Robert Duvall spielte in seiner langen Schauspielerkarriere viele Hauptrollen. Ironischerweise wurde er aber in einer Nebenrolle zum Weltstar: als Tom Hagen, dem irisch-amerikanischen Consigliere der Familie Corleone in Francis Ford Coppolas «The Godfather».
Und er konnte an der Seite seines Idols spielen: Marlon Brando. Der Consigliere Tom Hagen ist eine ruhige Figur, einer, der mit seiner irisch-amerikanischen Zurückhaltung, seinen roten Haaren und seinem blassen Teint so gar nicht in diesen Mafiaclan passen mag.
Einer, der hinter seinen Rollen verschwand
Duvalls Consigliere Tom Hagen hinterlässt – obwohl er die Figur im Hintergrund ist – bleibenden Eindruck. Weil Robert Duvall all seinen Figuren eine besondere Intensität verlieh, auch den ruhigen Nebenrollen. Er war kein besonders schöner Mann, keiner, für den man – beziehungsweise frau – extra ins Kino ging, um ihn anzuschmachten. Das hatte er nicht nötig: Duvall lebte seine Figuren, verschwand gleichsam in ihnen, verlieh ihnen Intensität und Tiefe wie wenig andere Schauspieler im US-amerikanischen Kino.
Wenn er spielte, war er nicht «Robert Duvall in einer Rolle», er war die Figur, die er spielte. Mit Coppola arbeitete er nicht nur für «Der Pate» zusammen. In «Apocalypse Now» lieferte er eins der meistzitierten Filmzitate als Colonel Bill Kilgore. Dieser lässt mit Helikoptern ein vietnamesisches Dorf bombardieren.
«Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen»
Während das Dorf in Flammen aufgeht, sagt er: «You smell that? Do you smell that? Napalm, son. Nothing else in the world smells like that. I love the smell of napalm in the morning.» (Riechst du das? Nichts riecht so wie Napalm. Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen.)
Er war selber Sohn eines Offiziers, wuchs im militärischen Umfeld auf – seine Familie zog von Militärbasis zu Militärbasis und Duvall ging selbst zum Militär, bevor er sich in Schauspiel ausbildete: zusammen mit James Caan, Gene Hackman und Dustin Hoffman, mit dem er sogar während des Studiums zusammenwohnte.
Seine erste Kinorolle hatte er 1962 im Film «To Kill A Mockingbird» («Wer die Nachtigall stört») – und seine letzte ziemlich genau 60 Jahre später, 2022 im Mystery-Thriller «The Pale Blue Eye». Da war er schon über 90 Jahre alt. Dazwischen liegen rund 100 Kinofilme und einige TV-Serien.
Obwohl er auch für seine Rollen im «Godfather» und in «Apocalypse Now» jeweils als bester Nebendarsteller nominiert war, erhielt er seinen Oscar 1984 – als bester Hauptdarsteller im Film «Tender Mercies» («Comeback der Liebe»). Und in diesem Film zeigte er, dass er nicht nur gut schauspielen konnte, sondern auch ein richtig guter Musiker war.
Duvall war auch Autor und Regisseur
1997 stand Duvall ein erstes Mal nicht nur vor der Kamera, sondern schrieb das Drehbuch zum Film «The Apostel» und sass auch im Regiestuhl. Im Film geht es um einen tiefgläubigen Prediger, dessen ungezähmter Jähzorn in die Katastrophe führt.
Er war selbst in einer Glaubensgemeinschaft gross geworden, wurde von seinen Eltern nach den Grundsätzen der Christian Science erzogen. Er gab aber später an, nicht in die Kirche zu gehen. Obwohl viermal verheiratet, zuletzt mit der 41 Jahre jüngeren Luciana Pedraza, hatte Duvall keine Kinder. Er sei am Sonntag «friedlich zuhause eingeschlafen, umgeben von Liebe und Geborgenheit» schrieb seine Witwe auf Facebook.