Neu im Kino «Return to Montauk»: Auch alte Männer haben Liebeskummer

Trauer um die verpasste grosse Liebe: Volker Schlöndorff versucht sich wieder an Max Frisch – eine vertane Chance.

Video «Im Kino: «Return to Montauk»» abspielen

Im Kino: «Return to Montauk»

1:44 min, vom 22.6.2017

«Sie war die grosse Chance, die ich hatte. Die Chance, die ich verloren habe.» Max Zorn (Stellan Skarsgård), ein schwedischer Schriftsteller, zitiert aus seinem autobiografischen Buch.

Er ist auf Lese-Tour in Amerika und gerade an dem Ort angekommen, der ihn zu seiner Geschichte inspirierte: New York. In dieser Stadt verliebte er sich vor fast zwei Jahrzehnten in eine deutlich jüngere Frau, an die er bis heute noch denkt, obwohl er sie damals sitzen liess.

Jetzt ist er zurück und will auch sie zurück. Rebecca (Nina Hoss), die grosse Liebe, die Chance, die er verloren hat. Dass Max mittlerweile verheiratet ist, hindert ihn nicht daran, sie aufzuspüren.

Obwohl ihm Rebecca mit Kühle begegnet, lässt sich diese trotzdem auf ein Aufarbeitungs-Wochenende mit ihm ein. An dem Strandort, an dem sie einst so verliebt waren. In Montauk.

Zwei grosse Geschichtenerzähler, zwei gebrochene Herzen

am Meer von Montauk Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die verpasste Chance. Filmcoopi

«Montauk» – so heisst auch die Erzählung von Max Frisch, auf der der Film basiert. Beide sind von persönlichen Erlebnissen inspiriert. Im Buch verarbeitet der Schweizer Schriftsteller seine Affäre mit einer 32 Jahre jüngeren Amerikanerin.

Dass nun Regisseur Volker Schlöndorff («Die Blechtrommel») diese Erzählung als Vorlage für seinen neuen Film benutzt, hat gleich mehrere emotionale Zusammenhänge. Der deutsche Oscarpreisträger hat 1991 schon einmal einen Roman von Max Frisch verfilmt: «Homo Faber».

Max Frisch Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Max Frisch. Der grosse Schweizer Autor und Liebhaber. Keystone

Ausserdem war er zu Frischs Lebzeiten nicht nur ein guter Freund des Autors. Er teilte mit ihm auch seine Vorliebe für Affären mit jüngeren Damen.

Wie der Schweizer Schriftsteller verliebte sich auch der deutsche Regisseur in New York. Obwohl Schlöndorff zu dieser Zeit mit der Schauspielerin Margarethe von Trotta verheiratet war.

Heute ist er mit keiner der beiden liiert. Und weil man oft erst im Nahhinein merkt, was einem da durch die Lappen ging, verarbeitet Schlöndorff jetzt seine verpasste Chance in «Return to Montauk».

Rosamunde Pilcher statt Autorenkino

Leider fühlt sich auch der Film «Return to Montauk» wie eine verpasste Chance an. Die starke Vorlage und der persönliche Bezug des Regisseurs – ein Meister seines Fachs – liessen auf ein gehaltvolles Drama hoffen.

Doch von grossen Gefühlen, keine Spur. Grösstenteils liegt das an den vielen langen Dialogen und Monologen. Die sind so oberflächlich und selbsterklärend, dass der Film eher an einen leichten Liebesfilm im Sonntagsprogramm erinnert, als an vielschichtiges Autorenkino.

Volker Schlöndorff mit Schauspielerinnen Susanne Wolff (links) und Nina Hoss. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Volker Schlöndorff mit Schauspielerinnen Susanne Wolff (links) und Nina Hoss. Keystone

Sogar Schauspielgrössen wie Stellan Skarsgård und Nina Hoss wirken von ihren Rollen merkwürdig entfremdet. Schade, bei all den Talenten und den spannenden autobiografischen Bezügen.

Aber womöglich liegt genau hier das Problem: Die eigene Perspektive wurde angesichts vieler persönlichen Erinnerungen stärker reflektiert, als diejenige der anderen Seite.

Gerade die Figur der Rebecca wirkt austauschbar. Ihre Rolle reduziert sich auf die der enttäuschten Frau. So wirkt auch der Film wie die selbstbezogene Darstellung einer Geschichte: nämlich eindimensional.