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«Die Ibiza Affäre» als TV-Serie
Aus Tagesschau vom 21.10.2021.
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Streaming-Tipp «Die Ibiza Affäre»: Österreichs Politskandal als fesche Miniserie

Korruption in Ferienatmosphäre: Wie das sogenannte Ibiza-Video 2019 Vizekanzler Heinz-Christian Strache zu Fall brachte.

«Zack, zack, zack!» Kein Ausspruch beschreibt die Politik des fremdenfeindlichen Rechtspopulisten HC Strache besser als diese drei Worte. Alles musste schnell gehen – ohne Rücksicht, ohne Kompromisse. Ratzfatz vorbei war nach kometenhaftem Aufstieg dann aber auch seine Karriere. Wegen eines Videos, das verdeckt auf Ibiza gedreht wurde.

In diesem verspricht der damalige Kopf der FPÖ einer vermeintlichen Oligarchennichte das Blaue vom Himmel. Als Gegenleistung solle sie ihr Geld in die einflussreiche «Kronen Zeitung» stecken. Wenn er dann an der Macht sei, könne er ihr lukrative Staatsaufträge zuschanzen. Und ganz nebenbei unliebsame Journalisten – zack, zack, zack – mundtot machen.

Legende: Inszeniert sich gerne als volksnaher Patriot: HC Strache (gespielt von Andreas Lust). Sky / Pedro Domenigg

«Lass uns das machen: ein Video!»

Glücklicherweise kam es anders. Dank zweier Männer, die die für die heimliche Aufnahme des Videos viel riskiert haben: der Wiener Anwalt Ramin Mirfakhrai und dessen Privatdetektiv Julian Hessenthaler. Die neue Sky-Serie «Die Ibiza Affäre» macht sie zu Helden, ohne ihnen einen Heiligenschein zu verpassen.

Im Gegenteil: Die ständigen Selbstzweifel, welche die zwei Hauptdarsteller David A. Hamade und Nicholas Ofczarek ihren Figuren mitgegeben haben, machen diese erst richtig sympathisch. Die Idee, ein entlarvendes Video zu drehen, wird dem Publikum konsequenterweise nicht als Geniestreich, sondern als Schnapsidee präsentiert.

Legende: Brillieren als charmant unperfekte Hauptfiguren: David A. Hamade und Nicholas Ofczarek als Ramin Mirfakhrai und Julian Hessenthaler. Sky / Petro Domenigg

«Lass uns das machen: ein Video!», sagt der renommierte Rechtsanwalt mit spitzbübischem Charme, was der schelmische Schnüffler mit einem süffisanten Lächeln quittiert. Dessen Rückfrage, wer die geschätzten 30 000 Euro Produktionskosten bezahlen soll, beantwortet der Jurist mit Migrationshintergrund umgehend: «Ich. Das ist es mir wert!»

Doppelte filmische Aufarbeitung

Von der Aufzeichnung des legendären Videos im Juli 2017 bis zur Publikation durch die «Süddeutsche Zeitung» und den «Spiegel» vergingen fast zwei Jahre. Was in dieser Zeit geschah, erzählt nicht nur der fiktionale Vierteiler «Die Ibiza Affäre», sondern auch seine kleine Schwester: die Sky-Dokumentation «Das Ibiza-Video».

Legende: Fast so spannend wie die fast gleichnamige Serie: die Sky-Doku «Das Ibiza-Video». Sky / Insa Rauscher

Während in letzterer vor allem die investigative Arbeit der Journalisten im Vordergrund steht, bildet die Serie den Skandal als satirisches Drama ab. In dem das, was geschah, stilisiert werden darf. Nicht aber verzerrt, wie Regisseur Christopher Schier im Interview betont: «Das heisst: Du näherst dich dem sehr behutsam und stellst Puzzle-Stücke, die den Menschen noch nicht so bewusst sind, in den Vordergrund.»

Durchs Zusammenfügen dieser neuen Facetten hat Christopher Schier ein Gesamtbild kreiert, das die wunden Punkte westlicher Demokratien offenlegt. Zumal wir kurz nach dem Rücktritt von Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz ahnen: Nicht nur Nachbar Austria dürfte für Korruption auf höchster Ebene höchst anfällig sein.

Gesellschaftliche Immunisierung als Ziel

Sehenswert ist «Die Ibiza Affäre» übrigens auch für diejenigen, die dank Dokus und News schon alles über den Skandal zu wissen glauben. Sogar das Ibiza-Video selbst erscheint dank raffiniert platzierter Verfremdungseffekte in frischem Licht.

Legende: Wilde Gesten, noch wildere Aussagen: HC Strache in der nachinszenierten Form des Ibiza-Videos. Sky / Petro Domenigg

So unterbricht die Serie Straches Kernaussagen immer wieder mit dem fetten Schriftzug «DEMENTIERT». Vor allem wegen des künstlerischen Effekts. Aber auch, um sich rechtlich abzusichern, wie Christopher Schier im Interview preisgibt: «Wenn du etwas machen musst, kannst du es dir als Regisseur sehr einfach machen: Indem du überlegst, wie du all die Sachen, die du vermeintlich nicht erzählen darfst, einfliessen lässt.»

Die schier universelle Botschaft, die Schier mit diesem Ansatz verbreiten will, ist klar: Politische Satire stärkt das Immunsystem jeder Demokratie. Weil sie dem Volk dabei hilft, Falschspieler wie HC Strache als solche zu erkennen.

Streamingstart: 21. Oktober 2021

SRF 1, Tagesschau, 21.10.2021, 19:30 Uhr

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