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Eliane Fankhauser: 90% Niederländerin, 10% Schweizerin
Aus Kontext vom 20.08.2020.
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AuslandschweizerInnen Wie Auslandschweizer ihre alte Heimat mitgestalten

Auslandschweizer wollen oder können nicht zurück in die Heimat. Die Geschicke der Schweiz aber wollen sie mitbestimmen.

«Es war ein Bauchgefühl. Bald habe ich gemerkt: Ich fühle mich so zu Hause in den Niederlanden, dass ich mir nicht vorstellen kann, zurück in die Schweiz zu gehen», erzählt Eliane Fankhauser. Sie kam vor zehn Jahren als Studentin in die Niederlande, studierte mehrstimmige Mittelaltermusik und wurde zu einer Expertin auf dem Gebiet.

Eliane Fankhauser ist eine von rund 771'000 Eidgenossinnen und Eidgenossen, die zurzeit im Ausland leben. «Mein Blick auf die Schweiz hat sich verändert – auf mehreren Ebenen. Das Land, die Natur, wie sauber die Schweiz ist. Wie gut alles funktioniert», sagt Fankhauser, die inzwischen als Projektleiterin in einem Software-Unternehmen arbeitet.

Aktuelle Zahlen zu Auslandschweizerinnen und -schweizern

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  • Ende 2019 lebte einer von 10 Schweizern im Ausland. Total: 770’900 Personen. Die «5. Schweiz» ist quasi der viertgrösste Kanton – hinter Zürich, Bern und dem Kanton Waadt.
  • Etwas mehr Frauen als Männer leben im Ausland.
  • Zwei Drittel der Auslandschweizerinnen haben sich in Europa niedergelassen: In Frankreich, Deutschland, Italien oder Grossbritannien.
  • 75% sind Mehrfachbürger.
  • Durchschnittsalter Männer: 40, Frauen: 45 Jahre.

Die Gründe, dass Menschen wie Eliane Fankhauser auswandern, sind vielfältig. Früher zogen die Engadiner Zuckerbäcker nach Italien, da es daheim keine Arbeit gab. Bauernfamilien fanden im 18. und 19. Jahrhundert in den USA in «New Bern» oder in «New Glarus» eine neue Existenz und Heimat.

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Zuckerbäcker: Vom Engadin nach Italien
Aus Einstein vom 27.12.2007.
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Heute werden die Auswandernden meist mit einem interessanten Job-Angebot ins Ausland gelockt, sagt Ariane Rustichelli, Geschäftsführerin des Auslandschweizer-Sekretariats mit Sitz in Bern.

Ist die Schweiz zu teuer?

Obwohl die meisten Auslandschweizerinnen im EU-Raum leben, sei momentan ein kleiner Trend Richtung Asien zu erkennen: «Einerseits aus beruflichen Gründen, aber es wandern auch Pensionierte aus, die ihr ganzes Leben lang in der Schweiz gelebt haben. Zum Beispiel nach Thailand – aus finanziellen Gründen und weil es dort viel Respekt für ältere Personen gibt.»

Finanzielle Gründe spielen auch für die (Nicht-)Rückkehr in die Schweiz eine wichtige Rolle: «Wenn man etwa im Sozialsystem eines EU-Landes eingetragen ist, kann das bei der Rückkehr in die Schweiz Probleme geben. Man hat eine Lücke in der Schweizer Versicherung und die Rückkehr ist finanziell nicht mehr interessant», erklärt Rustichelli.

Auch wenn sie aus verschiedenen Gründen nicht mehr zurück in die Schweiz wollen oder können: Am politischen Geschehen haben die Meisten Interesse.

Auch Eliane Fankhauser. Sie stimmt ab, informiert sich. «Weil ich mich immer noch zu zehn Prozent als Schweizerin fühle und weil es für mich die einzige Möglichkeit ist, am demokratischen Gedanken teilzuhaben. Ich fände es schade, wenn ich als Schweizer Bürgerin nicht Teil der Schweizer Demokratie wäre», sagt sie.

Stimmrecht erst seit 1966

Zurzeit sind rund 180'000 Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer stimm- und wahlberechtigt. Dies war jedoch nicht immer möglich.

Die Existenz der «Fünften Schweiz» wurde zwar am 16. Oktober 1966 in der Bundesverfassung verankert – im Artikel 45 (heute Auslandschweizer-Artikel 40). Das Aufenthalter-Stimmrecht trat aber erst Anfang 1977 in Kraft: Wer in der Heimat war, durfte an Wahlen und Abstimmungen teilnehmen. Das Stimm- und Wahlrecht aus dem Ausland per Brief folgte dann 1992.

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«Internationalrat» Tim Guldimann tritt zurück
Aus Tagesschau vom 19.02.2018.
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2015 wurde der erste Auslandschweizer in den Nationalrat gewählt: Diplomat Tim Guldimann mit Wohnsitz in Berlin. Doch bereits zwei Jahre später quittierte er seinen Dienst. Es sei schwierig, in einem Milieu zu leben und in einem anderen Milieu Politik zu machen, war seine Begründung für den vorzeitigen Rücktritt.

Aktuell ist kein Auslandschweizer und keine Auslandschweizerin im Parlament vertreten. Doch die Fünfte Schweiz nimmt politisch Einfluss über den Auslandschweizerrat – auch bekannt als «Das Parlament der Fünften Schweiz».

Die Fünfte Schweiz: Sendungsporträt

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Über 760'000 Schweizerinnen und Schweizer haben ihren festen Wohnsitz im Ausland. Sie leben in über 65 Ländern.
In dieser Sendung geben sie Auskunft über ihren Alltag. Es sind Menschen aus Schweizer Familien, Vereinen, Firmenvertreter, Mitarbeiterinnen von Hilfswerken, Angehörige von Botschaften und Konsulaten.
Sonntags um 11:40 Uhr auf Radio SRF 1

Befugnisse hat der Rat zwar keine, er ist eine Lobby-Organisation. 140 Personen zählt er. 20 davon sind Inland-Mitglieder, die auch im Schweizer Parlament vertreten sind. Die andern 120 leben im Ausland – verteilt auf alle fünf Kontinente.

Auslandschweizer sind weltoffener

Zum Beispiel Franz Muheim. Er ist in St. Gallen aufgewachsen, seine Hobbies sind typisch schweizerisch: Wandern, Velofahren und Schwingen. Seit 1999 lehrt und forscht der Professor für Teilchenphysik an der University of Edinburgh in Schottland. Daneben ist der im Vorstand der ASO – der Auslandschweizer Organisation – und seit sieben Jahren im Auslandschweizer-Rat.

Er kennt die Probleme und Eigenschaften der Fünften Schweiz. «Wir Auslandschweizer ticken ähnlich wie die Schweizer. Wir wählen auch ähnlich, mit einem Unterschied: Die Auslandschweizerinnen und -schweizer sind weltoffener. Das ergibt bei den Wahlen etwa eine zehnprozentige Verschiebung von der SVP hin zu SP oder den Grünen.»

Als wichtigstes Anliegen der Fünften Schweiz sieht er die geregelte Beziehung zu Europa. 63 Prozent der Auslandschweizer leben in der EU (inkl. Grossbritannien). Aktuell engagiert sich der Auslandschweizer-Rat ausserdem für eine möglichst solide und lückenlose Altersvorsorge für alle Auslandschweizer und einen lückenlosen Zugang zum Bankensystem.

Botschafter der Heimat

Doch man darf nicht vergessen: Das politische Engagement für die Schweiz ist nur eine Facette. Genauso wichtig ist für die ASO-Geschäftsführerin Ariane Rustichelli, dass sich die Auslandschweizer auch in ihrer Wahlheimat bemerkbar machen.

Sie ist überzeugt: «Die Schweizer im Ausland sind eine wichtige Komponente für die Schweiz. Sie haben ein riesiges Netzwerk und machen Werbung für die Schweizer Werte im Ausland.»

Auslandschweizer-Kongress verschoben

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Am Wochenende vom 21. bis 23. August 2020 hätten sich Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer zum alljährlichen Auslandschweizer-Kongress in Lugano getroffen. Wegen Corona wurde der Anlass um ein Jahr verschoben. Die geplante Diskussion «Was sind die Herausforderungen für unsere Demokratie?» mit dem Blick von aussen bleibt trotzdem aktuell.

https://www.aso.ch/de/angebote/auslandschweizer-kongress/kongress-2021, Link öffnet in einem neuen Fenster

Radio SRF 2 Kultur, 21.08.2020, 9:02 Uhr;

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Zitat Artikl.... «Mein Blick auf die Schweiz hat sich verändert – auf mehreren Ebenen. Das Land, die Natur, wie sauber die Schweiz ist....F.Nanni: was ich zusatzlich empfinde wenn ich HEIM gehe... ENGE... Enge... Enge... Ja ich wuerde gerne in die CH zurueck kommen... trotzdem,aber was mache ich da, ich bin alt... rumsitzen und kloenen??? Hier in SA habe ich einen riesengarten und arbeite mit meinen fast 80 noch jeden Tag auf der Farm/fuer die Farm...
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    1. Antwort von Mark R. Koller  (Mareko)
      An Franz Nanni "Aetti" (was für ein schöner Begriff, der wohl bald nicht mehr gebräuchlich sein wird): Ja, die Enge und das eng aufeinander gestapelt sein - alles ist in der Schweiz reguliert und bewilligungspflichtig. Selbst eine Pergola oder ein Gartenhäuschen auf eigenem Grundstück, dafür braucht es eine Baubewilligung und kostet Abgaben. Menschen sind nur bis etwa 50 Jahre akzeptiert, nachher stören sie mit zunehmendem Alter. Einen alten Baum soll man nicht verpflanzen ... Ihnen alles Gute !
  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Ende letzten Jahres bin ich ins zweitkleinste Kuchenstück der Graphik hin ausgewandert, nach Ozeanien. Hier in einem kleineren Südpazifik-Inselstaat fühle ich mich sehr wohl und glücklich, es gibt hier eine alte und sinnreiche Kultur und eine für mich angenehme und freie Lebensweise. In die Schweiz zurückzukehren will ich nicht und ich könnte mir ein Leben dort auch nicht leisten. Ob ich je vom Wahlrecht Gebrauch mache, weiss ich noch nicht, seit März gibt es hier keinen Flug- und Postverkehr.
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  • Kommentar von Javier López  (Javier López)
    Teil 2:

    Bevor Concetto Vecchio sein Buch veröffentlichte, bat seine Mutter ihn, nicht schlecht über die Schweiz zu schreiben. Da sie darauf beharrte, fragte Vecchio seine Mutter, weshalb ihr das so wichtig sei. Ihre Antwort: «Jetzt, da ich alt bin, bleibt mir von jener Zeit eine gute Erinnerung. Ich habe mich dort emanzipiert. Alles, was ich heute bin, habe ich in jenen Jahren gelernt. Wäre ich in meinem Dorf geblieben, hätte ich bloss eine dürftige Pension. Ist dir das klar, ja?»
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