TV-Kritik war gestern – Serienfreunde vertrauen auf Recaps

Serienfans schwelgen in vielen hochwertigen Produktionen wie «House of Cards», «Mad Men» oder «Game of Thrones». Mit den guten Serien kamen die besseren Rezensionen – Recaps. Sie werden fleissig gelesen, selbst wenn oder gerade weil die Leser die Serien-Episoden gesehen haben.

Viele kleine Bildschirme und Köpfe von hinten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Recaps analysieren und bewerden jede Episode minutiös. Reuters

Früher sagte man TV-Kritik. Der Begriff stammt aus seiner Zeit, als Zuschauer fleissig das Programmheft lasen und die qualitativen Ansprüche an Serien – sagen wir – bescheiden waren.

Diese Zeiten sind längst vorbei und eine neue Form der TV-Kritik hat sich etabliert: der Recap. In Blogs, aber längst auch auf grossen Plattformen wie dem «Guardian» oder der «New York Times», publizieren professionelle Autoren regelmässig Rezensionen von einzelnen Serien-Episoden.

Wenn ein Huhn für Freiheit steht

Recaps fassen nicht nur die Handlung zusammen. Sie analysieren und bewerten die einzelnen Episoden einer TV-Serie. Die Autoren erklären Anspielungen und Zusammenhänge, die dem Zuschauer ob der Fülle an Informationen womöglich entgangen sind.

Gute Recaps haben oft eine persönliche Note und originelle Pointen. Die Recapperin Danielle Henderson erklärte zu einer Episode von «Orange Is the New Black» die symbolische Bedeutung eines Huhns, das im Gefängnishof gesichtet wurde. Es sei sehr wohl ein echtes Huhn, stehe in der Episode aber gleichzeitig auch für Unmöglichkeit und Freiheit.

Im Schatten der Nacht

Gleichzeitig funktionieren die Recaps auch als Plattformen für die Fans. Das garantiert Leser. Donna Bowman rezensierte für avclub.com die Erfolgsserie «Breaking Bad». Ihre Besprechungen wurden fleissig kommentiert. In der fünften Staffel erhielt sie bis zu 5000 Kommentare pro Folge.

Der Kampf um Leser ist hart. Um in dieser Branche erfolgreich zu sein, ist auch Tempo gefragt. Nicht immer können die Recapper eine Folge vor der Ausstrahlung sehen. Stattdessen setzen sie sich noch am Abend der Ausstrahlung an den Computer und arbeiten in die Nacht hinein.

TV-Macher lesen Recaps

Die Recapper denken sich bei ihrer Arbeit in die Zuschauer hinein. Stellen sich nach Cliffhangern die gleichen Fragen und spekulieren, wie es weiter gehen könnte. Hier werden die Recaps auch für die TV-Produzenten interessant.

Die Macher von «The Good Wife» lesen Recaps ebenfalls, gestand ein Produzent gegenüber dem «Wall Street Journal». So könnten sie überprüfen, ob falsch gelegte Fährten funktionieren oder ob die Handlung für Zuschauer deutlich genug erzählt wird. Recaps behalten die Übersicht und decken dadurch auch Fehler in der Kontinuität oder im Plot gnadenlos auf.

Für die Macher ist das ein Graus. Für den Zuschauer ein Gewinn. Denn gerade in Serien wie «Game of Thrones» überschlagen sich die Ereignisse schnell und es ist schwierig bei sämtlichen Schauplätzen, Entwicklungen und Intrigen die Übersicht zu behalten. Ein Blick in die Recaps hilft dem Serienfreund, den Faden nicht zu verlieren.