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Radiopredigt vom 1. August von Silvia Huber
Aus Radiopredigt vom 01.08.2021.
abspielen. Laufzeit 08:44 Minuten.
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Aktion «Helvetia predigt!» Die Devise am Nationalfeiertag: Frauen auf die Kanzel!

Zum 50. Jubiläum des Frauenstimmrechts sollen am 1. August nur Frauen predigen. Doch das wird nicht überall einfach.

Die Initiantinnen hinter der Aktion «Helvetia predigt!» haben eine Vision: Am kommenden Sonntag, 1. August, sollen ausschliesslich Frauen die Sonntagspredigt halten. Die Idee, inspiriert durch das schweizweite «Frauenrütli» (siehe Box), hat sich aus der ökumenischen Gruppe des Kirchenfrauenstreiks heraus entwickelt. Sie richtet sich an alle reformierten, christkatholischen und katholischen Pfarreien gleichermassen.

«Helvetia predigt!» & schweizweites «Frauenrütli»

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Mit der ökumenischen Aktion «Helvetia predigt!» sollen Frauen in der Kirche sichtbar gemacht und die Kirche so gezeigt werden, wie sie ist – divers. Weitere Informationen finden sich zum Beispiel auf der Website des Schweizerischen Katholischen Frauenbund SKF.

Die Aktion knüpft an das geplante schweizweite «Frauenrütli» an, einer Idee der Alliance F: Im Jahr des 50. Jubiläums des Frauenstimmrechts haben alle Schweizer Gemeinden eine Aufforderung erhalten, am 1. August Frauen als Rednerinnen aufzustellen.

Wenig Kirchenfrauen in Leitungspositionen

Die Schwierigkeit dabei: In den Kirchen im Land ist dies nicht überall so einfach machbar. Zwar gibt es schweizweit etwa gleichviele studierte Theologinnen wie Theologen. In den reformierten, christkatholischen und meisten freikirchlichen Gemeinden werden sie ordiniert, geweiht und in den Predigtdienst gestellt. Bei den Leitungsämtern aber bleibt die Luft für Kirchenfrauen dünn.

Darum unterstützt auch die Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz EKS die Aktion «Helvetia predigt!». Präsidentin Rita Famos hofft zudem, dass die Aktion bald nicht mehr nötig sein wird: «Es soll selbstverständlich werden, dass Kirche auf allen Ebenen von Frauen und Männern gemeinsam gelebt und verantwortet wird.»

Legende: Rita Famos, Präsidentin Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz EKS, unterstützt die Aktion des Schweizerischen Katholischen Frauenbund SKF. KEYSTONE / Gaetan Bally

Ausgeschlossen aufgrund des Geschlechts

Zwar gibt es auch bei den reformierten Kirchen noch viel zu tun, um sie frauenfreundlicher zu machen. Das Engagement von Christkatholikinnen und Reformierten für die Aktion «Helvetia predigt!» ist aber auch ein Zeichen der Solidarität mit ihren römisch-katholischen Kolleginnen.

In römisch-katholischen Messen dürfen Frauen laut Kirchenrecht gar keine Predigt zur Eucharistie halten. In der Schweiz tun sie dies freilich trotzdem. Das sei normal, postuliert auch Theologin Veronika Jehle auf der Homepage des Frauenbunds SKF.

Ein Skandal sei vielmehr, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts von kirchlichen Ämtern ausgeschlossen würden: «Frauen sind strukturell diskriminiert und nicht gleichberechtigt», sagt Jehle. «Wer Augen hat, der sehe!»

Keine predigenden Katholikinnen im Tessin

Peinlich berührt zeigt sich bei der Aktion «Helvetia predigt!» das Bistum Lugano: Es habe sich überaus freundlich bei den Initiantinnen zurückgemeldet – aber leider keine predigenden Frauen vorzuweisen.

Zwar arbeiten Frauen überall mit, und an der Universität lehrt eine promovierte Theologin. Dass sie keine Theologinnen angestellt haben, liege auch an der Finanznot des Bistums. Lugano könne sich kaum Priester leisten. Und die sind ebenso prioritär wie männlich.

TV-Gottesdienst mit zwei Bischöfen

Drum ist es ein Spiegel kirchlicher Realität, dass der 1.-August-Gottesdienst auch am Fernsehen RSI / SRF von Männern zelebriert wird. Bischof Valerio Lazzeri und sein Vorgänger, der emeritierte Bischof Piergiacomo Grampa, stehen der Messe vor.

Eine Frau kriegt das SRF-Fernsehpublikum aber im «Wort zum Sonntag» zu sehen: Die schweizweit bekannte Bündner Pfarrerin Cornelia Camichel Bromeis spricht Samstagabend das «Pled sin Via».

Ein symbolträchtiger Amtsantritt

Camichel Bromeis wird just am 1. August ihre Antrittspredigt in St. Peter in Zürich halten. Die ehemalige Dekanin der Bündner Kirche wird die erste gewählte Pfarrerin an der traditionsreichen Stadtkirche sein. Hier wurden 1918 die europaweit ersten reformierten Pfarrerinnen ordiniert. Trotzdem blieb der Weg für Frauen ins vollgültige Pfarramt steinig.

Die gestandene Pfarrerin und dreifache Mutter Camichel Bromeis ist sich darum voll bewusst, welche Symbolkraft ihr Amtsantritt hat – erst recht an diesem speziellen Helvetia-Tag.

Predigten auf SRF

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Radio:

TV:

  • Römisch-katholischer Gottesdienst aus Lugano, mit Bischof Valerio Lazzeri und dessen Vorgänger, dem emeritierten Bischof Piergiacomo Grampa.
    SRF 1, 1.8.2021, 10 Uhr

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 30.7.2021, 17:20 Uhr.;

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Samuel Nogler  (semi-arid)
    Da muss man sich nicht wundern, wenn diese Kirchen leer bleiben, wenn Kirchen sich "christlich" nennen, aber weiter entfernt von der Bibel sind als der Islam.
  • Kommentar von Hans-Peter Meier  (FromAnotherWorld)
    Dann sollen sie alle über 1. Korinther 14, 34 predigen.
    1. Antwort von Daniel Häberlin  (Svensk)
      Und wieder mal einen Bibelvers völlig aus dem Kontext gerissen! Ihnen ist doch hoffentlich bewusst, dass der Korintherbrief von Paulus stammt, der milde gesagt nicht gerade viel von Frauen hielt. Ist es denn wirklich massgeblich, was Paulus (der ja auch nur Mensch ist und zu allem eine persönliche Meinung hat) zu diesem Thema sagt? Sollte man sich nicht auch hier vielmehr an Jesus orientieren? Dieser freut sich bestimmt über alle, die sein Wort verkünden, egal ob es Männer oder Frauen sind.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Leben Sie danach Herr Meier?
  • Kommentar von Richard Meier  (meierschweiz)
    Mir scheint: Es geht nicht um die Verkündigung der Frohen Botschaft. Es geht auch niciht darum, dass möglichst viele Leute wieder einmal einen Gottesdienst besuchen Es geht einzig um eine feministische Demonstration. Das ist aus meiner Sicht ein Missbrauch des Gottesdienstes.
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Ein Missbrauch des Gottesdiensts? Ich staune. Da wird die Hälfte der römisch katholischen Weltbevölkerung seit 2021 Jahren als minderwertig, nicht ebenbürtig, nicht gleichberechtigt behandelt und Sie sprechen von Missbrauch des Gottesdienstes. Unglaublich.