Zum Inhalt springen

Header

Audio
«Yesh!» – das jüdische Filmfestival in Zürich
Aus Kultur-Aktualität vom 02.06.2021.
abspielen. Laufzeit 03:24 Minuten.
Inhalt

Zürcher Filmfestival «Yesh!» Das jüdische Festival zeigt auch Filme aus Palästina

Das Festival «Yesh!» klärt mit seinen Filmen über die jüdische Welt auf, beleuchtet sie aber auch kritisch.

Schaut man sich das Programm des jüdischen Filmfestivals «Yesh!» an, entdeckt man vor allem eines: Diversität. Ob französische Dramen, die zur Zeit des Zweiten Weltkrieges angesiedelt sind, deutsche Komödien oder israelischen Dokumentarfilme – das Filmfestival überrascht.

«Wir wollen mit unserem diversen Programm die Vielfalt der jüdischen Welt abbilden», sagt Michel Rappaport, Direktor des «Yesh!». Ob es um jüdische Orthodoxe in New York oder lesbische jüdische Frauen in Deutschland geht - das sorge für Sichtbarkeit und fördere ein Verständnis dafür, was unter der jüdischen Welt überhaupt alles gemeint ist, sagt Rappaport.

Legende: Der Film «Kiss Me Kosher» handelt von lesbischen Frauen in Israel. SPOT ON DISTRIBUTION

Jüdische Filme, aber ohne Israel-Fokus

Auch wenn es einen grossen israelischen Filmmarkt gibt, fokussiere «Yesh!» nicht auf Israel, betont Rappaport. Jüdische Filme gibt es aus der ganzen Welt von Osteuropa bis Südamerika. Michel Rappaport und sein Team gehen sogar soweit, auch Filme aus Ländern in ihr Programm miteinzubeziehen, die mit der jüdischen Welt nur in Verbindung stehen.

«Länder, die Berührungspunkte mit der jüdischen Gesellschaft, der jüdischen Kultur und Religion haben –  im positiven, wie auch im negativen Sinn», erklärt er. Dazu gehören Filme wie «Gaza mon Amour», von den palästinensischen Regie-Zwillingen Tarzan und Arab Nasser.

Gaza mon Amour – ein Film aus dem Kriegsgebiet

In «Gaza mon Amour» begleiten wir den armen Fischer Issa bei seiner täglichen Arbeitsroutine. Eines Nachts zieht er anstatt Fische eine wertvolle Statue aus dem Wasser. Wegen dieser steht er schon bald mit den Behörden im Konflikt.

Legende: «Gaza mon Amour» spielt mitten im Kriegsgebiet – und ist trotzdem nicht hoffnungslos. Alamode Film

Dass der Mann in einem Kriegsgebiet lebt, wird nie explizit gezeigt, aber auch nicht ausgeblendet. Die Gefahren der Region sind deutlich spürbar: durch die Checkpoints zu Israel, die Issa ständig passieren muss, den täglichen Stromausfällen, dem Freund, der nur davon redet nach Europa zu fliehen.

Auch wenn es wehtut

«Für mein Team und mich war es von Anfang an klar, dass wir am ‹Yesh!› auch Filme aus Gaza und dem Westjordanland zeigen. Auch wenn das manchmal wehtun kann», sagt Festivaldirektor Rappaport. Das «Yesh!» soll für Verständnis mit der jüdischen Welt sorgen, sie aber auch kritisch beleuchten.

Dabei werden keine kontroversen Diskussionen gescheut. «Nur so können wir ernst genommen werden», sagt Rappaport.

Koexistenz von Leid und Freude

Das Filmfestival soll ein Ort sein, an dem man auch Ungewohntes sieht. So lässt sich in «Gaza mon Amour» auch der alte Fischer Issa trotz seines rauen Alltags, der konstanten Überwachung und mehreren Verhaftungen, nicht davon abbringen, um die Hand der Schneiderin Siham anzuhalten.

Legende: Issa hält um die Hand von Siham an. Alamode Film

«Vor allem in Zeiten wie jetzt, in denen der Israel-Palästina-Konflikt wieder aufbricht, vergisst man oft, dass in dieser Region auch Schönes passiert», so Rappaport. Der Film habe das Potential zu vermitteln und aufzuklären. Diese Wirkung wünscht er sich auch für das «Yesh!». Für dessen jüdisches wie auch nicht-jüdisches Publikum. 

Das Yesh!-Filmfestival

Box aufklappen Box zuklappen

Die siebte Ausgabe des Yesh! findet vom 03. bis am 10. Juni statt: Die über 30 Filme werden online und in den Zürcher Arthouse Kinos, dem Kino Riffraff und Houdini gezeigt.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 3.6.2021, 8:06 Uhr

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Sancho Brochella  (warum?)
    Eine schöne und versöhnliche Haltung. Kunst & Kultur bauen einmal mehr Brücken über Gräben. Diesen Wert der Kunst & Kultur sollte die Gesellschaft finanziell auch stark fördern. Denn Kunst verbindet. Sucht, findet, ergründet und entblöst Dissonanz und Spannung. Und födert Verständnis und ist somit friedensfördernd und könnte daher auch gut aus dem Verteidigungsbudget bezahlt werden.