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Heute vor 133 Jahren: Erste Autofernfahrt
Aus Tageschronik vom 05.08.2021.
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Autopionierin Bertha Benz Die verbotene Ausfahrt, die dem Auto zum Durchbruch verhalf

Vor 133 Jahren unternahm Bertha Benz die erste Langstreckenfahrt in einem Auto. So machte sie die neue Erfindung ihres Ehemannes bekannt.

«Oh je, wieder nur ein Mädchen», soll der Vater geseufzt haben, als Bertha Cäcilie das Licht der Welt erblickte. Dem Bauunternehmer wäre ein Knabe in seinem Baugeschäft lieber gewesen.

Doch Bertha wurde bald schon Papas Liebling, denn sie interessierte sich weniger für Puppen und Strickwaren, sondern war an Technischem interessiert, etwa an den neuartigen Dampfmaschinen.

Begegnung mit Carl Benz

Auf einem Kutschenausflug mit der Mutter begegnete sie einem jungen Mann, der sich als Carl Benz, Ingenieur und Erfinder, vorstellte. Die junge Frau verliebte sich in den Tüftler, der fest davon überzeugt war, dass Pferdekutschen bald der Vergangenheit angehören würden.

Bertha und Carl Benz heirateten. Die Mitgift aus dem Baugeschäft half der Erfinderwerkstatt des Ehemanns über manche finanzielle Krise hinweg.

Legende: Abenteuerlustig und technikbegeistert: Bertha Benz trug massgeblich zum Erfolg des Automobils bei. Wikimedia / Automuseum Dr. Carl Benz, Ladenburg

Folgenreiche Werbetour

Das erste von Benz patentierte Auto, mehr ein aufgemotztes Velo, verkaufte sich nicht nach Wunsch. Zudem machten Carl Benz die Pferdekutscher, die um ihre Zukunft bangten, das Leben schwer. Das Auto durfte wegen ihren Interventionen nur auf dem Fabrikgelände fahren.

Dafür sorgten am Werktag Polizisten, die das Gelände bewachten. Am Sonntag war aber auch für die Polizisten Sonntag: Das nutzte Bertha Benz am 5. August 1888 zu einem verbotenen Autoausflug und einer dringend nötigen Werbeaktion.

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Wie Carl Benz das erste Auto erfand
02:34 min, aus 100 Sekunden Wissen vom 29.01.2011.
abspielen. Laufzeit 02:34 Minuten.

Benzin aus der Apotheke

Bertha Benz fuhr ohne Wissen des Ehemannes frühmorgens mit den beiden Söhnen zur Schwester: Die Strecke von Mannheim nach Pforzheim geht über 106 Kilometer - eine für damalige Verhältnisse riesige Strecke, natürlich auf Naturstrassen.

Das Abenteuer drohte schon nach wenigen Kilometern zu enden, denn das Kühlwasser war verdampft. Glücklicherweise fand sich ein Brunnen und das Problem war vorläufig gelöst.

Schon bald ging dem borstigen Motor aber der Treibstoff aus. Tankstellen gab es natürlich noch keine, also schoben die drei das Dreirad ins nächste Dorf und kauften in einer Apotheke den gesamten Vorrat an Reinigungsbenzin auf. Damit liess sich vorläufig weiterfahren und der Stadt-Apotheker von Wiesloch wurde zum ersten Tankwart der Geschichte.

Gefährliches Auf und Ab

Kilometer um Kilometer zuckelten Bertha Benz und ihre beiden Söhne weiter von Brunnen zu Brunnen, von Apotheke zu Apotheke, von Panne zu Panne. Einmal war die Benzinzufuhr verstopft, also nahm Bertha Benz die Hutnadel von der Kopfbedeckung und löste die Verstopfung.

Ein paar Kilometer später war ein Kabel durchgescheuert und verursachte einen Kurzschluss. Die Isolierung wurde kurzerhand mit einem Strumpfband ersetzt. An einem Hügel war der Motor zu schwach, da half nur noch stossen. Auf der anderen Seite waren die Bremsen zu schwach, da half wohl nur noch Beten.

Legende: Historische Darstellung des Benz Patent-Motorwagen Nr. 3, mit dem Bertha Benz ihren Ausflug machte. IMAGO / H. Tschanz-Hofmann

Der Anfang des Aufstiegs

Doch die Fahrt gelang. Das Benz-Auto hatte seinen ersten Langstrecken-Test bestanden und Erfinder Carl fasste neue Energie.

Elf Jahre später waren 430 Angestellte bei Benz & Cie. damit beschäftigt, Autos in Serie zu produzieren – vierrädrige, richtige Autos. Um 1900 war die Firma die grösste Autoproduzentin in der Welt. Eigentlich dank Bertha Benz, einer Hutnadel, einem Strumpfband und unzähligen Dorfbrunnen.

Radio SRF 4 News, Tageschronik, 5.8.2021, 09:17 Uhr;

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus Schüpbach  (Echolot)
    Schöner, unterhaltsamer Artikel, danke!
    Allerdings wirft er für mich Fragen an die Gendersternli-Fans in der SRF-Redaktion auf:
    Da steht nämlich "...doch Bertha wurde bald schon Papas Liebling".
    Eine Frau DER Liebling? Ganz übel!!!
    Könnte man dem nicht mit allerhand Sonderzeichen die sexistische Penetranz nehmen, oder soll ich als Notbehelf einfach beim Durchlesen einen gedanklichen Glottisschlag einbauen?
  • Kommentar von Robert Frei  (RFrei)
    Diese Legende hat aber eine Fortsetzung, so gelesen in einer Bordlektüre der Swissair vor vilenen Jahren. Angekommen in Pforzheim stellte es sich heraus, dass die Schwester gar nicht zu Hause war, womit die Unnützlickeit dieses neuen Dings unter Beweis gestellt war. Ob's wahr ist, ist aber eine andere Frage. Diese kritische Betrachtung des Nutzens verdient aber auch heute noch mehr als ein Schmunzeln.
  • Kommentar von Hannes Remseder  (Remseder)
    Mann, schon wieder so schlechtes Deutsch auf SRF. Der letzte Paragraph wär doch bei keiner Deutschmatur durchgegangen. Wo lest ihr eure Schreiber auf?! Schande für DAS staatliche Nachrichtenorgan.
    1. Antwort von Esther Jordi  (ejejej)
      Herr Remseder, wenn Sie nicht konkret die Fehler aufzeigen, wird das leider weder verstanden noch korrigiert. Ich bemängle die sprachliche Qualität ja immer mal wieder, aber dann werde ich vielfach als "Tüpflischisser" abqualifiziert. Übrigens, ein Minimum an Deutschkenntnissen sollte in gewissen Berufen/Funktionen auch ohne Maturaprüfung erwartet werden dürfen.
    2. Antwort von Jaro Bels  (Gotod)
      So eine geniale Geschichte, die zu lesen einen endlich wieder einmal glücklich macht und Sie befassen sich mit Gramatik. Herzlichen Mitleid.
    3. Antwort von Jürgen Bader  (iPocrates)
      Die Präposition „dank“ kann mit Genitiv oder Dativ verbunden werden. Beides gilt standardsprachlich als korrekt: dank unzähliger Dorfbrunnen wäre also nicht korrekter, höchstens stilistisch eleganter.
    4. Antwort von Jürgen Bader  (iPocrates)
      Aber „Autoproduzentin“ im Satz davor könnte man gerne noch korrigieren.
    5. Antwort von SRF Kultur editor
      @Jürgen Bader Danke für den Hinweis