Zum Inhalt springen

Header

Audio
Tote und lebendige Steine: Das Basler Münster wird 1000 Jahre alt
Aus Perspektiven vom 31.03.2019.
abspielen. Laufzeit 28:08 Minuten.
Inhalt

1000 Jahre Basler Münster Das Geheimnis der Basler Münster-Steine

Das 1000-jährige Basler Münster ist ein steinernes Archiv. Restauratorin Bianca Burkhardt kennt deren Geschichten.

Viele Nächte lang lagen vier Forscherinnen im Basler Münster auf der Lauer. Sie suchten im Dunkeln die Wände mit ultraviolettem Licht ab. Und wurden fündig: Sie entdeckten Reste mittelalterlicher Wandmalereien.

Zwei Saulen, auf denen Schwarz-Weisse Flecken sich abzeichnen.
Legende: Im UV-Licht erkennbar: die Silhouette einer Bischofsfigur (links) auf einer Säule im Basler Münster. B. Burkhardt / Stiftung Basler Münsterbauhütte

«Von denen wusste man zuvor nichts», sagt Bianca Burkhardt, Restauratorin an der Basler Münsterbauhütte und eine der Forscherinnen im Projekt «PolyBasel»., Link öffnet in einem neuen Fenster Zu den Funden gehören Darstellungen der Kreuzigung, anderer biblischer Szenen und Heiligen. Mit Röntgenmethoden wurden Farben rekonstruiert.

Bildlose Wände

Nach der Reformation, die 1529 Basel erreichte, waren die Bilder übertüncht worden. Im 19. Jahrhundert wurden die Wände dann bearbeitet, bis sie steinsichtig waren.

Dabei wurden winzige Farbpartikel in das Gestein geschlagen – die nun mit neuen, strahlendiagnostischen Verfahren teilweise sichtbar gemacht werden konnten.

Bianca Burkhardt packte nach dieser Entdeckung der Forscherdrang: Sie wollte mehr wissen über die Steine des Münsters, mit dem sie tagtäglich zu tun hat.

Der Weg der Steine

Die Restauratorin verfolgte den Weg der Steine zurück bis zu ihren Ursprüngen. Sie investierte ihre Freizeit, um zu verstehen, wo der Stein herkam. In dem Geologen Wolfgang Werner und dem Sedimentologen Johannes Miocic aus Freiburg i. Br. fand sie Experten, die ihr den Weg der Steine zeigten.

Das Tor des Basler Münsters.
Legende: Unerschütterliche Grundfesten: das Tor des Basler Münsters. Keystone

Denn was Burkhardt beim Studieren mittelalterlicher Rechnungsbücher der Münsterfabrik sah: Die Steine für den Bau des Münsters kamen alle aus den Gebieten des Süd-Schwarzwaldes, im heutigen Baden-Württemberg.

Wilde Kreuzschichtung

Burkhardt wurde bewusst: Bis der grobkörnige Buntsandstein entsteht, «der von uns so geschätzte Werkstein», ist es ein langer Weg. Dass dieser so witterungsbeständig ist, hängt mit seiner Entstehung zusammen.

Es handelt sich um ein Sediment-Gestein, das durch verschiedene Ablagerungen entsteht. Es wuchs vermutlich in einem «Schüttungsfächer»: einer Zone, wo sich Geröll und Schutt eines früheren Gebirges ablagerte.

Je nach Stärke des Regens wurde dieses heftig mitgerissen oder zart angespült. So entstand eine wilde Kreuzschichtung.

Ein Ausschnitt einer Steinmauer.
Legende: Fast ein Gemälde: Die Ablagerungen sind im Buntsandstein des Münsters gut zu erkennen. SRF / Dorothee Adrian

Beeindruckt ist Bianca Burkhardt von den damaligen Bauleuten, die im Mittelalter das Münster aus-, um- und weiterbauten. Diese wählten das Gestein «mit Sachverstand und genauer Beobachtungsgabe zielsicher aus» – je nach Bedarf unterschiedliches.

So ist das Mauerwerk aus grobporigerem Buntsandstein, aus dem Feuchtigkeit gut wieder entweichen kann. Für bildhauerische Arbeiten wurde feinkörnigeres Material verwendet, aus dem exakte Formen gehauen werden können.

Echo der Jahrhunderte

Das ursprünglich verwendete Gestein sei so gut, dass die Restauratorinnen und Restauratoren es höchst selten austauschen müssen. Problematisch wurde es erst in Zeiten der Industrialisierung.

1000 Jahre Basler Münster

1000 Jahre Basler Münster
Legende:Keystone / Alexandra Wey

Das Basler Münster wurde von Heinrich II. und seiner Frau, Kaiserin Kunigunde von Luxemburg gestiftet und 1019 eingeweiht. Ab Mitte April bis Anfang November 2019 finden aus diesem Anlass in Basel verschiedenene Veranstaltungen, Link öffnet in einem neuen Fenster statt.

Denn einerseits wuchs der Bedarf für Baumaterial rasant, andererseits konnten Steine durch die Eisenbahn weite Strecken zurücklegen. Doch bei Fernbestellungen konnten die Baumeister das Material nicht mehr mit eigenen Augen begutachten. So kam auch suboptimale Ware in Basel an, die für witterungsbedingte Schäden anfälliger war.

Je mehr sie sich mit der Geschichte der Steine beschäftigt, umso verbundener fühlt Bianca Burkhardt sich mit den Menschen, die Jahrhunderte vorher am Basler Münster arbeiteten: «Ich meine, ihre Begeisterung in einer Art Echo zu hören.»

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Oskar Schneider  (Oski2)
    Gehörte nie einer Kirche an und bezeichne mich selbst nicht einmal als einen Atheisten denn ich bin einfach ich aber wenn es um Kirchen als Gebäude geht kann ich nur den Hut nehmen was diese Leute damals erbracht haben und bewundere diese Architekturen. Glaube kaum dass eines der alten gigantischen Bauten irgendwo auf diesem Planeten je ohne "Sklaven" errichtet wurden aber das sollte die Leistung der Archiekten nicht mindern. Also Wasser unter der Brücke.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    Hat sich Frau Burkhart wohl auch mit der damaligen Lage der Menschenrechte befasst? Dem ganzen Leid, Schmerz, Hunger, Zwang den solche Bauwerke in sich tragen. Der Herrschaft der wenigen Mächtigen die nur auf dem Baustein von Armut + Druck durch Androhung von Hunger + Gewalt solches entstehen lassen konnten?
    Oder nur mit dem schönen Teil der Geschichte?
    Das ist die ganze Geschichte, unsere Geschichte der Zivilisationsfindung.
    Aber es tönt definitiv schöner wenn man nur das eine beleuchtet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Roger Gasser  (allesrotscher)
      Warum muss man immer das Negative einer Zeit heraufbeschwören,
      Hr. S. Müller ? Sie ändern damit nichts an der Geschichgte, Nur aus dem Positiven kann man was lernen, und das hat die Autorin sehr schön aufgezeigt. Noch besser wäre es man würde die Aufmerksamkeit auf die Problemlösungen für die Zukunft richten, da sind die Energien viel dringender gebraucht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Jacqueline Gerber  (Tellerwascher)
      Sie haben da ganz recht, leider wird auch in unserer Zeit Sklavenarbeit mit Stadienbau, Kleiderfabrikation, Elektrogeräten (z.B. Smartphones) (in den Minen zum Rohstoffe abbauen etc.) verrichtet, d.h. die Menschheit ist keineswegs besser geworden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Simon Weber  (Weberson)
    Wow, das finde ich gerade sehr interessant. Etwas ähnliches habe ich kürzlich in einer Doku über die chinesische Mauer gesehen. Auch dort wurde eine Art Mörtel benutzt der mit Reis gemischt wurde. Diese Mischung ist extrem stabil und witterungsunanfällig. Forscher haben das vor noch nicht allzulanger Zeit herausgefunden. Mittlerweile gibt es dort diverse Traditionsbetriebe die wieder ursprüngliches Baumaterial nach ursprünglicher Tradition herstellen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten