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Zoom-Bombing auf jüdische Online-Veranstaltung
Aus Kultur-Aktualität vom 26.01.2021.
abspielen. Laufzeit 03:53 Minuten.
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Angriffe im Netz Zoom-Bombing: Wenn Rechtsextreme das Online-Meeting attackieren

Bei einer Online-Veranstaltung der Jüdischen Liberalen Gemeinde in Zürich haben antisemitische Aktivisten das virtuelle Treffen mit Hitler-Fotos, pornografischen Szenen und anderen obszönen Darstellungen attackiert.

Wie solche Vorfälle vermieden werden können, erklärt Toralf Staud. Der deutsche Journalist und Autor hat ein Buch über Neonazis geschrieben und darin aufgezeigt, wie gut vernetzt die rechtsextreme Szene im Internet ist.

Toralf Staud

Toralf Staud

Journalist und Autor

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Toralf Staud studierte Journalistik und Philosophie in Leipzig und Edinburgh. Danach arbeitete er sieben Jahre lang als Politikredakteur bei der «Zeit» und war leitender Redakteur beim Portal «netz-gegen-nazis». 2012 wurde er mit dem Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus ausgezeichnet und erhielt 2016 den Deutschen Reporterpreis in der Kategorie Datenjournalismus. Heute ist er freier Journalist und Autor.

SRF: Herr Staud, wie beurteilen Sie die virtuelle Attacke auf die Online-Veranstaltung der Jüdischen Gemeinde?

Toralf Staud: Das war ein sehr ernst gemeinter Angriff – was aber leider nichts Neues ist. In Deutschland häufen sich solche Zoom-Bombing-Vorfälle derzeit.

Zoom-Bombing?

Genau. Ein Grossteil des sozialen Lebens findet ja seit gut einem Jahr virtuell statt. Das haben auch Rechtsextremisten und Neonazis gemerkt. Deshalb gehen sie jetzt dorthin, wo sie ihre Feinde und Feindbilder finden. Sie stören gezielt Online-Veranstaltungen, so wie jetzt in Zürich.

Im Internet können Angreifer mit geringem Risiko und grosser Wirkung attackieren.

Wie kann es denn sein, dass diese Neonazis überhaupt von der virtuellen Eröffnung dieses kleinen jüdischen Museums erfahren haben?

Sie lesen davon auf Facebook oder Twitter und durchforsten natürlich auch Zeitungen und andere Medien. In diesem konkreten Fall gab es zu dieser Veranstaltung eine Einladung mit Link zum Zoom-Meeting. Es war also ganz einfach, sich dort einzuwählen.

Grundsätzlich gibt es aber auch Foren im Internet, wo sich Rechtsextremisten treffen. Orte, wo sie sich austauschen, solche Einladungen weiterverbreiten und sich dann zum Stören verabreden.

Die Veranstalterin des Online-Events der Jüdischen Gemeinde sagte, dass sie vergeblich versucht habe, die Angreifer rauszuschmeissen. Es kamen aber immer mehr dazu.

Ja, im virtuellen Raum sind die Wege kurz. Die ganze Welt ist nur ein oder zwei Klicks entfernt. Deshalb halte ich es auch nicht für unwahrscheinlich, dass auch Neonazis aus anderen Ländern dort waren. Das ist ja der Vorteil von virtuellen Veranstaltungen: Man kann sich von überall zuschalten.

Ein offen zugänglicher Zoom-Link ist wie ein Treffen auf der Strasse: Es können auch unangenehme Leute vorbeikommen.

Die Täter des Zürcher Zoom-Bombings wurden bis heute nicht gefasst. Warum ist es so schwierig, solche Angreifer im Netz zur Rechenschaft zu ziehen?

Im Internet kann man anonym auftreten. Unter einem Pseudonym, über verschlüsselte Verbindungen oder über besondere Server. Das macht es extrem schwierig, einen realen Täter zu ermitteln.

Andererseits macht es das aber attraktiv für Täterinnen und Täter, dort aufzutreten. Sie können mit geringem Risiko und grosser Wirkung attackieren.

Was sind die wichtigsten Punkte, die ein Veranstalter beachten muss, um Zoom-Bombing zu verhindern?

Das Allerwichtigste ist, sich vorher zu überlegen: Würde ich diese Veranstaltung auch in der realen Welt an der Strassenecke stattfinden lassen? Denn ein offen zugänglicher Zoom-Link ist wie ein Treffen auf der Strasse: Es können auch unangenehme Leute vorbeikommen. Wer eine Veranstaltung plant, sollte sich also überlegen, ob er sie mit einem Passwort schützt.

Das Zweite ist, sich die Technik vorher genau anzuschauen und für das Meeting vielleicht auch Helferinnen und Helfer zu organisieren. So können Co-Moderatorinnen Leute stumm schalten, wenn etwas passiert.

Ausserdem sollte man sich darauf vorbereiten, so eine Störung im Falle eines Falles mitzuschneiden beziehungsweise aufzunehmen. So sichert man Beweismittel, die dabei helfen, den Attackierenden diese Volksverhetzung nachweisen zu können.

Das Gespräch führte Igor Basic.

SRF2 Kultur, Kultur Aktualität, 26.01.2021, 08:06 Uhr;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Bern  (AndyBern)
    Sollten auch angezeigt werden. Sowas ist straftat.. In Deutschland noch mehr als in der Schweiz weil dort als "sich einhäcken" gilt. Auch schon die Datenhaltung( von Adressen Bzw. Links" ) dann noch die Abhörung privater Gespräche un so weiter.. Anwalt konsultieren und Anzeigen: Damit Lehre-Erteilen
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  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    Genau so wie Kinder, die die Welt für sich nach und nach entdecken, bewegen sich auch unerfahrene Erwachsene in der neuen virtuellen Welt.

    Und genau so wie Kinder, müssen auch (internet-)"unreife" Erwachsene an die Hand genommen, und auf die Gefahren und Risiken der neuen Welt sensibilisiert werden.
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  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    Wenn man hört was es alles für extreme Foren und so weiter gibt, dann fragt man sich, wie "frei" darf das Internet denn sein? Nur schon in Sozialen Medien darf beinahe alles gepostet werden, ohne das jemals ein Gesetz oder ein Land strafen ausführen würde. Fragt sich wo das ganze noch hinführen soll. Nur schon der Pädophilen Ring ist ja riesig und da muss man nicht einmal ins Deep Web.
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    1. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Die Frage ist wohl weniger wo das hinführt, sondern wohl eher wie wir damit umgehen.
      Ich zähle da auf Selbstverantwortung und Bildung.
      Alles andere führt nach China ...
    2. Antwort von Kevin Schuler  (keves)
      Also Zensur/Verbot als einziger Lösungsansatz denke ich ist keine langfristige Lösung. Die Bedürfnisse sind ja weiter da, diese Menschen fühlen sich dann wohl einfach bevormundet und sie werden, noch wütender, auf andere Möglichkeiten ausweichen. Die sind ja auch nicht als Neonazis geboren. Akzeptanz für Ihr Weltbild (aufgrund Ihrer Vergangenheit), Eigenerfahrung, Integration und Bildung scheint mir da langfristig sinnvoller.