Aktueller Schweizer Dokfilm Wie ein Basler im fernen Korea zurück zu seinen Wurzeln fand

Mischa Steiner wurde 1976 als Dreijähriger von Schweizern aus Korea adoptiert. Die Herkunftsfrage verdrängte er lange. Erst im Alter von 35 Jahren wagte er es, sich mit dem «schwarzen Loch der Kindheit» auseinander zu setzen. Die Folgen waren radikal, wie der Kinofilm «Reset – Restart» dokumentiert.

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«Reset Restart» – Spurensuche in Südkorea

4:07 min, aus 10vor10 vom 6.12.2016

Im Grunde unterscheidet sich Mischa Steiner kaum von den anderen Zuschauern im «Joggeli»: FCB-Dress, Basler Dialekt und ein Liedchen auf den Lippen. Doch im Herzen sieht’s anders aus: Der Fussballfan, der als Dreijähriger aus Südkorea adoptiert wurde, fühlt sich hierzulande fremd – sogar im eigenen Stadion.

Das Gefühl, nicht wirklich dazuzugehören, begleitete Mischa Steiner über 30 Jahre lang – bis er sein Umfeld mit einem radikalen Entschluss überraschte: «Ich kündige meine Wohnung, meinen IT-Job und gehe zurück nach Korea!» Ein mutiger Neubeginn, schliesslich spricht Mischa kein Koreanisch.

Die neue Umgebung wirkt Wunder

Impression einer beleuchteten südkoreanischen Einkaufsstrasse in der Abenddämmerung. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Faszinierend fremd: Seoul by night. Cineworx

«Reset – Restart» macht rasch klar: Mischa will in der Millionenmetropole Seoul nicht in erster Linie seine Verwandten finden, sondern vor allem sich selbst. In einer Szene stellt der Protagonist sichtlich aufgeregt fest: «Mein Gesicht fängt an, sich zu verändern! Physiognomisch. Meine Brille rutscht mir plötzlich von Nase. Und gestern spürte ich ein Ziehen in den Wangen – so als ob sich meine Haut straffen würde.»

Nicht nur das Körpergefühl ist ein anderes. Auf der Suche nach seinen Wurzeln trifft Mischa auf seine Verwandten, die ihm von seinen sechs Halbgeschwistern erzählen. Und ihm anhand des Familien-Stammbaums beschämt erklären, dass er als uneheliches Kind zur Adoption freigegeben wurde.

Heimatsgefühle in der Fremde

Um seine Eltern kennenzulernen, kommt Mischa zu spät. Seine Mutter ist verschollen, sein Vater längst verstorben. Aber immerhin besitzt er nun ein Bild vom Papa, das er auf Ähnlichkeiten abklopfen kann. Plus ein neues Lebensgefühl, das er gegen nichts in der Welt eintauschen würde: «Ich bin nun – zumindest vom Aussehen her – unter Meinesgleichen. Ich falle nicht mehr auf. Das beeinflusst mein Wohlbefinden. Und fühlt sich einfach gut an.»

Neue Liebe, neuer Job, neue Familie – Mischa Steiner hat in Korea eine neue Heimat gefunden. «Reset – Restart» ist seine ganz persönliche Auswanderergeschichte. Eine, die durch Ehrlichkeit berührt, statt sich in Grabenkämpfen zum Reizthema Adoption zu verlieren.

Sendungsbezug: 10vor10 vom Dienstag, 6. Dezember 2016