Kultfilm kehrt zurück «T2 Trainspotting»: Noch ein Trip für Aug und Ohr

Auch diese Fortsetzung ist ein mitreissender Trip durch das Leben von vier suchtgefährdeten Schotten.

Video ««Trainspotting»: Ein Kultfilm kehrt zurück» abspielen

«Trainspotting»: Ein Kultfilm kehrt zurück

4:02 min, aus 10vor10 vom 10.2.2017
  • Eine Fortsetzung für einen Kultfilm ist eigentlich ein No-Go, Danny Boyle geht mit der Gefahr gekonnt um.
  • Vieles hat sich seit den 1990er Jahren verändert; Renton, Spud, Begbie & Sick Boy sind sich aber treu geblieben.
  • Die Musik und fiebrige Bildsprache erzeugen den charakteristischen «Trainspotting»-Groove.

Als Renton (Ewan McGregor) nach 20 Jahren Amsterdam wieder in seiner alten Heimat Edinburgh landet, wird er von einer slowenischen Tourismusdame willkommen geheissen. Mit diesem Augenzwinkern beginnt Regisseur Danny Boyle seine Rückkehr zu «Trainspotting» (1996) und macht gleichzeitig klar: Die Welt hat sich seit den 1990er Jahren verändert.

Aber die Menschen, die haben sich kaum verändert und werden selbstverständlich von denselben Schauspielern verkörpert wie damals. Spud (Ewen Bremner) zum Beispiel ist immer noch der unterbelichtete Junkie wie eh und je, auch wenn er das Heroin inzwischen durch andere Substanzen ersetzt hat. Ihn besucht Renton als erstes.

Betrogene Freunde

Zwei Männer sind auf einer öffentlichen Toilette Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Renton (l.) und Begbie haben noch einiges aufzuarbeiten. © Sony Pictures Releasing GmbH

Denn Spud ist der einzige, dem er seinerzeit seinen Anteil von 4000 Pfund aus einem Drogendeal ausgezahlt hat. Seine beiden anderen Freunde Sick Boy (Johnny Lee Miller) und Begbie (Robert Carlyle) hat er beschissen und ist mit den restlichen 12'000 Pfund auf und davon. Wie also soll er denen wieder gegenübertreten?

«T2 Trainspotting» schildert ausgiebig die aktuelle Situation der vier Männer, wobei der Handlungsstrang um Begbie der Schwächste ist. Begbie bricht aus dem Gefängnis aus und taucht bei seiner Frau unter. Die Polizei indes erscheint dort nie, was doch sehr unwahrscheinlich ist.

Wie ein Kübel kaltes Wasser

Und dann will Begbie seinem Sohn, der eigentlich an die Hotelfachschule möchte, das Einbrecherhandwerk beibringen. Dadurch wird er zu einer Karikatur seiner selbst. Akzeptabel wird das allein, weil Robert Carlyle ein fantastischer Schauspieler ist. Er spielt Begbies unvorhersehbare Gewaltausbrüche noch bedrohlicher als im Original.

Wie damals spielen alle «over the top», um die fiebrige Energie ihrer drogenumnebelten Welt zu verdeutlichen. Zusammen mit dem intensiven visuellen Stil und der pulsierenden Musik, die auch im Sequel hervorragend ist, entsteht erneut dieser unverwechselbare «Trainspotting»-Groove: als würde die Handlung wie ein Kübel kaltes Wasser über dem Zuschauer ausgeschüttet.

Tourist im eigenen Filmerlebnis

Zwei Männer sind auf einem Abstellgleis Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Renton (l.) und Sick Boy (r.) sehen sich nach 20 Jahren wieder. © Sony Pictures Releasing GmbH

Immer wieder blitzen Szenen aus dem ersten Film auf. Doch bevor es nostalgisch wird, legen der Romanautor Irvin Welsh und der Drehbuchautor John Hodge Sick Boy folgenden Satz in den Mund: «Du bist Tourist in deiner eigenen Vergangenheit.» Und wir, die wir «Trainspotting» als Kultfilm verehren, sind Touristen in unserem eigenen Filmerlebnis von damals.

Dass Danny Boyle sehr bewusst damit spielt, macht die Stärke seiner Fortsetzung aus. Es lohnt sich, «T2 Trainspotting» zu sehen. Doch wer das Original nicht kennt, sollte es sich vor dem Kinobesuch unbedingt anschauen. Nur dann kann auch der zweite Teil seine volle Wucht entfalten.

Kinostart: 16. Februar