«La Vanité»-Regisseur: «Die Geschichte erschien mir bizarr»

Ein Suizid, drei sehr unterschiedliche Menschen, ein Hotelzimmer. Für Lionel Baier lud dieses Setting ein, eine gute Geschichte zu erzählen. Damit sprengt er das traditionelle Kino: «La Vanité» ist Komödie und Tragödie zugleich.

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Bildlegende: Seine Filme schaut Lionel Baier nach der Fertigstellung nicht mehr an. SRF / Julian Salinas

Ihr Film «La Vanité» thematisiert die Sterbehilfe. Was fasziniert Sie an diesem Thema?

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Zur Person

Lionel Baier (*1975) begann als Regieassistent bei der Filmemacherin Jacqueline Veuve. 1999 filmte er seinen ersten Langfilm «Celui au pasteur – Ma vision personelle des choses», 2004 wechselte er mit «Garçon stupide» vom Dokumentar- zum Spielfilm. Neben seiner Arbeit als Regisseur leitet Baier die Abteilung Film an der Kunsthochschule in Lausanne.

Der geplante Suizid versammelt drei sehr unterschiedliche Menschen in einem anonymen Hotelzimmer. Eine super Ausgangslage. Sie verbringen eine Nacht miteinander, lernen einander kennen und erzählen sich zentrale Dinge aus ihrem Leben. Für mich war das Thema Sterbehilfe vor allem ein Vorwand, um eine gute Geschichte zu erzählen.

Wie sind Sie zu diesem Projekt gekommen?

Während meiner Lehrtätigkeit an der Filmschule in Lausanne hat mir ein afrikanischer Student erzählt, dass er sich prostituiert, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Eines Nachts befand er sich in einem Hotel und wurde Zeuge eines Streits im Zimmer nebenan. Dort versuchte ein Mann gerade, sich mit Unterstützung einer Sterbehilfeorganisation das Leben zu nehmen. Für ihn schien die Situation komplett absurd. In seinem Land kämpft man für das Leben, nicht für den Tod. Die Geschichte erschien mir bizarr – und sie hat mich sofort gepackt.

Schweizer Filmpreis: «La vanité»

1:36 min, aus Kultur kompakt vom 15.03.2016

Ist während den Dreharbeiten etwas passiert, mit dem Sie nicht gerechnet hätten?

Nein, wir hatten einen einfachen Dreh. Alle Szenen von «La Vanité» sind im Studio entstanden. Wir filmten mitten im Sommer und arbeiteten mit falschem Schnee, um die dunkle Winterstimmung zu kreieren. Das hat vieles vereinfacht. Auch die Schauspieler haben sich sehr gut miteinander verstanden. Die Arbeit hat sich ein bisschen wie ein Klassenlager angefühlt.

Welche Reaktionen haben Sie auf den Film erhalten?

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Sechs Fragen an ...

Wir haben die Regisseure getroffen, die in der Kategorie «Bester Spielfilm» für den CH-Filmpreis nominiert waren.

Sehr unterschiedliche. «La Vanité» ist eine Komödie und Tragödie zugleich. Das verwirrt die Leute. Sie sind es gewohnt, dass Genres strikt eingehalten werden. Ich selbst schaue mir meine Filme nie mehr an, nachdem ich sie fertiggestellt habe. Sonst sehe ich nur noch schlechte Dinge in ihnen.

Was wünschen Sie sich für die Schweizer Filmlandschaft?

In der Schweiz werden viele gute Filme gemacht, insbesondere im Bereich des Dokumentarfilms. Darauf sollte man stolz sein. Man blickt immer zuerst auf die Spielfilme, doch eigentlich stehen Dokus in der Schweiz an erster Stelle – sowohl finanziell als auch qualitativ.

Was bedeutet der Schweizer Filmpreis für Sie?

Es ist natürlich sehr angenehm, Anerkennung aus der Filmszene zu erhalten. Aber ich finde es vor allem wichtig, dass junge, unbekannte Künstler ausgezeichnet werden. Wenn die Akademie intelligent ist, wird sie den Preis jemandem geben, der erst ein oder zwei Filme gedreht hat und ihn wirklich brauchen kann.