Eine spezielle Liebe Apostel Thomas und seine indischen Jünger

Sie gehören zu den ältesten der Welt: Die Thomas-Christen in Indien. Aber auch in der Schweiz gibt es Gläubige.

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Bilder zum Feiertag – Zum Fest des Heiligen Thomas

4:08 min, aus Bilder zum Feiertag vom 7.7.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Thomas-Christen gehen auf den Apostel Thomas zurück. Er missionierte in Indien ab 52 nach Christus.
  • Die Thomas-Christen gehören zu den ältesten christlichen Gemeinschaften der Welt. Ursprünglich wurden die Liturgien in Aramäisch vorgetragen, heute jedoch in Malayalam.
  • Auch in der Schweiz leben Thomas-Christen. Viele von ihnen gehören der syro-malabarischen Kirche in Kerala an. Zum Fest des Namenspatrons feierten jüngst 500 Gläubige.

Bunte Schirme, prächtiger Blumenschmuck, leuchtende Saris – die indischen Thomas-Christen bringen Farbe in die St. Laurentius Kirche von Winterthur. Sie stammen ursprünglich aus dem südindischen Kerala und feierten kürzlich das Fest des Heiligen Thomas.

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Christen in Indien

Derzeit leben in Indien etwa 28 Millionen Christen, das sind etwa 2,3 Prozent der Bevölkerung. Obwohl eine Minderheit, leisten sie durch ihre Schulen, karitativen und medizinischen Einrichtungen einen wichtigen Beitrag. Seit die hindu-nationalistischen Bewegungen erstarkt sind, kommt es in Indien vermehrt zu Ausschreitungen auch gegenüber Christen.

Christen seit 52 n. Christus

Dass in Indien christliche Gemeinschaften leben, die zu den ältesten der Welt gehören, ist weitgehend unbekannt. Dabei gibt es die Thomas-Christen schon seit dem ersten Jahrhundert nach Christus, also lange vor der Kolonialisierung des indischen Subkontinents durch die Europäer.

Ihr Glaubenspatron ist der Apostel Thomas, einer der zwölf Jünger von Jesus. Der Überlieferung nach landete der Apostel Thomas, nachdem er im Mittleren Osten missioniert hatte, im Jahr 52 nach Christus in Südindien.

Neue Gläubige und Märtyrertod

Dort, an der Westküste des heutigen Bundesstaates Kerala, gründete er die ersten sieben christlichen Gemeinden. Viele Hindus höherer Kaste fühlten sich von seinen Lehren angezogen und nahmen den neuen Glauben an.

Thomas reiste, das Evangelium verkündend, weiter und fand in der Nähe der Hauptstadt Chennai (vormals Madras) des benachbarten Bundesstaats Tamil Nadu im Jahr 72 den Märtyrertod. Hier soll sich auch sein ursprüngliches Grab befinden, das zu den grossen Wallfahrtsorten der indischen Christen zählt.

Liturgien aus dem 4. Jahrhundert

Die Thomas-Christen, die in Winterthur feierten, gehören der syro-malabarischen Kirche im indischen Kerala an. «Unsere Liturgie ist uralt und stammt aus dem 4. Jahrhundert», erklärt Pater Thomas Plappallil, der an der Feier dabei war.

Die religiösen Zeremonien wurden von der chaldäischen Kirche Syriens übernommen, die von den Jüngern des Apostels Thomas gegründet wurde. Syrisch, beziehungsweise Aramäisch, war lange Zeit die Liturgiesprache dieser Thomas-Christen.

Thomas-Christen widersetzten sich Rom

Lange Zeit setzten die indischen Thomas-Christen auch Bischöfe aus der ostsyrischen Kirche ein. Das änderte sich, als die Portugiesen im 16. Jahrhundert Teile Indiens kolonialisierten. Sie setzten ihre eigenen, europäischen Bischöfe ein und der Gottesdienst wurde immer mehr latinisiert.

Doch die indischen Christen begannen sich zu widersetzen. Sie wollten ihre eigenen Traditionen und ihre eigene Kultur weiterpflegen. Die Thomas-Christen spalteten sich in verschiedene Gruppierungen auf.

«In der Schweiz besteht eine christliche Gewissheit»

Die syro-malabarische Kirche blieb mit Rom verbunden, behielt aber ihren ostsyrischen Ritus bei und ihre Bischöfe sind aus Indien. Die Liturgie wird seit 1962 nicht mehr in Aramäisch, sondern in Malayalam, der Sprache Keralas, abgehalten.

Insgesamt gibt es etwa 6 Millionen indische Thomas-Christen. Im Bundesstaat Kerala gehören etwa 18 Prozent der Bewohner dem Christentum an. «Es ist eine sehr lebendige Gemeinde. Als Minderheit haben wir einen starken Zusammenhalt. Zusammen zu feiern, ist sehr wichtig», führt Pater Thomas Plappallil in einwandfreiem Deutsch aus. Er lebt seit zehn Jahren in der Schweiz.

Menschen laufen in einer Reihe mit bunten Schirmen in der Hand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bunt und prächtig: Prozession der Thomas-Christen in Winterthur. SRF

Auch wenn die Kirchen hierzulande nicht so gut besucht sind, hat er beobachtet: «In der Schweiz und in Europa besteht eine christliche Gewissheit. Der Boden ist immer noch christlich. Die christlichen Werte sind verinnerlicht, sie gehören zur Kultur.»

500 Gläubige in Winterthur

In der katholischen St. Laurentius Kirche in Winterthur versammeln sich indische Thomas-Christen aus der ganzen Schweiz. Gegen 500 Gläubige feiern den Namenstag ihres Glaubenspatrons mit einer fast zweistündigen Messe und einer farbenprächtigen Prozession.

Pater Thomas Plappallil: «Der Apostel Thomas war sehr mutig, er hat eine so weite Reise auf sich genommen, ist bis nach Indien gekommen, um für Jesus zu sterben. Deshalb haben wir eine spezielle Liebe zu diesem Apostel.»

Sendung: SRF 1, Bilder zum Feiertag, 7.7.2017, 22:20 Uhr.

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