Ghibli: Ein japanisches Zeichentrickstudio verzauberte die Welt

«Mein Nachbar Totoro», «Prinzessin Mononoke», «Chihiros Reise ins Zauberland»: Viele Filme aus den japanischen Ghibli-Studios haben auch im Westen grosse Erfolge gefeiert. Ghibli steht für hochstehende Animationskunst. Aber das Studio steckt in der Krise – mehr als noch vor zwei Jahren.

Brigitte Häring betrachtet das Logo des Ghibli Studios Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Brigitte Häring ist grosser Fan des japanischen Filmstudios Ghibli – ihre «Kontext»-Sendung entstand 2014. SRF/Wikimedia

Das Jahr 2014 war für Fans der japanischen Animationskunst ein Schock: die Gründerväter des Studio Ghibli, Miyazaki Hayao Miyazaki und Takahata Isao gaben beide bekannt, nicht nur ihren letzten Film zu präsentieren, sondern sich auch aus dem operativen Geschäft zurück zu ziehen. Gerüchte über eine Studioschliessung machten die Runde.

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25 Jahre «Kontext»

Piercings, Attentate, Jazz und Denkmalschutz: Es gibt kaum ein Thema, das die «Kontext»-Redaktion von SRF 2 Kultur im Laufe der letzten 25 Jahre nicht kritisch beleuchtet hat. Zum Jubiläum werfen die Sendungsmacherinnen und -macher von Juni bis und mit August einen Blick zurück auf die denkwürdigsten Momente.

Ich liebe diese Filme!

Auch ich war erschrocken. Nicht nur als Filmredaktorin würde ich den Abgang der kreativen Köpfe bedauern. Auch ganz privat, als grosse Liebhaberin dieser japanischen Animationskunstwerke, als leidenschaftlicher Fan.

Wer mit mir zusammenarbeitet weiss, wie sehr ich diese Filme liebe – und meine Bürowände sind Filmbildern aus «Mein Nachbar Totoro», «Laputa: das Schloss im Himmel» oder «Chihiros Reise ins Zauberland» geschmückt.

Leidenschaft für Ghibli

Also wollte ich eine Sendung machen: «Die wunderbare Ghibli-Welt». Und zwar mit jemanden, der Wissen und Leidenschaft über die Filme der Ghibli-Studios zu verbinden wusste. In England traf ich ein Ehepaar, das die Leidenschaft für die Ghibli-Filme zusammengebracht hat.

Colin Odell und Michelle Le Blanc haben 2009 ein Buch zusammen geschrieben, in dem sie mit grosser Akribie alle Filme aus dem Studio analysieren. Ihre Katze haben sie nach dem schwarzen Kater aus dem Film «Kikis kleiner Lieferservice» benannt: Jiji.

Selten habe ich ein Interview mit Leuten geführt, die mit solch spürbarer Leidenschaft von ihrem Thema erzählten. Die Sendung würzte mit Aussagen meines damals zehn Jahre alten Patenjungen, einem erklärten Fan der Ghibli-Filme.

Szene aus dem Film «THE WIND RISES» Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die japanischen Zeichentrickfilme aus dem Studio Ghibli berühren Kinder und Erwachsene in Ost und West. Keystone

Ganz anders als Disney

Ich war erstaunt, wie einfach er mir den Unterschied zwischen einem japanischen Animationsfilm und einem Disney-Klassiker erklären konnte: «Bei Disney habe ich nie Angst um die Figuren, weil alles nach dem gleichen Muster abläuft und es am Ende wieder gut kommt. In den Ghibli-Filmen weiss man nie, was mit den Figuren noch alles passieren wird.»

Die Sendung stammt aus dem Jahr 2014 – und leider haben sich die Befürchtungen bis jetzt bewahrheitet. Zwar haben die Studios noch nicht ganz die Schliessung verkündet, aber ausser ein paar wenigen Koproduktionen hat das Studio bis auf weiteres die Eigenproduktion auf Eis gelegt.

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