der Trailer zum Originalfilm ist typisch für seine Zeit. Bereits die ersten Sekunden beweisen: Das ist grosses Kino! Solche Filmwerbung gibt es heute nicht mehr. Es ist kein Best-of aus Filmauschnitten, sondern erzählt eine eigene Geschichte. Hier ist sie.

Gehirnwäsche im Kino

Weihnachtsmann und kleines Mädchen sehen sich an. Bild in schwarzweiss. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kris Kringle: Vor Gericht wird er beweisen, dass er der echte Weihnachtsmann ist und nicht ein Spinner im Kostüm. Twentieth Century Fox Film Corporation

«Sie werden ihn lieben» – das sind die ersten Worte, die auf der zittrigen Leinwand erscheinen. Es folgt der Filmtitel: «Miracle on 34th Street». Danach legt die Lobeshymne so richtig los: «Er ist lustig, romantisch, entzückend». Diese Worte baumeln wie Verkaufsschilder von der schwarzen Kinoleinwand. Umschnitt. Der Vorführraum. Der verärgerte Marketing-Manager des Filmstudios sitzt lässig im Sessel. Mit einer Zigarre in der Hand erklärt er den Trailer für unbrauchbar und marschiert aus dem Saal. Dazu klirrt fröhliche Swing-Musik aus den Lautsprechern.

Was danach folgt, findet man heute komisch und bizarr zugleich: Der Manager, der den Film seltsamerweise nicht kennt, läuft im Studio umher und begegnet dabei vielen bekannten Schauspielern. Zufälligerweise haben die alle «Miracle on 34th Street» schon gesehen und zufälligerweise finden sie die Weihnachtsgeschichte supertoll. Die Lobhudelei ist so offensichtlich und nimmt überhaupt kein Ende.

Auf die absolute Spitze treibt es die letzte Szene im sage und schreibe fünfminütigem Trailer: Der Marketing-Manager schaut sich endlich den Film an, lacht lauthals, weint jämmerlich und ist total begeistert. Zum Schluss blinken nochmals die überschwänglichen Adjektive auf: «lustig, romantisch, entzückend». Die Gehirnwäsche ist perfekt. Frohe Weihnachten.