Braucht es Modeblogger noch?

Um uns in der Flut der Modetrends zurechtzufinden braucht es Leute, die für uns selektionieren. Style-Blogger waren dabei lange die schnellsten – und setzten meist gleich selber Trends. Doch seit Blogs zu einem Massenmedium geworden sind, nutzen Mode-Affine zunehmend andere Wege.

Noëmi Gradwohl betrachtet eine junge, modische Frau. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Noëmi Gradwohl warf 2011 einen Blick auf den Einfluss der Blogger auf die Modewelt. SRF / Matthias Willi / Bildmontage / Getty Images

Die Frage ist eigentlich so aktuell wie eh und je: Wer bestimmt, was Mode ist? Die Antwort fällt immer wieder anders aus, je nach der Zeit, in der sie gestellt wird. Einst waren es Adelige, dann reiche Bürger, später Popstars und Schauspieler. In jüngster Zeit allerdings hat sich eine neue Art von Trendscouts herangebildet – immer eng verknüpft mit technologischen Entwicklungen.

Ein Porträt von Fashion-Bloggerin Florrie Clarke. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bloggerin Florrie Clarke posiert an der London Fashion Week wie ein Star. Reuters

Front Row für Blogger

Als ich mir im Frühling 2011 die Frage gestellt habe, wer eigentlich bestimmt, was Mode ist, war die Antwort klar: Nicht mehr nur die Modejournalistinnen mit ihren Hochglanz-Magazinen wie Vogue, oder anderen einschlägigen Zeitschriften, selektionierten und kommentierten das, was auf den Runways und Catwalks gezeigt wurde.

Das Trendmedium der Stunde waren Modeblogs – jenes im Internet geführte Tagebuch, in dem die Bloggerinnen und Blogger Fotos von Kleidern, Schuhen oder dem herausgeputzten Selbst posteten.

Diese Fashion-Blogger sassen meist in der ersten Reihe der Modeshows, in der prestigeträchtigen Front Row. Andere wiederum suchten mit ihrer Fotokamera die Strassen der Städte nach trendigen Zeitgenossen ab und stellten diese Bilder in ihre Street Style Blogs.

Schnell, und noch schneller

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25 Jahre «Kontext»

Piercings, Attentate, Jazz und Denkmalschutz: Es gibt kaum ein Thema, das die «Kontext»-Redaktion von SRF 2 Kultur im Laufe der letzten 25 Jahre nicht kritisch beleuchtet hat. Zum Jubiläum werfen die Sendungsmacherinnen und -macher von Juni bis und mit August einen Blick zurück auf die denkwürdigsten Momente.

Im Mode-Zirkus regierte fortan ein neuer Faktor und der hiess Zeit. Denn wer bestimmen wollte, was Mode ist, musste schneller sein als die anderen. Da hatten die Bloggerinnen und Blogger einen unschlagbaren Vorteil: Ihr Medium, das Internet, war schnell. So schnell sogar, dass einige Designer anfingen, ihre Fashion Shows live zu streamen, damit ihre Kreationen ungefiltert und unkommentiert in möglichst viele Haushalte gelangten.

Doch: Die Style-Blogs mussten das gewisse Etwas haben, um sich aus der Masse ihrer Konkurrenten abzuheben. Denn der Output war gross. Das ist fünf Jahre her. Die meisten Modeblogs, die ich damals besucht habe, sind unterdessen eingestellt.

Pinterest und Instagram

Was ist geschehen? Es liegt an der Masse. Wenn Teenager unterdessen mit einem Klick auf ihren Smartphones und den sozialen Netzwerken die Shopping-Trophäen mit der Internet-Gemeinde teilen können, dann sind Style-Blogs tatsächlich zum Massenmedium geworden. Einige der anfänglichen Modeblogs halten sich zwar immer noch, doch ihre Zeit läuft ab.

Die technologischen Entwicklungen haben in der Zeitspanne von fünf Jahren nicht pausiert. Bei der konsumrelevanten Altersgruppe der Teenager und jungen Erwachsenen dominieren beim Trendscouting längst soziale Netzwerke wie Pinterest und Instagram. Und natürlich Youtube. Nebst Anleitungen zu allen Lebenslagen gibt es dort eine neue Art von Blogger: Die Youtuber. Sie sind die neuen Ikonen der Unterhaltungsindustrie. Was sie tragen, wird bei ihren Followern in Klicks-Eile zum Modetrend.

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