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200 Jahre Karl Marx Karl Marx und seine Auswirkung auf die Schweiz

Er stand weltweit geistig Pate für kommunistische Bewegungen: Karl Marx hinterliess aber auch Spuren in der Schweiz.

Gemälde von einem älteren Herr mit Bart.
Legende: Seine Ideen haben den Lauf der Weltgeschichte verändert: Karl Marx (1818-1883). Getty Images

Karl Marx war ein Kind der Industrialisierung. Seine Aufmerksamkeit galt der sozialen Not, die im 19. Jahrhundert in der neu entstandenen Gesellschaftsschicht des Industrieproletariats um sich griff: überlange Arbeitszeiten, schlechte Entlöhnung, Alkoholismus, Kinderarbeit.

Arbeiterschaft im Fokus

Die rücksichtslose Ausbeutung der Fabrikarbeiter rückte der Deutsche Karl Marx ins Zentrum seines Denkens und Schaffens. Sie sei, schrieb er in seinem Hauptwerk «Das Kapital», eine logische Konsequenz des Kapitalismus.

Ihn gelte es in einer Revolution zu überwinden – und danach eine gerechte Gesellschafts- und Wirtschaftsform ohne Privatbesitz zu schaffen.

Ein Mann steht neben einer grossen Maschine mit riesigen Zahnrädern.
Legende: Im Zentrum von Marx Schaffen? Der Klassenkampf zwischen der Arbeiterschaft und den Kapitalisten. imago / Arkivi

Für die Linke wurde Marx damit zu einer Leitfigur des politischen Kampfs – auch in der Schweiz. Als 1864 in London die Erste Internationale gegründet wurde, der erste Zusammenschluss marxistischer Arbeitergesellschaften verschiedener Länder, bildete sich auch in der Schweiz eine Anzahl örtlicher Sektionen.

Sie einte das Ziel, im Sinne der Schriften von Karl Marx, die Lage der Arbeiterschaft zu verbessern und dafür zu kämpfen, auch mittels Streiks.

Als sich die Schweizer Sozialisten 1888 in der Sozialdemokratischen Partei formierten, war in deren erstem Programm – ganz der Marxschen Rhetorik folgend – die Rede vom Klassenkampf, von der Überwindung des Kapitalismus und von der staatlichen Lenkung der Wirtschaft. In ihr glaubte man die Lösung für die brennenden Probleme der Arbeiterschaft zu erkennen.

Reformen ohne Marx

Allerdings gab es in der Schweiz eine ganze Reihe von Massnahmen, die das Los der Fabrikarbeiter verbesserten, ohne dass sich dabei ein direkter Einfluss des Denkens von Marx nachweisen liesse.

Ein Schwarz-Weiss-Bild: Viele Frauen und Männer arbeiten in einer Revolver-Dreherei.
Legende: Fabrikarbeit in Berlin, Spandau (um 1935): Frauen und Männer arbeiten in einer Revolver-Dreherei. imgao / Arkivi

So war etwa das epochale erste nationale Fabrikgesetz von 1877 vom damals rein bürgerlichen Bundesrat angeregt worden: Es legte den für das ganze Land verbindlichen maximalen 11-Stunden-Tag fest und stellte Frauen und Kinder unter besonderen Schutz.

Der Streikführer greift an

Stark vom marxistischen Denken geprägt war der Zürcher Nationalrat Robert Grimm, der Anführer des Generalstreiks im Herbst 1918. Grimm liess damals in einer legendären rhetorischen Kanonade im Nationalrat eine ganze Salve von marxistisch durchtränkten Argumenten auf die bürgerliche Ratsmehrheit nieder.

Die Gegner der streikenden Arbeiter – die Bürgerlichen, der Bundesrat, die Armee – hätten zwar «die Macht der Bajonette» und «die Macht der brutalen Gewalt», rief Grimm in den Saal. Auf Seiten der Streikenden habe man dafür «den Glauben an die Sieghaftigkeit der Idee».

Erstarkung der Linken

Grimm bediente sich in seiner Rede der marxistischen Vorstellung, dass die historische Entwicklung in erster Linie den ökonomischen Verhältnissen folge, deshalb unabhängig vom menschlichen Willen verlaufe und schliesslich zwingend zur Revolution führe.

Diese könne friedlich verlaufen, aber: «Die Bewegung wird sich durchsetzen, heute, morgen oder übermorgen.» Zwar gab es am Ende keine Revolution. Immerhin führte der Generalstreik aber doch zu einer Erstarkung der politischen Linken und zu sozialen Reformen.

Schwarz-weiss-Bild: Ungarer betrachten die gefallene Stalin-Statue.
Legende: Protest im Oktober 1956, vor dem Nationaltheater in Budapest: Ungaren betrachten die gefallene Stalin-Statue. Keystone

Antikommunistische Paranoia

Eine neue und völlig andere Bedeutung erhielt der Marxismus in der Schweiz zur Zeit des Kalten Kriegs. Wer sich im Klima der damaligen hysterischen Angst vor dem Sowjetkommunismus zum Marxismus bekannte, lief Gefahr, stigmatisiert zu werden.

Besonders vergiftet war das antikommunistische Klima vor dem Hintergrund des Ungarnaufstandes 1956: Insbesondere Mitglieder der kleinen kommunistischen «Partei der Arbeit» wurden offen an den Pranger gestellt. Sie waren Ausgrenzungen, ja Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt.

Marxistische Linke im Visier

Der bekannte Schweizer Historiker Jean-Rodolf von Salis geisselte diese Vorgänge 1961 in einem Vortrag als Ausdruck eines «Ungeists». Er rief dazu auf, die leidenschaftliche Gegnerschaft zur Sowjetunion nicht gegen innen zu richten und marxistische Linke ins Visier zu nehmen: «Man bekämpft die Inquisition nicht durch die Inquisition».

Schweizer Historiker Jean-Rodolf von Salis
Legende: Universalgelehrter und unabhängiger Intellektueller: der Schweizer Historiker Jean-Rodolf von Salis. Keystone

Herber Dämpfer für Marxisten

Der Fall der Berliner Mauer 1989 beendete nicht nur das Experiment des «real existierenden Sozialismus» in Osteuropa. Er bedeutete auch für Marxistinnen und Marxisten in der Schweiz einen herben Dämpfer.

Es zeigte sich, wie sehr das ökonomisch-philosophische Denken von Karl Marx in der allgemeinen Wahrnehmung gleichgesetzt wurde mit der bitteren Wirklichkeit in den kommunistischen Diktaturen.

Und heute? Der Marxismus bleibt wohl auch heute, da die Welt kaum gerechter geworden ist, von Bedeutung: Er ruft in Erinnerung, dass das bestehende wirtschaftliche und gesellschaftliche System nicht in Stein gemeisselt ist, sondern kritisiert und verbessert werden kann – und auch soll.

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Legende:Getty Images / Bildmontage

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Ivan Eremite (Eremite Ivan)
    Einige Linke denken, dass das Ende der Weltgeschichte nicht Kapitalismus sein kann. Sie haben recht, aber es ist auch nicht der Neo-Marxismus, wie sie ersehnen. Es ist Christus. Das ist die alt-neue, die uralte, (An) Sicht. Christus in seinem Wort spricht über Vieles und auch über die Linken unter den Völkern, und, überraschenderweise, nennt er sie die Böcke (Matth.25, 33). Der Gehörnte widerspricht der Bibel ständig und belügt die ganze Welt. https://www.youtube.com/watch?v=Hp8UF-5Djqk
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Marx war ein bekennender Antisemit und hat Juden aufs übelste beschimpft. Kollegah und Abbas werden gemassregelt, Marx gelobt? Das stimmt doch was nicht liebe Leute.
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  • Kommentar von Peter Beutler (Plinius)
    Wer Karl Marx posthum beschuldigt, er sei schuld an den Millionen von Toten des Stalinismus, hat Marx schlicht nicht verstanden. Auch Marx wäre ein Gegner von Stalin gewesen. Und dabei vergisst man, dass an den Folgen des Kapitalismus weit mehr Menschen umgekommen sind als während des Sowjetkommunismus. Der Sozialismus ist keineswegs tot. Nicht nur im menschenreichsten China. Dort herrscht nach wie vor eine kommunistische Partei, deren Sozialismus akzentuierter und erfolgreicher wird.
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    1. Antwort von Claire McQueen (freedom)
      @P. Beutler: Stimmt nicht. Marx hat bereits damals die Sozialdemokraten bekämpft, welche seine extreme kommunistische Ansichten nicht geteilt haben und sozialistische, nicht kommunistische Ideen vertreten haben. Marx war sehr radikal aber im seinem Privatleben hat er nicht immer seinen "Idealen" entsprechend gehandelt. Stalin, Mao und Co. wollten seine Ideen 1:1 umsetzen. Die kommunistischen Herrscher haben weltweit bis zu 100 Millionen Menschen geopfert. Bitte nichts verharmlosen!
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    2. Antwort von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
      @McQueen: Marx war kein Politiker, er war ein Denker. Sie gehen nun hin und setzten das was Mao, Lenin, Stalin und andere daraus gemacht haben gleich mit seinen tatsächlich radikalen Ideen. Sie vergleichen Apfel mit Banane. Als hätte Einstein die A Bombe gezündet.Ich gebe Hr Beutler recht:kapitalistische und rechte Politik hat nicht 100Mio Menschen sondern ein vielfaches umgebracht, tut es bis heute, s. Naher Osten seit 1945, ferner Osten seit 1940, Lateinamerika seit 1920, nicht zuletzt Europa.
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    3. Antwort von B. Lobermann (lobermann)
      "Als hätte Einstein die A Bombe gezündet.Ich gebe Hr Beutler recht:kapitalistische und rechte Politik hat nicht 100Mio Menschen sondern ein vielfaches umgebracht, tut es bis heute, s. Naher Osten seit 1945, ferner Osten seit 1940, Lateinamerika seit 1920, nicht zuletzt Europa." Was hat das mit kapitalistischer und böser rechter Politik zu tun. Nimmt in der Tat Karl Marx in Schutz und sieht pauschal jedes Uebel bei rechter Politik. Das muss man sich mal überlegen.Das stimmt nicht!
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