«The Hateful Eight»: Ein Western im Agatha-Christie-Stil

«The Hateful Eight» ist der achte Film von Quentin Tarantino. Der kompromisslose Filmemacher wendet sich zum zweiten Mal dem Genre des Westerns zu. In der Zeit nach dem amerikanischen Bürgerkrieg schickt er acht hasserfüllte Menschen in einen blutigen Showdown – mitten in einen Schneesturm.

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Im Kino: «The Hateful Eight»

Wyoming, wenige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg: Acht undurchsichtige Gestalten begegnen sich während eines Schneesturms in einer Hütte. Zufälliges Zusammentreffen? Kaum.

Keiner traut dem anderen, alle sind mit Hass erfüllt. Wer steckt mit wem unter einer Decke? Immer wieder zieht jemand eine Waffe. Lange werden die Duelle nur mit Worten, nicht mit Kugeln ausgetragen. Die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt schon früh. Die hier porträtierte Gemeinschaft bewegt sich in einer moralischen Grauzone. Jedes Wort kann dabei zum Todesurteil werden.

    • 1.
      Das misstrauischste Zitat
      Zwei Männer und eine Frau diskutieren in einer Hütte während eines Schneesturms. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell) mit seiner Gefangenen (Jennifer Jason Leigh). Rechts: der Henker von Red Rock... Ascot Elite

      «Einer dieser Kerle ist nicht, wer er zu sein vorgibt», so Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell), als es in der Hütte allmählich unangenehm wird.

    • 2.
      Der Regisseur
      Quentin Tarantino ist kein Mann der Leisen Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Quentin Tarantino beweist einmal mehr, dass er einer der kompromisslosesten Regisseure der heutigen Zeit ist. Keystone

      Der zweifache Oscarpreisträger («Pulp fiction» 1995; «Django Unchained» 2013) zählt zu den bedeutendsten Filmregisseuren und Drehbuchautoren der Welt. Quentin Tarantino hat nie eine Filmhochschule besucht, seinen eigenen Stil hat er trotzdem kreiert: der ist gewalttätig, ironisch und ein Mix verschiedenster Filmzitate. Für exzessive Gewaltdarstellung steht er immer wieder in Kritik, so auch bei «The Hateful Eight». Der Kultregisseur setzt jedoch Gewalt nicht zur blossen Effekthascherei ein. Er hinterfragt damit Machtverhältnisse und greift soziale Missstände auf.

    • 3.
      Fakten, die man wissen sollte
      Ennio Morricone sitzt in einem Kino mit roten Sesseln. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Ennio Morricones Name wird vornehmlich mit dem Filmgenre des Italo-Western in Verbindung gebracht. Keystone

      Zum ersten Mal bei einem Tarantino-Film besteht der Soundtrack aus eigens komponierten und weniger aus bereits existenten Stücken. Für die Originalmusik konnte Tarantino die Komponistenlegende Ennio Morricone gewinnen. Letzterer ist besonders bekannt für die Musik der Italowestern-Klassiker «Il buono, il brutto, il cattivo» (1966) und «C’era una volta il West» (1968). Für seine Musik in «The Hateful Eight» ist der Maestro für den Oscar nominiert.

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      Das Urteil
      Jennifer Jason Leight dick eingepackt in einer Kutsche. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Für ihre Rolle als diabolische Verbrecherin Daisy Domergue ist Jennifer Jason Leigh für den Oscar nominiert. Ascot Elite

      Tarantinos achter Streich ist nicht sein bester. Was als Schneewestern anfängt, erinnert im Laufe der Zeit immer mehr an eine Agatha-Christie-Verfilmung. Die Stimmung ist klaustrophobisch, gegenseitige Verdächtigungen stehen im Vordergrund. Mit extremen Close-ups wirkt der Film wie ein übertriebenes Kammerspiel – eher geeignet für die Theaterbühne. Tarantino selbst spielt mit dem Gedanken, jetzt seinen Western für das Theater zu adaptieren. Hätte er es bloss gleich gemacht.

Kinostart: 28.01.2016