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Alois Hitler Biografie_Kultur Online
Aus Kultur-Aktualität vom 24.02.2021.
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Biografie über Hitlers Vater Briefe geben intime Einblicke ins Familienleben Hitlers

Die Biografie Alois Hitlers gibt intime Einblicke in die Familiengeschichte – und zeigt, wie sein Sohn Adolf zum Diktator wurde.

Alois Hitler, der Vater von Adolf Hitler, war alles andere als ein Sympathiebolzen. Streng, pedant und sehr unzugänglich, erinnerten sich Arbeitskollegen Jahre nach dem Tod Alois Hitlers 1903. Eindrücke, die der Historiker Roman Sandgruber in der Biografie Alois Hitlers offenbart.


Auch Adolf Hitler zeichnet darin ein Bild eines cholerischen Vaters: «Ich habe ihn nicht geliebt, dafür aber umso mehr gefürchtet. Er war jähzornig und schlug sofort zu.»

Buchhinweis

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Roman Sandgruber: «Hitlers Vater – Wie der Sohn zum Diktator wurde». Molden-Verlag, 2021.

Pfeife rauchen, Bienen züchten, Kinder schlagen

Der Linzer Historiker Roman Sandgruber – ein profunder Kenner der Hitlerschen Familiengeschichte – bemüht sich in seiner Biografie um eine differenzierte Sicht auf Alois Hitler. Dieser stammt, als unehelicher Sohn einer niederösterreichischen Magd, aus armen Verhältnissen. Trotzdem schaffte er eine beachtliche Karriere im österreichischen Staatsdienst.

Legende: Ein Briefwechsel von Alois Hitler offenbart intime Familieneinblicke. Getty Images / Gamma-Keystone

Die meisten Aussagen über den «alten Hitler» seien recht klischeehaft, resümiert Sandgruber: Pfeife rauchen, im Wirtshaus sitzen, Bienen züchten, Kinder schlagen. Aber mit diesen Klischeebildern allein wird man dem Vater des Diktators nicht gerecht.

Intime Einblicke der Familie Hitler

Das Spektakuläre am Buch: Der Geschichtswissenschaftler kann sich auf eine Reihe neuer Quellen stützen. Darunter ein Bündel von über 30 Originalbriefen, die der alte Hitler 1895 im Zuge eines Hauskaufs an den oberösterreichischen Strassenmeister Josef Radlegger geschrieben hat.

Durch das Briefbündel, das die Zeiten auf einem Dachboden in der oberösterreichischen Marktgemeinde Wallern überdauert hat, werden intime Einblicke publik. So zum Beispiel die finanziellen Verhältnisse der Familie Hitler.

Anderen Menschen überlegen

Besonders aus der Zeit vor 1914 füllen die Briefe Hitlers Wissenslücken: «Da schreibt ein korrekter und im schriftlichen Ausdruck äusserst gewandter Mensch», analysiert Sandgruber. Alois Hitler sei jemand gewesen, der stolz auf seine Bildung war, der aber doch auch eine gewisse Überheblichkeit an den Tag legt, so Sandgruber. Hitler fühlte sich anderen Menschen überlegen.

Eine Eigenschaft, die Alois Hitler mit seinem Sohn geteilt hat. Politisch sei der ehemalige Zollbeamte eine kuriose Mischung: Alois Hitler verstand sich als stramm deutschnational, gleichzeitig sei er auch durch und durch Habsburg-treu. Ein Bewunderer Bismarcks und ein Verehrer Kaiser Franz Josephs gleichzeitig – ein bemerkenswerter Selbstwiderspruch.

Legende: Klassenfoto der vierten Volksschulklasse Leonding (1899/1900), Adolf Hitler in der obersten Reihe in der Mitte. ÖSTERREICHISCHE NATIONALBIBLIOTHEK

Adolf Hitlers Kindheit und Jugend

In Roman Sandgrubers Biographie des «alten Hitler», die zugleich eine Kindheits- und Jugendbiographie Adolfs ist, wird eines ganz besonders deutlich: Die NS-Ideologie hat sich Adolf bereits als Kind und Jugendlicher in Oberösterreich angeeignet. Dazu gehören völkisch-imperialistische Ideen ebenso wie radikal antidemokratische, antisozialistische und antiklerikale Vorstellungen.


Sandgrubers Studie zeigt: Der Nationalsozialismus kam nicht aus dem Nichts. Das gilt für den Werdegang Adolf Hitlers genauso wie für die Biographien zweier anderer berüchtigter NS-Verbrecher. Auch sie haben ihre Jugendzeit, wie Hitler, in Linz verbracht: Ernst Kaltenbrunner und Adolf Eichmann.

Aus dem Nationalismus wird Antisemitismus

Um das Jahr 1900 vollzieht der Deutschnationalismus, der im oberösterreichischen Bürgertum eine feste Bastion hatte, eine folgenschwere Transformation: Die freisinnig-liberalen Tendenzen werden zunehmend von antisemitischem, rassistischem, und militaristischem Gedankengut verdrängt.

Eine Entwicklung, die sich bereits bei Alois Hitler abzeichnet und eine Generation später ins Verbrecherische weitergetrieben wird.

Radio SRF 2 Kultur, 24.2.2021, 7:06 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Klein  (HansKlein)
    "Die Biografie … zeigt, wie sein Sohn, Adolf Hitler, zum Diktator wurde."
    Jede Wette, dass jede "Spende" eines deutsche Großindustriellen, jede öffentliche Unterstützung durch Adlige wie die Hohenzollern und vor allem jegliches Profitstreben deutscher Rüstungsfabrikanten (gern mit Unterstützung US-amerikanischer Geschäftspartner wie eines gewissen Prescott Bush…) MEHR dazu beigetragen hat, wie Hitler Diktator wurde, als die Schläge seine Vaters. Solche Schläge trafen Millionen andere auch.
    1. Antwort von Jonathan Wolff  (Nathanloup)
      Ich versichere Ihnen, das stimmt! ich hatte nämlich nie Schläge bekommen, deshalb bin ich auch nicht Diktator geworden. ;-)
  • Kommentar von Nick Schaefer  (Nick Schaefer)
    Ein Grundeinkommen für unfähige Kunstmaler hätte die Welt vor dem schlimmsten Krieg bewahrt.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Nick Schaefer: Ein absolete Diskussion. Damals waren das arme Länder und hätten sich so etwas nicht leisten können. Vor 120 Jahren wäre man mit so einer Idee wohl für verrückt erklärt worden.
  • Kommentar von Richard Meier  (meierschweiz)
    Ich glaube, wir alle wissen schon genug über diese Person und seine schrecklichen Verbrechen. Es wäre wohl besser, man würde einfach mal schweigen und ihm nicht immer wieder von neuem eine Plattform geben. Er ist tot und das ist gut so.
    1. Antwort von Michael Studer  (Mi_St)
      Eigentlich ist der folgende Hinweis ja banal: Es gibt auch ausgesprochen gute Gründe eine Erinnerungskultur weiter zu pflegen.
    2. Antwort von Jakob Meier  (Astronautovic77)
      Wer die Vergangenheit vergisst, ist verdammt, sie zu wiederholen...

      Wenn man nur schon nach Wohlen blickt und sich die Demonstrationsschilder der Demoteilnehmer ansieht, sollte verstehen warum man nicht vergessen darf.
    3. Antwort von Peter Hahnau  (Peter Hahnau)
      +1
    4. Antwort von Armin Spreter  (aspre)
      @R.M. - Ich gebe Ihnen zu 100% recht. Insbesondere im dt. TV (z.B. ZDF NEO, ...) werden nun seit ungefähr 50 Jahren Sendungen über die Person Hitlers und den WK 2 mit all den Greueltaten ausgestrahlt. Soviel ich weiß, ist dieses Kapitel in allen Schularten im Pflichtkanon (richtig so!). Eher befürchte ich, dass sich insbesondere die Jugendl. durch ein gutgemeintes Aufarbeitungsfernsehen gelangweilt abwendet. Was natürlich noch schlimmer wäre ist, dass es zu vermehrtem Rechtsradikalismus führt.
    5. Antwort von Markus Gasser  (Markus Gasser)
      @aspre. Tatsächlich wird in ZDFinfo der 2. Weltkrieg und wie es dazu kam gründlich aufgearbeitet - auch die Vorgeschichte. Was ich mir wünschte, wäre die geistigen Ursachen oder Hintergründe auszuleuchten, die schon im Jahrhundert vorher gelegt wurden oder auch vorher. Der Judenhass, die Verfolgung der Juden hat noch eine bedeutend längere Geschichte. Viele Philosophen haben Vorarbeit geleistet und die Indoktrination des Volkes vorbereitet.