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Legende: Audio Der Bauer und die Berge abspielen. Laufzeit 03:54 Minuten.
Aus Kultur-Aktualität vom 04.04.2019.
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Ausstellung in Zürich Arbeitswelten am Rande des Abgrunds

Sehenswert: Eine Ausstellung über das Leben und Arbeiten im abschüssigen Gelände – in der Schweiz und im Himalaya.

Was haben die Schweiz und der Himalaya gemeinsam? Gefährliche Steilhänge – und Menschen, die sie unter extremen Umständen bewirtschaften.

In der Schweiz sind es die Wildheuer, die sich den Bergen aussetzen, im Himalaya Reisbauern. Zwei Lebensformen unter extremsten Umständen. Ihnen widmet das Völkerkundemuseum in Zürich die Ausstellung «ZuHören im Steilhang».

Futter muss her

Eine Kuh frisst drei Tonnen Heu pro Winter – ob sie in den Bergen lebt oder im Flachland. Und dieses Gras muss zuerst gemäht werden. In einigen Schweizer Regionen machen das Wildheuer, die es aus fast senkrecht abfallenden Wänden ins Tal schaffen.

Ebenso steil sind die Berghänge im Himalaya. Dort wird das Grundnahrungsmittel Reis angepflanzt – im arbeitsaufwändigen Brandrodungsfeldbau.

Eine Naga-Frau beim Rechen eines  frisch geschwendeten Feldes.
Legende: Eine Naga-Bäuerin beim Rechen eines frisch geschwendeten Feldes. Rebekka Sutter

Es sind eigentlich zwei Ausstellungen, die im Zürcher Völkerkundemuseum gezeigt werden: eine mit Objekten und eine mit Klängen und Erzählungen aus der Schweizer Bergwelt und dem Himalaya. Alles, was im Museum gezeigt wird, findet in einer Umgebung von Klängen und Gerüchen statt.

Gerüche und Klänge

Die Ethnologin Rebekka Sutter, die vier Jahre in China, Myanmar und bei den Naga in Indien zur Steilhangbewirtschaftung geforscht hat, sagt: «Wenn ich in Asien in der Feldforschung war, ist die Schweiz mitgereist. Ich habe dann sehr oft an die Altenalp in Appenzell gedacht, wo ich als Kind viel Zeit verbracht habe.»

Diese Erinnerungen seien mit Gerüchen und Klängen verbunden. «In meinem Kopf stehen diese beiden Welten direkt nebeneinander. Die Altenalp grenzt an Nagaland.»

Ähnliche Herausforderungen

Der steile Hang und die raue Umwelt ist etwas, was die Menschen im Appenzell wie im Himalaya vor gleiche Herausforderungen stellt. Je nach Ort finden sie andere Lösungen.

Alois Langenegger legt einen Ärfel Heu auf das vorbereitete Heunetz.
Legende: Alois Langenegger legt einen Ärfel Heu auf das vorbereitete Heunetz. UZH/ Sabine Weiss

Prägend ist die Landschaft etwa in der Art, wie ihre Bewohner Werkzeuge herstellen oder wie sie sich bewegen.

Die absoluten Blickfänger in der kleinen Ausstellung sind 28 Sensen. In einer Reihe hängen sie nebeneinander – doch keine ist gleich wie die andere.

Aufschlussreich sind die regionalen Bezeichnungen der Sensen, erklärt Ausstellungsmacherin Sutter: ein Luzerner «Schräg», ein Berner «Krumm» oder ein Berner «Halbkrumm».

Eine Innenansicht der Ausstellung.
Legende: Highlight der Ausstellung sind die Sensen. UZH/ Thomas Kaiser

Die Sense ist ein zentrales Arbeitsinstrument: Sie muss genau richtig in der Hand liegen und zu den Begebenheiten einer Landschaft passen. Deswegen wurden sie regional über Jahrhunderte optimiert: ein scheinbar einfaches, aber hochdurchdachtes Instrument.

Wenn man das verstanden hat, eröffnet sich plötzlich eine faszinierende Welt – voll mit sehr spezifischem Fachwissen.

Ausstellungsmacherin Sutter hofft deshalb, dass man auch die einfach aussehenden Hackmesser aus dem Nagaland plötzlich mit ganz anderen Augen anschaut.

Ausstellungshinweis

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«ZuHören im Steilhang, Link öffnet in einem neuen Fenster – Körper, Ding und Klang in der Schweiz und im Himalaya». Eine Ausstellung im Völkerkundemuseum Zürich, vom 31. März – 19. Januar 2020.