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LSD als Popkultur-Katalysator
Aus Kultur-Aktualität vom 22.10.2020.
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100 Jahre Timothy Leary Ein LSD-Trip ist toll, aber noch lange keine Kunst

Der Harvard-Psychologe Timothy Leary machte LSD zur Modedroge der Hippies. Welche Rolle spielte sie in der Popkultur?

«Turn on, tune in and drop out» war das Motto des US-amerikanischen Psychologen Timothy Leary, der heute seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Die deutschen Hippies übersetzten den berühmt gewordenen Satz so: «High sein und dabei frei sein.» Leary wollte mit LSD die Welt verbessern. Er war ein Guru, ein Galileo Galilei der amerikanischen Gegenkultur.

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Timothy Leary propagierte LSD als Droge für alle
Aus Kultur Webvideos vom 22.10.2020.
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Jean-Martin Büttner, Autor beim Tagesanzeiger und Experte für Popkultur und LSD, steht Timothy Leary kritisch gegenüber. Vor allem dessen Idee, dass genug LSD zu einem «ego death» führe – zum Tod des Ichs.

Macht einen LSD vollkommen frei, frei von allen Horrortrips? «Als jemand, der sich aus eigener Erfahrung gut auskennt mit LSD, halte ich das für eine enorm gefährliche Behauptung.»

ein schwarz-weiss Foto eines Mannes, der vor einem Mandala steht
Legende: Leary glaubte nicht nur an LSD, sondern auch an Mandalas: Sie verhalfen ihm, eine höhere Bewusstseinsebene zu erreichen. Getty Images / Bettmann

Der Psychologe Leary, der LSD in sogenannten Test-Sessions jahrelang in Harvard erforschte und deshalb seinen Lehrauftrag verlor, geriet zusehends in den Strudel eines wilden Lebens und wurde von der CIA bald quer über den Planeten gejagt.

Die Droge der Querulanten

LSD wurde zur Chiffre für die psychedelische Kultur der Sixties. Dazu gehörten auch die schillernde Flower-Power Mode, der Jazz von John Coltrane oder die Filme von Michelangelo Antonioni.

Für den Pariser Philosophen Michel Foucault wurde ein LSD-Trip zum lebensverändernden Ereignis und imprägnierte sein Werk. Ähnliches berichtete Apple-Gründer Steve Jobs.

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Macht uns LSD erfolgreich?
Aus Kultur Extras vom 16.04.2018.
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Setzt ein LSD-Trip kreative Kräfte frei? Jean-Martin Büttner schüttelt den Kopf. «LSD bestätigt nur, wer du bereits bist. Wie schon Goethe seinen Mephisto sagen lässt: ‹Setz deinen Fuss auf ellenhohe Socken. Du bleibst doch immer, was du bist.›»

Kreativer Katalysator und Zerstörer

LSD funktioniere wie ein Mikroskop für das eigene Ich, sagt Büttner. Wenn in einem Künstler Grosses schlummere, sei die Droge imstande, das in Kunst zu übersetzen.

«Ohne LSD hätte Dylan hätte nie ‹Visions of Johanna›, eines der grossartigsten Gedichte über die Wahrnehmung, geschrieben. Genau so wie die Beatles nie ohne LSD ‹Strawberry Fields Forver› verfasst hätten», so Büttner.

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Hört hin: In diesen Songs spielt LSD die Hauptrolle
54:48 min, aus Pop Routes vom 16.04.2018.
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Aber wo LSD diese Musiker zu Höchstleistungen antrieb, versickerte die Wirkung der Droge bei vielen anderen Bands in der Belanglosigkeit und so manch einer war auch der Wirkung der Droge nicht gewachsen.

«Syd Barrett, der geniale Songschreiber von Pink Floyd, nahm LSD und ging unter in einer Psychose, von der er sich nie mehr erholte», erklärt Büttner.

Aber nicht nur die 1960er-Jahre, auch innovative musikalische Stile wie der deutsche Krautrock bis hin zum Techno der 1990er-Jahre sind stark von LSD geprägt. So ambivalent das Thema auch ist, LSD hat die Welt träumen lassen. Daran hatte Timothy Leary einen grossen Anteil.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 22.10.2020, 17:10 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Derek Elmiger  (Galileo)
    Timothy Leary wurde von US-Präsident Richard Nixon zum gefährlichsten Mann des Landes ernannt. Der ehemalige Harvard-Professor hatte sich für den freien Zugang zu LSD ausgesprochen. Aber: 1953 startete ein US-Army Programm namens MKUltra, in dem LSD als Wahrheitsdroge und Mittel zur Gehirnwäsche getestet wurde. In Dutzenden Instituten und Anstalten experimentierte die CIA mit hunderten wehrlosen Probanden, darunter Strafgefangene, psychisch Kranke, Prostituierte, US-Soldaten. Ist alles belegt!
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  • Kommentar von Martin H. Meier  (Mahame)
    @SRF: Der Titel dieses Artikels ist nicht gut gewählt. Auch wenn er in Anführungs-und Schlusszeichen stünde. Verantwortungslos.
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  • Kommentar von tom rosen  (tom rosen)
    Toller Typ, mutiger Typ. Ein Nonkonformist der eine Generation von Hinterfragenden prägte, die rechten und linken Faschismus enttarnte. Die heutige Normgesellschaft hat aber daraus gelernt und schafft es mehr und mehr, die differenzierten, kritischen, Denkenden ohne linksrechts Definition weg zu bilden. Etwas weniger Drogen wäre dabei vielleicht trotzdem eine Option gewesen.
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