Zum Inhalt springen
Inhalt

Aufarbeitung der Diktatur Ex-Diktator Franco soll exhumiert werden

Die Grabstätte des spanischen Ex-Diktators ist ein Pilgerort für Rechtsradikale. Das möchte die spanische Regierung ändern.

Gesammtansicht des Tales der Gefallenen, mit riesigem Kreuz und Kloster.
Legende: Ein Denkmal der Diktatur: Franco ist (noch) im Tal der Gefallenen oberhalb von Madrid begraben. Keystone

Das 150 Meter hohe und 40 Meter breite Kreuz thront weithin sichtbar auf den Felsen des Madrider Gebirges Sierra de Guadarrama. Darunter ist die Basilika, ein von Tausenden von Zwangsarbeitern in den Berg gehauener Stollen.

Diktator liegt neben seinen Opfern

In der Basilika liegen die Gebeine von 33’000 Opfern des Bürgerkriegs und der Repression des Regimes von Francisco Franco. Auch der Diktator wurde nach seinem Tod am 20. November 1975 hier bestattet.

Nun will Spaniens sozialistische Regierung aus dem Pilgerort für Francos Anhänger eine echte demokratische Gedenkstätte machen. Dazu passt das Grab des Diktators direkt neben dem Altar nicht.

Valle de los Caídos – Tal der Gefallenen

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
Gesammtansicht des Tales der Gefallenen
Legende:Keystone

Das Tal der Gefallenen wurde zwischen 1940 und 1959 von etwa 20'000 Zwangsarbeitern in den Bergen vor Madrid errichtet. Die 263 Meter lange Basilika ist ein in das Gebirge gehauener Stollen. In ihr wurden mehr als 33'000 Opfer von Bürgerkrieg und Repression bestattet. Auch das Grab des langjährigen Diktators befindet sich hier neben dem Altar.

Keine Demokratie könne sich Denkmäler erlauben, die zum Ruhm alter Diktatoren errichtet worden seien, begründete Regierungschef Pedro Sánchez den Plan. «Es wird bald geschehen. Unsere Demokratie soll Symbole haben, die die Bürger einen – keine, die sie trennen», erklärte er im Parlament.

Franco-Anhänger protestieren

Nicht jeder findet daran Gefallen. Mitte Juli demonstrierten knapp 1000 Anhänger Francos auf dem Vorplatz.

Sie sangen «Cara al Sol», die alte Hymne der faschistischen Falange-Partei und erhoben dazu den rechten Arm zum faschistischen Gruss. Das war nur wenige Tage vor dem 18. Juli, dem Jahrestag des Militärputsches Francos gegen die damalige spanische Republik im Jahr 1936.

Ein Mann demonstriert mit dem faschistischen Gruss gegen die Exhumierung von Diktator Franco.
Legende: Die Ewiggestrigen protestieren mit dem faschistischen Gruss gegen die Exhumierung Francos. Keystone

Santiago Cantera, Prior des Benediktinerklosters, das das gesamte Tal der Gefallenen verwaltet, kündigte an, er werde Spaniens Regierung wegen Störung der Totenruhe anzeigen, sollte sie Franco gegen den Willen seiner Familie exhumieren. Die Nachkommen des Diktators haben sich tatsächlich gegen die Pläne ausgesprochen.

Angehörige der Opfer begrüssen Pläne

Für die Angehörigen der Opfer Francos sind die faschistischen Kundgebungen, meist zum Jahrestag des Staatsstreichs Francos am 18. Juli und zu dessen Todestag am 20. November, schwer zu ertragen. Denn in dem Stollen liegen auch die Gebeine ihrer Angehörigen. Sie unterstützen die Regierungspläne.

Emilio Silva, Sprecher der «Vereinigung zur Wiedererlangung des historischen Erbes» und Enkel eines Repressionsopfers, glaubt nicht, dass die Exhumierung noch grössere Proteste auslösen würde. Die militanten Ewiggestrigen seien nicht so viele.

Vereinigung zur Wiedererlangung des Historischen Erbes

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die Asociación para la Recuperación de la Memoria Histórica, Link öffnet in einem neuen Fenster (Deutsch: Vereinigung zur Wiedererlangung des historischen Erbes) ist eine spanische Organisation, die verschwundene Opfer der Franco-Diktatur sucht. In der Organisation versammeln sich Archäologen, Anthropologen und Forensiker, denen es gelungen ist, mehrere Exekutionsorte und Massengräber der Franquisten in ganz Spanien ausfindig zu machen.

«Diese Demonstration im Juli war wie das letzte Selfie dieser Leute im letzten Schützengraben, den die Demokratie noch nicht für sich erobert hat», meint Silva.

Nachts vom Sockel gehoben

Er erinnert sich an die Demontage eines Reiterstandbilds Francos im Zentrum Madrids im Jahr 2005. Mitten in der Nacht wurde das Standbild auf einen Lastwagen verladen.

Ein Denkmal von Diktator Franco wird in Santander abgenommen.
Legende: Seit den 2000er-Jahren werden, wie hier in Santander, in ganz Spanien Franco-Denkmäler abmontiert. Keystone

«Es gab ein paar Tage Proteste, das war’s», erinnert sich Silva. Er vermutet, dass auch die Exhumierung im Tal der Gefallenen ohne Vorankündigung, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion durchgeführt werden wird.

Triumphale Architektur bleibt

Allerdings wird das nichts an der triumphalen Architektur ändern. Silva bezweifelt darum, dass an dieser Stelle ein echtes Gedenken an Bürgerkrieg und Diktatur möglich ist.

«Wir fordern seit Langem, dass der Ort von sich selbst erzählen soll», erklärt Silva. Von den mehr als 20'000 politischen Häftlingen, die gezwungen wurden, ihn zu errichten, von der Eröffnungszeremonie im Jahr 1959.

Wie lange steht das Kreuz noch?

Der spanische Historiker Nicolás Sánchez-Albornoz wünscht sich hingegen, man überliesse den Ort dem Zahn der Zeit. Er hat selbst 1948 als Zwangsarbeiter an der Errichtung mitgewirkt.

Riesiges Kreuz oberhalb von Madrid im Valle de los Caídos.
Legende: Diktatoren-Architektur: Konservieren oder sich selbst Überlassen? Keystone

Das 150 Meter hohe Kreuz pendele schon jetzt mehr als einen Meter von einer Seite zur anderen, sagt er. «Es ist durchaus möglich, dass es bei den heftigen Winden im Gebirge irgendwann umfällt», hofft der 92-jährige.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 31.07.2018, 06:50 Uhr.

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.