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Als Journalistin und Bloggerin auf einer Todesliste
Aus Kontext vom 04.02.2020.
abspielen. Laufzeit 15:14 Minuten.
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Bedrohte Journalistin «Ein Leben mit Polizeischutz ist kein normales Leben»

Sie schrieb kritische Artikel und wurde in ihrer Heimat dafür mit dem Tod bedroht. Nun lebt die junge Bangladescherin Shammi Haque im Exil und kämpft weiter.

«Als mein Name mit Foto auf der Todesliste stand, wusste ich: Ich muss weg.» Die 26-jährige Journalistin Shammi Haque hat vor zwei Jahren Bangladesch verlassen und ist ins Exil nach Deutschland geflüchtet.

Wie viele andere junge Frauen in ihrer Heimat hat Shammi Haque Journalismus studiert. Doch dies bedeute nicht, dass sie den Beruf später auch ausüben könne, sagt sie.

Ein Porträt der jungen Bangladescherin Shammi Haque.
Legende: Musste aus ihrer Heimat fliehen, weil sie sich für Frauenrechte einsetzte: die Bangladescherin Shammi Haque. Munir Uz Zaman / AFP

«Der Frauenanteil in dieser Branche beträgt gerade einmal zehn Prozent», sagt Haque. Erstaunlich sei das nicht, denn das Land sei sehr patriarchalisch geprägt. «Das öffentliche Leben wird von Männern dominiert. Sie sehen es nicht gern, wenn Frauen erwerbstätig und allein unterwegs sind.»

Schreibend das Schweigen brechen

Shammi Haque beginnt bereits während des Studiums zu schreiben. Sie publiziert auf Facebook kritische Artikel zu politischen Themen. Ohne Religions- und Pressefreiheit gebe es keine Demokratie, sagt sie.

Sie schildert ihren Alltag als junge Frau. Allein unterwegs in einer Stadt? Das sei ein Problem. «Ich wurde in öffentlichen Verkehrsmitteln fast jeden Tag von Männern sexuell belästigt», sagt Haque.

Doch niemand rede darüber, auch die Frauen nicht. Haque bricht in ihrem Blog das Schweigen: «Das ist mir heute im Bus passiert. Ich weiss, dass euch das im Bus auch passiert. Ihr solltet darüber schreiben.»

Zur Ermordung ausgeschrieben

Die junge Frau engagiert sich auch auf der Strasse. Sie organisiert Konzerte und Kundgebungen gegen sexuelle Gewalt. Die kritische Community umfasse ein paar hundert Leute, sagt die Journalistin.

Ihre Aktivitäten werden 2014 jäh gestoppt: Sechs Blogger, die sie kennt, werden von Islamisten getötet. Auch ihr Name steht auf einer Todesliste, die Islamisten an eine Tageszeitung schicken und die vom Blatt unkommentiert übernommen wird.

Im August 2015 wird ein Freund von ihr ermordet. Sie selbst gerät in Gefahr. «Zwei Männer haben mich verfolgt. Ich ging zur Polizei. Ich habe dort zwar Unterstützung bekommen, aber ein Leben mit Polizeischutz ist kein normales Leben», erzählt Haque. «Schliesslich hat auch meine Mutter mich gedrängt, das Land zu verlassen.»

Hilfe aus Deutschland

Haque erhält Hilfe von der Nichtregierungsorganisation «Reporter ohne Grenzen» und der deutschen Botschaft in Bangladesch. Sie kann in Europa ein neues Leben anfangen. In Berlin setzt sie ihre Ausbildung fort, besucht die Axel-Springer-Akademie und absolviert Praktika. Zunächst bei der Berliner Tageszeitung «taz» und nun bei der «Bild»-Zeitung. Dafür ist sie dankbar.

Schutz, Vorsicht, Unbehagen

Trotzdem ist sie in einer schwierigen Situation. Als Geflüchtete ist sie in ihrer Reisefreiheit eingeschränkt, was das journalistische Arbeiten erschwert.

Kommt dazu, dass sie sich auch hier schützen muss. Sobald sie kritische Artikel in ihrer Muttersprache Bangla veröffentlicht, melden sich auch in Deutschland islamistische Bangladeschi zu Wort.

«Ich lade nie jemanden spontan zu mir nach Hause ein», sagt Haque. Wenn sie jemanden treffe, dann nur an einem öffentlichen Ort, an dem es viele andere Menschen gibt. «Auch solche Begegnungen wage ich nur nach einer ausgiebigen journalistischen Recherche», sagt Shammi Haque. Die Gefahr, dass ihr Leben bedroht ist, bleibt für sie auch in Deutschland real.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Pierre De Laval  (Petros74)
    Das nenne ich eine Mutige und wahre „Feministin“! Und nicht jene welche sich z.B. über zu wenig Frauen Quoten in Politik und Wirtschaft ärgern..

    Shammi Haque leistet einen wichtigen und wertvollen Beitrag für die ganze Gesellschaft - unsere Feministinnen hierzulande fassen keine heissen Eisen an und kümmern sich lediglich um „Peanuts“...
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    1. Antwort von Andreas Meier  (Epikur)
      Sie sagen es. Diese mutige Frau allein leistet wohl mehr Aufklärungs- und Polit-Arbeit für das Thema, und gibt vor allem ein tausend mal besseres u. glaubwürdigeres Beispiel ab, als unser gesamter Gleichstellungsapparat. Etwas demonstrieren, ein bisschen Fakten mit Wunschdenken vermischen, und vor allem allen anderen die Schuld geben am eigenen Unvermögen. Und: "Gleichberechtigung" bitte nur bei lukrativen Chef-Posten, nicht bei Plättlilegern oder Dachdeckern. Luxus-Feminismus à la carte.
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