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Die Geschichte der Sündenböcke: Ein Rundgang durch die Ausstellung im Landesmuseum
Aus Rendez-vous vom 14.03.2019.
abspielen. Laufzeit 4 Minuten 58 Sekunden.
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Ausstellung im Landesmuseum Jeder Sündenbock ist ein Opfer seiner Zeit

Die neue Ausstellung im Landesmuseum zeigt: Sündenböcke gibt es jederzeit und überall – von Jesus bis zum Mobbingopfer.

Um Rivalitäten, Eifersucht und Gewalt zu verhindern, sollen Gemeinschaften ihre Sünden nicht auf Menschen übertragen. Sondern auf einen Bock – und diesen Sündenbock in die Wüste treiben.

So empfiehlt es die Bibel, genauer: das dritte Buch Moses. Das erfährt man in der neuen Ausstellung «Sündenbock» im Landesmuseum Zürich.

Die Ausstellung

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Die Ausstellung «Sündenbock», Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen ist bis zum 30. Juni 2019 im Landesmuseum Zürich zu sehen.

Menschenopfer gegen die Krise

Das Phänomen ist noch älter als der Begriff: In Europa haben die Pfahlbauern ebenso wie die Kelten, Römer und Griechen Krisen durch Menschenopfer bewältigt.

Sie haben Jungfrauen dem Stier verfüttert, haben Männer kopfvoran in Brunnen ertränkt, haben Gladiatoren sich gegenseitig erschlagen lassen.

Eine Wand mit Totenköpfen
Legende: Unschuldslamm oder Sündenbock? Der Kopf einer Moorleiche aus Dänemark (200 n. Chr.). National Museum of Denmark, © Photo: Søren Greve

«Wir wollten eine Ausstellung machen über ein universelles Phänomen», sagt Marina Amstad vom Landesmuseum. «Über einen Mechanismus, der seit Beginn der Menschheit besteht und alle Kulturen, alle Menschen, zu allen Zeiten beeinflusst.»

Ein Wendepunkt: Jesus am Kreuz

Einer oder eine muss den Kopf hinhalten für die Probleme einer ganzen Gemeinschaft: Sei es, um die Götter zu besänftigen, die soziale Gruppe zu stärken oder Konflikte auf eine Person zu kanalisieren.

Dieser Art von kollektiver Gewaltanwendung wollten die jüdische und die christliche Religion einen Riegel schieben. Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein, sagte Jesus. Er wurde selber als Sündenbock gekreuzigt und als unschuldiges Opfer beweint.

Jesus am Kreuz.
Legende: Der bekannteste Sündenbock der christlichen Welt: Jesus. Hier eine Statue von Christus an der Geisselsäule aus dem Alpengebiet, 1697. © Landesmuseum Württemberg

Mit Jesus hätte der Mechanismus durchbrochen werden können, erklärt Marina Amstatt. «Dass das nicht funktioniert hat, merkt man im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit mit der Verfolgung von Hexen, Juden oder Ketzern durch die christliche Kirche.»

Die Guillotine richtet alle gleich

Eine deutliche Wende im Umgang mit Sündenböcken führte die Aufklärung herbei. Bisher rätselhafte Phänomene wie Seuchen konnten wissenschaftlich erklärt werden. Sie mussten niemandem mehr in die Schuhe geschoben werden.

Ein altes, illustriertes Buch.
Legende: Ein klassischer Sündenbock: Der «Ketzer» Jan Hus kommt auf den Scheiterhaufen, entschied das Konstanzer Konzil im 15. Jh. Schweizerisches Nationalmuseum

Das Gewaltmonopol ging an den souveränen Staat. Er urteilte nun über Schuld und vollzog die Strafe.

Dafür erfand der französische Arzt Joseph-Ignace Guillotine sein Fallbeil: Es tötete schmerzlos, schnell und alle Menschen gleich. Zuvor waren etwa Adlige mit dem Schwert hingerichtet und die Armen gehängt worden.

Guillotine
Legende: Ob adelig oder arm: Unter der Guillotine waren alle Menschen gleich. Schweizerisches Landesmuseum

Auch heute greift der Mechanismus

Und heute? Da ist die Gewalt vieler gegen Einzelne immer noch weit verbreitet. Zwar wird die Willkür nicht mehr so blutig zelebriert. Doch an ihrer brutalen Absicht hat sich wenig verändert.

Menschen, die sich in irgendeiner Form am Rand bewegen, werden ausgeschlossen, gedemütigt, verletzt, getötet.

Eindrücklich: der Blick ins heute

Dies wird im letzten Teil der sehr attraktiven und eindrücklichen, unbedingt sehenswerten Ausstellung erzählt. Da hängen 33 Kurzporträts von modernen Sündenböcken.

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Sündenbock
aus 100 Sekunden Wissen vom 22.05.2015.
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 37 Sekunden.

Das Spektrum reicht von Camilla Parker Bowles, der zweiten Ehefrau den englischen Prinzen Charles, über den sogenannten «Jahrhundertverräter» Jean-Louis Jeanmaire.

Von der Schülerin Amanda Todd, die im Internet ihre Brüste zeigte, massives Cybermobbing erlebte und sich schliesslich das Leben nahm. Bis zum Bangladeshi Kartik Chondro, der 2017 in Rom als «dreckiger Neger» beschimpft und verprügelt wurde.

Das 16-jährige Mädchen und der Mann aus Bangladesch wurden beide zu Sündenböcken gemacht. Damit sind sie nicht alleine: Sündenböcke haben heute noch immer Konjunktur.

Sendehinweis: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 15.3.2019, 6.50 Uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Olivier Wetli  ("nicht von dieser Welt")
    Es gibt einen einzigen Menschen welcher ohne Sünde war und sich freiwillig zum Sündenbock für Sünder machte und nur dieser konnte dabei Sünden wegnehmen: Jesus Christus. Der tierische Sündenbock, Asasel aus 3. Mose 16, konnte das nicht, stellte es aber im vorgeschatteten Bild auf den Herrn Jesus dar. Heute dürfen alle Menschen zurückblickend erkennen, dass ihre Sünden zeitlos bleiben, wenn sie nicht an DEN Sündenbock der für sie vor 2T Jahren gestorben ist glauben-zeitlos.
  • Kommentar von Andrea Müller  (Andrea Müller)
    Kleine Korrektur: Der Herr hiess Joseph-Ignace Guillotin. Die weibliche Endung wurde nur auf die Tötungsmaschine angewandt.
  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    So so und wer sind die Sündenböcke der heutigen Zeit, das scheint etwas veraltet!
    1. Antwort von Charles Dupond  (Egalite)
      Nur die Guillotine ist aus der Mode. Heute werden gewaltlose und kaum wirklichen Schaden stiftende Politiker, aber auch sich nicht ins Rampenlicht draengelnde Kleinbuerger mit den Lynchmob aufhetzenden SystemMassenMedien-Kampagnen um ihre berufliche, wirtschaftliche und soziale Existenz gekeult. Die fuer Partikularinteressen die Sicherheit, Gleichheit und Wohlfahrt von Buerger, Volk und Staat krass sabotierenden Marionetten des Geldadels aber selektiv verschwiegen oder abgewiegelt....
    2. Antwort von Heiner Zumbrunn  (Heiner Zumbrunn)
      Nein nicht wirklich: Zb aus der Sicht der SVP alle Politkern ausser die eigenen.