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Solothurner Filmtage In «Win Win» hübschen chinesische Missen den Jura auf

In der Komödie «Win Win» lädt ein jurassischer Politiker die Kandidatinnen der Miss-China-Wahl in seine Stadt ein. So will er asiatische Touristen anlocken und damit Geld verdienen. Das Verrückteste an dieser unglaublichen Geschichte: Sie ist wahr.

Eine junge Chinesin trägt einen Soldatenhelm und spricht in ein Mikrofon. Im Hintergrund Schweizer Soldaten.
Legende: Swissness mit kleinem Budget: Die Misswahl-Kanidatinnen aus China beim Truppenbesuch. Frenetic

Ein jurassischer Provinzpolitiker namens Paul Girard will den nationalen Erfolg. Dafür kommt ihm 2006 zwar nicht seine Partei, jedoch aber der Zufall zu Hilfe. Gemeinsam mit einem chinesischen Freund bekommt Girard die Gelegenheit, die Kandidatinnen für die Miss-China-Wahl in die Schweiz zu holen.

Die Missen sollen durch das helvetische Luxusland reisen und dabei das Vorfinale durchlaufen, alles finanziert von Girard selbst und allfälligen Interessierten aus Uhren-, Käse-, Schokoladen- und anderen Erfolgsindustrien. Im Gegenzug wird die Tour im chinesischen Fernsehen übertragen, und soll somit Millionen von potentiellen asiatischen Schweiztouristen locken. Für Delémonts Stadtpräsidenten Girard ein klarer Fall von «Win Win»: Alle schlagen Profit aus der Sache.

Schönheitsköniginnen im Kuhstall

Eine junge Chinesin melkt eine Kuh.
Legende: Zur Reise durch den Jura gehört auch die Begegnung mit Land, Leuten und Vieh. Frenetic

Doch die Missen erwarten keine Fünfsterne-Hotels, Limousinen, Glamour und Bling Bling: Sie reisen im Car durch den Jura, übernachten im Heu, kosten tapfer die gebotene Blutwurst und üben sich auf der Alp im Melken. Der Grund: Stadtpräsident Girard findet keine Sponsoren für seinen Miss-China-Event. Fast keine. Denn wenigstens die Bevölkerung seiner Heimatstadt Delémont lässt sich nicht lumpen: Der Bauer gibt seine Scheune her, der Metzger sein bestes Schwein und die Blaskappelle spielt zum Ständchen auf.
Während der Organisator der Missen-Wahl daheim in China ob der TV-Bilder, die er zu sehen bekommt, vor Wut tobt, hat Girard alle Hände voll zu tun, weiter für seine irre Idee zu werben.

Verrückt, aber wahr

Kohler posiert mit erhobenem Zeigefinger.
Legende: Der jurassische Politiker Pierre Kohler lieferte die Vorlage zu «Win Win». Keystone

Klingt wild und konstruiert? Keinesfalls. Die Geschichte hat sich tatsächlich so oder ähnlich zugetragen. Paul Girard heisst in Tat und Wahrheit Pierre Kohler. Noch heute ist er Stadtpräsident von Delémont. Chinesische Missen holt der umtriebige Politiker inzwischen nicht mehr in den Jura, dafür Filmexperten: In Kohlers kleiner Stadt wird die Schweizer Oscar-Kandidatur festgelegt. Jahr für Jahr schmückt nun der Schriftzug «Delémont» den jurassischen Bergkamm. «Delsberg goes Hollywood» heisst das Minifestival – klein geht für Kohler nicht.

Hollywood ist dennoch fern vom Jura: Zwar gelingt es dem Regisseur Claudio Tonetti gemeinsam mit den Drehbuchautoren Jacques Akchoti und Béatrice Guelpa, eine skurrile Geschichte direkt aus dem Leben auf die Leinwand zu zaubern. Doch trotz allem Charme springt der Funke nicht immer über. Die Handlung schleppt sich allzu oft dahin, die Ereignisse überschlagen sich leider nur selten – was der Komödie jedoch sehr gut tun würde. Mehr Tempo brächte die Missen und den Stadtpräsidenten auf Trab, stattdessen wird eher gemächlich Richtung Miss-Wahl-Finale vorangeschlichen.

Gewinner auf allen Seiten

Legende: Video Trailer zu «Win Win» abspielen. Laufzeit 01:47 Minuten.
Aus Kultur vom 29.01.2014.

Die Filmemacher verliessen sich in ihrer Adaption fürs Kino hauptsächlich auf die wahren Begebenheiten. Die seien oft jedoch, so Pierre Kohler im Interview, noch viel verrückter gewesen als im Film. Vergnüglich sind die Ereignisse allemal. Und so gewinnt der Zuschauer schliesslich auch und verlässt das Kino um eine erstaunliche Geschichte reicher. Und der Gewissheit, dass Pierre Kohler sich inzwischen dem Rückhalt seiner Partei sicher sein kann: Denn neben einem Cameo-Auftritt von Kohler selbst tritt CVP-Parteikollege Christophe Darbellay vor die Kamera. Win, win, und nochmal win.

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