Am Anfang war das Hündchen: 800 Jahre Dominikanerorden

Die römisch-katholische Ordensgemeinschaft der Dominikanerinnen und Dominikaner feiert ein grosses Jubiläum: Vor 800 Jahren wurde sie von der Kirche offiziell anerkannt. Zur Geschichte des Ordens gehört auch ein dunkles Kapitel.

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Bildlegende: Ordensvater Dominikus: Bei seiner Geburt soll seine Mutter einen Hund mit Fackel im Maul gesehen haben. Wikimedia

«Predigen, damit die Menschen in ihrem Leben mit der Wahrheit des Evangeliums konfrontiert werden.» Das sei bis heute der Auftrag des Heiligen Dominikus, erklärt Guido Vergauwen. Die Botschaft des Evangeliums sei positiv: «Die Menschen sollen in ihrem Leben Freude erfahren, sie sollen wissen: Es ist gut, dass ihr da seid.»

Ein Mann mit schütterem Haar und Brille im dunklen Anzug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Guido Vergauwen: Provinzial der Schweizer Dominikaner. Keystone

Der gebürtige Belgier ist Provinzial, also Vorsteher der Schweizer Dominikaner. Er hat 30 Jahre lang als Theologieprofessor an der Universität Freiburg in der Schweiz gelehrt und war von 2007 bis 2015 Rektor der Universität.

Göttliche Redekunst eines Knaben

Gegründet hat den Predigerorden der Heilige Dominikus im 13. Jahrhundert. Seine Mutter soll bei der Geburt ein schwarz-weisses Hündchen gesehen haben. Mit einer Fackel im Maul habe es die ganze Welt erleuchtet. Die Erscheinung wurde als Hinweis auf die göttliche Redekunst des Knaben gedeutet.

Ein begnadeter Prediger soll er dann auch gewesen sein. Er scharte Männer und Frauen um sich, um den christlichen Glauben zeitgemäss zu verkünden und gegen sogenannte Irrlehren zu verteidigen. Seine Gemeinschaft verbreitete sich rasch in ganz Europa.

Ein fataler Auftrag

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Der Heilige Dominikus

Dominikus wird um 1170 im spanischen Caleruega geboren. Der von ihm gegründete Predigerorden wird 1216 von der Kirche offiziell anerkannt. Dieser Ordensgemeinschaft der römisch-katholischen Kirche gehören bis heute Frauen, Männer und Laien an. Dominikus stirbt am 6. August 1221 in Bologna. Bereits 1234 wird er heiliggesprochen.

Der Erfolg hatte eine dunkle Kehrseite: Dominikaner erhielten den fatalen Auftrag für die Inquisition. Bisher wollten sie irrende Menschen durch Überzeugung und Ermahnung bekehren. Nun wurden Abweichler und Häretiker aufgespürt, gerichtlich verfolgt und abgeurteilt. Dominikaner beteiligten sich aktiv an der Inquisition – während des gesamten Mittelalters.

«Ein düsteres Kapitel unseres Ordens», sagt Guido Vergauwen. Über diesen Irrweg werde heute im Orden offen gesprochen. An eine offizielle Entschuldigung bei den Opfern der Inquisition von Seiten der Dominikaner kann sich Guido Vergauwen aber nicht erinnern. Die Dominikaner heute sehen sich verpflichtet, an das Leid der Opfer zu erinnern und die Diskriminierung, Ausgrenzung und Vernichtung Andersdenkender zu verhindern.

Spirituelles Coaching

Ein Ort, wo nach dem Vorbild des heiligen Dominicus gelebt wird, ist das Dominikanerinnenkloster Ilanz in der Bündner Surselva. Hier lebt Schwester Monika Hüppi mit 120 Mitschwestern. Aufgewachsen ist sie mit 13 Geschwistern im St. Gallischen Gomiswald. Die ausgebildete Hebamme tritt mit 29 Jahren ins Kloster ein.

Zwei Ordensschwestern im weissen Habit. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zwei Dominikanerinnen in Ilanz: Schwester Annemarie Müller (links) und Schwester Monika Hüppi. srf/Norbert Bischofberger

Später lebt sie zwei Jahre in Brasilien und sechs Jahre auf den Philippinen. Hier engagiert sie sich für die Rechte von Ureinwohnern, ist in Pfarreien tätig und arbeitet in einem Schutzhaus für Frauen. Sie lernt, «Menschen in ihrem Schmerz anzunehmen». Damit sieht sie sich in den Fussstapfen ihres Ordensgründers: «Dominikus wollte den Menschen das Wort Gottes so nahe bringen, dass es sie betrifft.»

Zurück in Ilanz in der Schweiz in den Bergen lässt sich Schwester Monika Hüppi zur geistlichen Begleiterin ausbilden. Heute bietet sie Einkehrtage mit Meditation, Gebet und Gesprächen an. Auch für Einzelbegleitung kommen Menschen hierher, spirituelles Coaching sozusagen.

Vom Aussterben bedroht?

In den letzten Jahren sind in Ilanz keine Frauen mehr ins Kloster eingetreten. Die jüngsten Schwestern sind im Alter zwischen 50 und 60 Jahren. Schwester Monika gehört mit vier anderen Schwestern zum Generalrat, dem Leitungsteam der Ilanzer Dominikanerinnen.

Sie meint: «Es kann sein, dass wir aussterben oder nur mehr eine kleine Gemeinschaft übrigbleibt.» Sie kann sich vorstellen, dass Laien einmal die Aufgaben der Schwestern weiterführen. Bereits heute arbeiten rund 60 Angestellte im Kloster mit.

Die Schweizer Dominikanerinnen und Dominikaner feiern ihr Jubiläum individuell in den verschiedenen Gemeinschaften – zum Beispiel in Fribourg oder in Zürich. Zudem ist ein Wandertheater geplant. Es wird im Mai im Kloster Ilanz Premiere haben. Das Stück beginnt in der hellen Klosterkirche. Dann wandern die professionellen Schauspielerinnen und Schauspieler mit dem Publikum für weitere Szenen an verschiedene Orte im Kloster. Vergangenheit und Gegenwart des Ordens sollen sich so spielerisch verbinden. Dabei wird auch die Zukunft der Klöster und des Ordens ein Thema sein.

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