«Red 2»: Die Alten sind hart im Nehmen

«Never change a winning team»: An diese banale Erkenntnis halten sich die Autoren von «Red 2». In der Fortsetzung der Actionkomödie «Red» gibt es ein Wiedersehen mit den sympathischen und gefährlichen Agenten im Ruhestand – und famose Sprüche und abgefahrenen Humor.

Mann nippt an einem Drink, auf seinem Kopf ein Hut aus künstlichen Früchten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: John Malkovich in der Rolle des paranoiden Marvin. Ascot Elite

Bruce Willis als CIA-Pensionär Frank Moses, John Malkovich in der Rolle des paranoiden Ex-Kollegen Marvin und Helen Mirren als mondäne Killerin von zynischer Eleganz müssen wieder mal die Welt und sich selbst retten. Auch die Nebenfiguren sind nicht ohne. Catherine Zeta-Jones als pflichtbewusste und dornröschenblasse russische Agentin, Südkoreas Superstar Byung-hun Lee als hipper Auftragsmörder und Anthony Hopkins als undurchschaubarer Wissenschaftler komplettieren die Bomben-Besetzung.

«Red 2»: Trailer

2:24 min, vom 10.9.2013

Regie führt Dean Parisot, der meist fürs Fernsehen arbeitet, aber mit «Fun with Dick and Jane» mit Jim Carrey in der Hauptrolle bereits bewiesen hat, dass er das Komödien-Genre kinotauglich beherrscht. Die Brüder Erich und Jon Hoeber sind für das Drehbuch verantwortlich, wie schon im ersten Teil.

Stimmung, sarkastischer Humor und das Wechselspiel zwischen knallhartem Actionthriller und surreal überhöhter Komödie wurden vom ersten Teil übernommen. Insgesamt ist die Geschichte jedoch komplexer und die Wendungen sind überraschender.

Klassische Erzählung statt Pulp

Visuelle Neuerung sind die mit gezeichneten Comic-Tafeln beginnenden oder endenden Szenen. Auf die grotesken Pulp-Elemente aus dem ersten Teil wurde zugunsten einer klassischen Erzählweise verzichtet.

Wie auch schon im ersten Teil versucht sich Frank als Pensionär und ist wild entschlossen, mit Lebensgefährtin Sarah (Mary-Louise Parker) ein Leben fern von Spionen und Liquidationen zu führen. Als Marvin (John Malkovich) aus heiterem Himmel auftaucht und von Verschwörung fabuliert, findet die Rentneridylle ihr Ende. Der Grund: Ende der 70er und mitten im Kalten Krieg hatten die beiden Agenten eine Massenvernichtungswaffe nach Moskau geschmuggelt, für die sich, nachdem ein Whistleblower das Geheimnis gezwitschert hat, plötzlich alle Geheimdienste interessieren.

Sarah freut sich, dem langweiligen Alltag zu entkommen, Frank nicht. Eine knappe Autoexplosion später stehen Frank, Sarah und Marvin zwischen allen Fronten und auf den Abschusslisten aller namhaften Geheimdienste. Die Jagd beginnt, unsere Helden versuchen die Bombe zu entschärfen, bevor andere Unheil mit ihr anrichten. Soviel zum Plot.

Famose Sprüche und abgefahrener Humor

Frau in weissem Pelzmantel mit Pistole. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Helen Mirren als mondäne Killerin von zynischer Eleganz. Ascot Elite

Die Stärke des Films liegt nicht in den Action-Szenen, die für heutige Verhältnisse eher durchschnittlich sind, sondern in den famosen Sprüchen und im abgefahrenen Humor.

Ein Beispiel: Während Victoria mit Frank telefoniert, um ihm zu sagen, dass sie ihn umbringen wird, hält sie in der einen Hand den Hörer in der anderen eine Flasche Säure, die sie auf eine Leiche in ihrer Badewanne leert. Als Frank ihr seine Beziehungsproblemen beichtet, empfiehlt ihm Victoria einen «Dirty Dancing»-Videoabend als Paartherapie – sollte er dann noch leben. Die Moral der Geschichte: Alte Menschen sind härter im Nehmen als junge.

«Red 2» ist zwar nicht oscarverdächtig, dennoch verbringt man zwei unterhaltsame Stunden im Kino. Wenn man es verlässt, hat man Film und Alltag vergessen – und das ist gar nicht mal so schlecht, sofern es kein Zeichen einsetzender Altersdemenz ist.