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Aussergewöhnlicher Gewinner Bündner Kulturstiftung Origen erhält den Wakkerpreis 2018

Kreativer Umgang mit dem baulichen Erbe: Der Schweizer Heimatschutz zeichnet erstmals eine Kulturstiftung aus.

Dem Schweizer Heimatschutz gefällt, wie die Stiftung Origen das leer stehende Bauerbe in einer Randregion neu belebt und zeigt, welche wirtschaftlichen Potenziale im Alpenraum stecken.

Giovanni Netzer, Intendant des Origen-Kulturfestivals, vor seinem roten Theaterturm
Legende: Gerade im Moment ist ihm das Glück hold: Giovanni Netzer, Intendant des Origen-Kulturfestivals. Keystone

Doppeltes Glück

Giovanni Netzer, dem oft ein sanftes Lächeln auf den Lippen liegt, ist ein Glückspilz.

Kurz vor Weihnachten hat ihm die Bündner Regierung ein grosses Geschenk gemacht und entschieden, seinem Theaterfestival Origen Festival Cultural in Riom 800'000 Franken an geplante Infrastrukturprojekte zu zahlen.

Netzer will unter anderem das leer stehende Gemeindehaus in Riom in ein Festivalzentrum für Gäste, Künstler und Einheimische verwandeln.

Drei Wochen später doppelt der Schweizer Heimatschutz, Link öffnet in einem neuen Fenster nach und verleiht der Stiftung Nova Fundaziun Origen den begehrten Wakkerpreis.

Eine neue Perspektive

Im ersten Augenblick reibt man sich erstaunt die Augen. Man wundert sich, denn seit 1972 geht der Wakkerpreis an Gemeinden, die sich ehr- und redlich um die qualitätsvolle Entwicklung ihres Ortes kümmern.

2018 nutzt der Schweizer Heimatschutz nun aber die Gunst der Stunde. Er nimmt das Europäische Kulturerbejahr zum Anlass, sich einmal aus dem Korsett zu befreien, sich beim Jubeln nur auf Gemeinden zu konzentrieren.

Denn: Oft sind es gerade auch private Organisationen, die wacker mithelfen, das bauliche Erbe kreativ in eine Zukunft zu überführen.

«Die Stiftung und ihr Kulturfestival Origen geben dem gebauten Erbe und damit einem ganzen Dorf neue Perspektiven», schreibt der Heimatschutz denn auch in seiner Begründung für den überraschenden Entscheid.

Intendant Giavanni Netzer vor historischen Kostümen
Legende: Intendant Netzer will mit seinem Kostümfundus und den Werkstätten in eine Scheune umziehen und diese umnutzen. Keystone

Vitalisierung eines Dorfes

Und tatsächlich: Seit 2006 vitalisiert die Stiftung mit ihrem Kulturfestival Origen das 200-Seelen-Dorf Riom im Oberhalbstein.

Begonnen hat es mit der raffinierten Transformation der Burgruine am Dorfrand in einen Theaterraum, der allerdings nur im Sommer bespielbar ist.

Neue Meilensteine sind hinzugekommen: Aus einer riesigen Scheune wurde ein beheizbares Theater mit einer wunderbaren Atmosphäre.

Die palazzo-ähnliche Villa Carisch gleich daneben wurde sorgfältig saniert und dient als Theaterfoyer; das leer stehende Schulhaus nutzt die Stiftung für Büros und Proberäume.

Neue Umnutzungsprojekte wollen die Stiftung und Festivalintendant Giovanni Netzer anpacken: Das verwaiste Gemeindehaus soll ein Festivalzentrum werden, in einem leeren Stall soll eine Werkstatt für die Produktion der aufwändigen Kostüme entstehen.

Aufnahme des Dorfes Riom mit der Kirche im Zentrum
Legende: Das Theatertreiben belebt die 200-Seelen-Gemeinde Riom. Keystone

Überfluss an Räumen

Kurzum: Der Erfinder des Origen Festivals Cultural, Giovanni Netzer und sein Team erkennen, dass der alpine Raum mit Abwanderung kämpft und dass viele – auch historisch wertvolle – Gebäude leer stehen.

Während es in der Stadt an Räumen für die Kultur mangelt, herrscht in Bergregionen Überfluss.

Für Netzer und sein Team ist das eine Chance. Dabei nutzen sie das gebaute Erbe nicht nur als Kulisse, sondern sie füllen viele Gebäude in Riom mit neuem Leben.

Immerhin wohnen neun Festival-Mitarbeitende ganzjährig im Bergdorf. Während der Spielzeiten kommen 40 Praktikanten und Künstlerinnen dazu, die bis zu einem halben Jahr dort wohnen.

Modellhaftes Engagement

Dem Schweizer Heimatschutz gefällt diese sanfte und kreative Weiternutzung des Baubestandes und -erbes. Der Heimatschutz ist überzeugt, dass die Stiftung und das Kulturfestival Origen einen wichtigen Beitrag liefern für die Ortsentwicklung.

Dieses Engagement sei modellhaft und zeige, welche wirtschaftlichen Potenziale im Berggebiet auf ihre Aktivierung warten.

Vom Bergell bis Bern

Ob innovative Ortsplanung oder Schaffung einer eigenen Identität: Der Schweizer Heimatschutz verleiht den Wakkerpreis an politische Gemeinden bereits zum 44. Mal. Die Infografik zeigt, wer vor dem diesjährigen Sieger Rheinfelden bisher den Preis erhalten hat und warum.

Legende: Der Schweizer Heimatschutz vergibt jährlich den Wackker-Preis. Dieses Jahr bereits zum 46. Mal. heimatschutz.ch

Sendung: Radio SRF 4 News, Nachrichten, 08.01.2018, 10.30 Uhr

Wakkerpreis

Für den Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes kommen politische Gemeinden in Frage, die von der qualitativen Weiterentwicklung bis hin zur Gesamtbeurteilung überzeugen. Die detaillierten Angaben zu den insgesamt fünf Kriterien finden Sie hier.

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