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Wie Hollywood die Polizei sieht
Aus Kultur Webvideos vom 13.07.2020.
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Polizei im Film Good Cop, Bad Cop, Dummkopf

Mal sind sie knallharte Draufgänger, mal unfähige Trottel: Wie Hollywood die Polizei sieht, ändert sich stetig.

«Make my day», fordert Clint Eastwood einen Strassengangster auf, «mach eine falsche Bewegung», und richtet seine 44er Magnum auf ihn. Don Siegels «Dirty Harry» war 1971 eine gezielte Provokation zwischen den politischen Fronten.

Die Polizei unter Beobachtung

Auf dem Höhepunkt der Präsidentschaft des Republikaners Richard Nixon und des Vietnam-Krieges waren die USA ideologisch tief gespalten. Die Bürgerrechtsbewegung und die Hippies bezeichneten Polizisten als «Pigs» und Systemknechte, das liberale Amerika bemühte sich um Machtbegrenzung. Ab 1966 galt etwa der Miranda-Act, der vorschreibt, dass zu Verhaftenden über ihre Rechte aufgeklärt werden müssen.

Filmszene: Mann mit Pistole geht über eine Strasse
Legende: Erst schiessen, dann fragen: Als «Dirty Harry» geht Clint Eastwood unzimperlich zu Werk. Keystone / Everett Collection

Eastwoods «Dirty Harry» war nun jener Cop, der Bösewichte lieber gleich zur Strecke brachte, als sie wegen der liberalen Vorschriften laufen lassen zu müssen.

Vom Sheriff zum Cop

Dirty Harry war nicht der erste ambivalente Cop Hollywoods. Aber er war der erste, der dem Publikum eine unmögliche Entscheidung abverlangte: Was zählt mehr – Recht oder Gerechtigkeit?

Ansatzweise hat es solche Figuren schon im uramerikanischen Kino-Genre des Westerns gegeben, etwa Gary Coopers aufrechten Sheriff in «High Noon» (1952), den die einreitenden Killer praktisch zur Gegengewalt zwingen. Und auch den korrupten Sheriff kannte der klassische Western.

In Hollywoods Urzeiten war das noch einfacher. In den kurzen Slapstick-Komödien der Stummfilmzeit erinnerten Polizisten an ihre Vorgänger im Kasperli-Theater, Charlie Chaplins gewitzter Tramp trickste sie aus.

Schwarzweiss-Filmszene: Chaplin mit Melone uns STock grüsst zusammen mit einem betrunken aussehneden Mann einen Polizisten.
Legende: Die Polizisten in den Filmen von Charlie Chaplin sind leicht zu überlisten. Keystone / Süddeutsche Zeitung Photo / Scherl

Zwischen 1912 und 1917 waren die unfähigen «Keystone Cops» die ewigen Verlierer aller Verfolgungsjagden. Autorität war etwas von denen «da oben», die einfachen Kinogänger identifizierten sich mit den Underdogs.

Hollywoods eigene Regeln

Mit dem Alkoholverbot der Prohibition in den Roaring Twenties kamen nicht nur im realen Leben die Gangster an die Macht, sondern auch im Hollywood-Kino. Zu sehen waren Strassenkriege, in denen korrupte Polizisten glorifizierten Gangstern mit Tommy Guns gegenüberstanden. Das bürgerliche Amerika witterte Sittenzerfall und forderte Zensur.

Um dieser zuvorzukommen, entwickelte Hollywood den «Hays Code», der unter anderem festlegte, dass Verbrecher im Film nicht glorifiziert werden durften, dass Recht und Gerechtigkeit zu siegen hatten. Mit anderen Worten: Dass dem Publikum keine Ambivalenzen zuzumuten seien.

Cops erobern das Fernsehen

Über das Image der Polizei im Kino wachte fortan auch zunehmend die Polizei selber. Auch bei TV-Serien wurden Polizisten als Berater hinzugezogen.

Im Fernsehen erfreuen sich Polizisten seit Jahrzehnten grosser Beliebtheit: In der auf Fox-TV ab 1989 laufenden und jetzt im Mai definitiv abgesetzten Reality-TV-Show «Cops» oder in unzähligen anderen Cop-Serien von «Miami Vice» über «CSI» bis «Law & Order».

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In «Serpico» (1973) kämpft Al Pacino gegen korrupte Cops
Aus Kultur Webvideos vom 23.04.2020.
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Ende der 60er-Jahre wurde der «Hays Code» endgültig abgeschafft und der Weg für Dirty Harrys harte 70er geebnet. Als Reaktion darauf gab es in den 1980er-Jahren gleich reihenweise Buddy-Komödien und Polizei-Slapstick.

Das begann mit den Massenkarambolagen von Polizeiautos in «Blues Brothers» (1980), ging über in die Trottel vom Dienst der «Police Academy»-Filme (1984–1994), und trieb die schönsten Blüten mit Eddie Murphys schwarzem Republikaner-Alptraum «Beverly Hills Cop» (1984–1994) oder dem Duo aus Mel Gibsons suizidärem Draufgänger-Cop und seinem schwarzen «Straight Man» Danny Glover in den «Lethal Weapon»-Filmen (1987–1998).

Einblicke ins «Copland»

In den 90ern kamen im Kino die realistischen, kaputten Cops wieder auf: Richard Gere als korrupter Polizist in «Internal Affairs» (1990) oder Jamie Lee Curtis in Kathryn Bigelows «Blue Steel».

Und schliesslich kam James Mangolds «Copland» (1997) mit Sylvester Stallone, der zum ersten Mal die amerikanische Polizei als eigene, isolierte Kaste porträtierte, die unter sich bleibt und sich die Gesetze selber macht.

Filmszene Zwei Polizisten sprechen aus nächster Distanz durch zwei Megaphone miteinander
Legende: In sieben Filmen durften die Mitglieder der «Police Academy» in den 80er- und 90er-Jahren ihre Inkompetenz unter Beweis stellen. Keystone / Rue des Archives / RDA

Seither herrscht die Ambivalenz. In der Serienwelt ist Serien-Killer «Dexter» zugleich der Tatort-Analytiker, in «Lucifer» kommt der paranormale Playboy-Assistent der Polizistin direkt aus der Hölle, und in «Breaking Bad» ist der Cop der ahnungslose Schwager des drogenkochenden Helden.

Die Realität der US-amerikanischen Cops findet heute nicht im Kino und in Serien statt, sondern in den Nachrichten.

Sendung: Radio SRF 4 News, HeuteMorgen, 10.7.2020, 08:00 Uhr.

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