Zum Inhalt springen

Header

Audio
Ein Besuch der Ausstellung «Modern Living»
Aus Kultur-Aktualität vom 17.06.2020.
abspielen. Laufzeit 04:03 Minuten.
Inhalt

Ausstellung «Modern Living» Warum das Einfamilienhaus nie aus der Mode kam

Auch heute träumen viele von einem Eigenheim. Wieso eigentlich? Eine Ausstellung in Basel geht dem Phänomen auf die Spur und zeigt, wie unsere Liebe zum Einfamilienhaus begann – und nicht abbricht.

Jeder vierte Schweizer wohnt in einem: Einem Einfamilienhaus. Diese haben jedoch nicht unbedingt den Ruf des Innovativen.

Doch für die architektonische Entwicklung und für unser Verständnis von Raum seien sie wichtig, sagen die Ausstellungsmacher Michael Hanak und Klaus Spechtenhauser. Deshalb machten sich die beiden in der Region Basel auf die Suche nach architektonisch wertvollen Eigenheimen.

Die frühen Häuser setzten Massstäbe

Gefunden haben sie sechs Häuser, gebaut in der Zeit des Eigenheim-Booms zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren. Alle von verschiedenen Bauherren und Architekten, aber mit ähnlichen gestalterischen Qualitäten.

ein schwarz-weiss Foto eines einstöckigen Hauses
Legende: Präzise Formen, klaren Linien und eine moderne Gestaltung zeichnen dieses Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren aus. (Architekten: Suter & Suter) Peter Heman. SWA, PA 510, Suter & Suter © Nachlass Peter Heman (Peter Röllin)

Michael Hanak, Kurator der Ausstellung, nennt die Wichtigsten: «Eine wichtige Qualität ist die Verbindung zwischen dem Inneren und Äusseren. Zudem der offene Grundriss im Innern: Wie ist die Verbindung der Räume? Wird einfach ein Zimmer nach dem anderen aufgereiht – oder sind die Übergänge fliessend mit Schiebe- oder Glastüren gestaltet?».

Es sind Qualitäten, die heute nicht nur in Einfamilienhäusern Standard sind. Eine zum Wohnbereich offene Küche hat es fast in jedem Wohnungsneubau. Auch die Verbindung zum Aussenbereich ist wichtig: Kein neues Objekt kommt ohne Balkon aus.

Mitten im fremden Haus

Die Ausstellung «Modern Living» versucht, dieses Wohnerlebnis mit den funktional konzipierten Grundrissen erlebbar zu machen. Neben vielen Fotografien sind grosse Fototapeten aufgezogen. So haben Besucher das Gefühl, in einem dieser Häuser Platz zu nehmen.

Ausstellungshinweis

Die Ausstellung «Modern Living», Link öffnet in einem neuen Fenster ist im Basler Museum Kleines Klingental noch bis am 14. März 2021 zu sehen. Sobald es die Corona-Situation zulässt, wird es auch Führungen und Gespräche mit den Hausbesitzern geben.

Dabei hilft die kleinräumige Aufteilung in den alten Museumsmauern. Fast jedes Einfamilienhaus wird in einem separaten Ausstellungsraum vorgestellt. Die Häuser, die ausgewählt wurden, sind alle frei stehend: manche einstöckige Bungalows, andere zweistöckig. Die meisten verfügen über ein Flachdach.

ein schwarz-weiss Foto eines Hauses mit einem Trapez-Dach
Legende: Das auffälligste Dach in Hégenheim (Frankreich): Die Konstruktion stammt von Ingenieur Heinz Hossdorf. (Architekten: Felix Schwarz, Rolf Gutmann, Haus Vischer) Alexander von Steiger

Eines hat gar ein extravagantes Dach in Form eins gedrehten Trapezes. Allesamt sind sie avantgardistische Zeitzeugen der 1950er- bis 1970er-Jahre, mit grosszügigen Grundrissen und grossen Fenstern.

Vorreiter USA

Neben den Basler Häusern dokumentiert die Ausstellung in einem Raum mit Musik, Bildschirmen und Büchern auch Eigenheime aus dem Ausland. Zahlreiche Häuser stehen in den USA – damals ein Vorbild im Einfamilienhaus-Bau.

«Die USA waren sicher eine ganz wichtige Referenz für viele junge Architekten nach dem Zweiten Weltkrieg», sagt Kurator Michael Hanak. «Viele wollten dort Erfahrungen sammeln und bauen. Sie gingen direkt vom Studium in der Schweiz in die USA.»

Private Häuser im Rampenlicht

Die Häuser, die die Ausstellung zeigt, sind alle in Privatbesitz. Man brauchte die Einwilligung der Hausbesitzer und auch ihr Zutun, um die Ausstellung zu ermöglichen – mit Plänen, Bildern und Hintergrundgeschichten.

ein schwarz-weiss Foto von einem quadratischen Haus am Hang
Legende: Das Haus am Hang: Dieses Einfamilienhaus in Münchenstein (BL) fällt auf. (Architekten: Walter Wurster, Hans Ulrich Huggel) Peter Moeschlin. StABS, BSL 1022 KA 1909 1

Man sei auf Wohlwollen gestossen, erzählt der andere Kurator, Klaus Spechtenhauser. «Viele waren begeistert, dass sich jemand für ihre Bauten interessiert. Wir haben gemerkt, dass dies Leute sind, die oft über Jahrzehnte sehr gut gewohnt haben – und die die Qualität ihrer Häuser sehr schätzen.»

Die Zukunft dieser Häuser liegt den Ausstellungsmachern und den Besitzerinnen am Herzen. Jetzt gilt es, diese Häuser umsichtig zu renovieren und energetisch zu sanieren. Auch das thematisiert die Ausstellung.

Eine schwarz-weisse Luftaufnahme eines Dorfes.
Legende: Immer mehr Verdichtung: Flugaufnahme von Riehen (BS) aus den 1970er-Jahren. Swissair Photo AG. ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz

Wie sehen die Ausstellungsmacher Eigenheime in der heutigen Zeit, in der verdichtetes Bauen gefragt ist? Ist es ein Auslaufmodell, insbesondere für anspruchsvolle Architektur?

Nein, sagt Klaus Spechtenhauser. «Es gibt auch heute noch herausragende Einfamilienhäuser – wenn das entsprechende Bewusstsein und Architekten da sind, die nicht einfach irgendwelche Auflagen erfüllen, sondern auch entwerferische Ambitionen haben.»

Gute Einfamilienhaus-Architektur ist also auch heute möglich. Aber es braucht Mut.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 16.06.2020, 17:20 Uhr;

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Traumimmobilie Einfamilienhaus

    Eine qualitativ hochwertige Verdichtung der Besiedlung ist zu begrüssen und entspricht auch den Vorlieben der urban gesinnten Leute. Es gibt aber einen grossen Bevölkerungsanteil, der gerne sein „Hüsli mit Garten“ hat, ob das nun den Architekten und Stadtplanern passt oder nicht. Den Individualisten in den Einfamilienhäusern wird allerdings ihr Individualismus bald durch die Mehrheit der dicht Wohnenden via raumplanerische Entscheide ausgetrieben werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Toni Koller  (Tonik)
      Hüsli mit Garten sind schön - aber leider brauchen sie zuviel Platz. Die Raumplanung muss der weiteren Ausdehnung des Siedlungsbreis Einhalt gebieten. Bestehende Zonen für tolle (und leider zumeist nicht so tolle)
      Einfamilienhäuser gibt es immer noch genug.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen