Zukunft des Schauspiels: Hier übernimmt der Computer

Neue Möglichkeiten in der Postproduktion von Filmen: Eine Software ermöglicht es, nach dem Dreh Stimme und Mimik von Schauspielern zu verändern. Eine Herausforderung – für Computer und Schauspieler.

Frau mit verschiedenen Gesichtsausdrücken Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Schauspielerin Johanna Köster mit computeranimierten Gesichtsausdrücken. Disney Research Lab

  • Filme werden heute zunehmend am Computer fertiggestellt. Die Postproduktion wird damit immer wichtiger.
  • Neue Möglichkeiten künstlicher Bearbeitung von bewegten Bildern entwickeln sich rasant und verändern Produktionsprozesse grundlegend.
  • Auch der Ausdruck eines Schauspielers kann nachträglich manipuliert werden. Dies birgt Gefahren, aber auch viele Chancen.

Wütend – oder lieber traurig?

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Die Software «Facedirector»

Das Disney-Research-Lab hat auf Youtube ein Demonstrationsvideo eingestellt, das zeigt, wie die Software funktioniert.

Eindrückliche Berg- oder Meereslandschaften, riesige Menschenmassen oder furchteinflössende Monster werden heute am Computer gestaltet. Reale Drehorte und Kulissen verschwinden zusehends.

Sie werden durch gigantische Greenscreen-Anlagen ersetzt – eine Herausforderung für Schauspieler und Schauspielerinnen: diese agieren in einer vollständig imaginierten Umgebung.

Umso wichtiger, dass die Darstellerinnen vor der Kamera die von der Regie gewünschte Stimmung verkörpern. Gelingt dies nicht, gibt es nun eine neue technische Lösung. Derzeit sind Computerprogramme in Entwicklung, mit denen die Regie die Ausdrucksweise der Schauspieler nach dem Dreh am Computer wie gewünscht anpassen kann.

Ein solches Tool hat das Disney-Research-Lab entwickelt: Die Software «Facedirector» ermöglicht den Filmemachern, zwei verschiedene Takes zu kombinieren – und so etwa aus einer wütend gespielten Szene und einer traurig gespielten Szene eine halb wütend, halb traurig wirkende Szene zu machen. Diese kann man dann beliebig mischen, ähnlich einem DJ-Mixer. Schauspielschülerin Marie Schmidt zeigt, wie die Software funktioniert.

Mit Blick in die Zukunft

Solche technische Neuerungen sind auch eine Herausforderung für die Schauspielstudierenden. Anton Rey leitet das Forschungsinstitut Institute for the Performing Arts and Film an der ZHdK. Er legt Wert darauf, mit den Entwicklungen Schritt zu halten, um angehende Schauspieler und Schauspielerinnen auf die Zukunft vorzubereiten.

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«Dreizehn Schauspielschüler»

Die fünfteilige Doku «Dreizehn Schauspielschüler» von SRF begleitet angehende Schauspieler und Schauspielerinnen durch ihr Studium. Im Rahmen ihrer Ausbildung waren einige von ihnen Probanden am Disney-Research-Lab.

«Facedirector» sei Teil einer grösseren, rasch voranschreitenden Entwicklung, so Rey, und nennt mit «Visage Technologies», «FaceTracker», «IntraFace» und «faceshift» weitere Beispiele für Software, mit der Gesichter von Schauspielern am Computer bearbeitet werden können.

«Wir haben ein grosses Interesse, diese Entwicklungen und deren mögliche Relevanz für die Ausbildung zu verfolgen – und wo möglich gar mitzuprägen.» Disney sei dabei ein willkommener Partner, darüber hinaus arbeite man mit anderen Entwicklern und Hochschulen zusammen.

Chance oder Gefahr?

Bergen solche neue Mittel ungeahnte Möglichkeiten, oder sind sie vielmehr eine Gefahr für authentisches Schauspielen? Man fürchte die Zukunft nicht, sagt Rey. Vielmehr sieht er darin eine Chance: «Vielleicht verstärkt eine zunehmende mediale technische Manipulationsmöglichkeit ja umgekehrt die Lust auf das Direkte, Unmittelbare und sichtbar Hergestellte – auf das Theatererlebnis, welches wir seit mindestens 2500 Jahren geniessen.»

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 03.08.2016 22:25

    Die Schauspielschüler
    Unterschiedliche Lebenswelten – Anna und Jasper

    Dreizehn Schauspielschüler, Folge 4

    Anna (24) ist die Älteste im Ensemble. Sie hofft, nach zwei abgebrochenen Studiengängen endlich am richtigen Ort angekommen zu sein. Jasper (20) lebt zu Beginn des Studiums in einem Mansardenzimmer ohne Küche und Bad. Er ernährt sich aus der Abfalltonne, zieht nachts durch Zürich und «containert».