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Das Kopftuch durchgeboxt: Zeina Nassars Kampf
Aus Perspektiven vom 26.09.2020.
abspielen. Laufzeit 28:33 Minuten.
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Boxerin und gläubige Muslima Mit Kopftuch durchgeboxt: Zeina Nassar

Als Mädchen träumte Zeina Nassar davon, Boxerin zu werden. Unterdessen ist sie Deutsche Meisterin im Federgewicht. Doch der Weg dahin war steinig, denn Zeina Nassar wollte mit Kopftuch boxen.

Zeina Nassar weiss, was sie will. Und setzt sich meist auch durch. Als die Jungs sie früher beim Fussball nicht mitspielen lassen wollten, forderte Zeina sie auf, sie vom Feld zu spielen. Es gelang ihnen nicht.

Als sie mit acht Jahren ein Kopftuch tragen wollte, sagte die Mutter, sie müsse noch ein Jahr warten. Genau ein Jahr später trug Zeina Nassar zum ersten Mal ein Kopftuch. Und als sie mit 13 Jahren im Internet auf ein Video mit boxenden Frauen stiess, da wusste sie: Ich will boxen.

Boxen macht schneller, stärker, schlauer

«Diese starken, disziplinierten Frauen im Video, die Liegestützen machten, Seil hüpften, auf Boxsäcke einschlugen. Das war so cool», erinnert sich die Berlinerin. Es gab nur ein Problem: Auch hier musste sie zunächst die Mutter überzeugen.

Boxen macht schneller, stärker, schlauer, hatten die Frauen im Video gesagt. Also stellte Zeina Nassar einen Vortrag zusammen, wie sie dank des Boxens in der Schule besser würde und dabei noch gesund bliebe. Es hat funktioniert.

Eine Frau mit Kopftuch steht im Boxring.
Legende: Deutsche Meisterin im Federgewicht und Vorbild für junge Kämpferinnen: Zeina Nassar. Getty Images / Maja Hitij / Staff

Kopftuch ablegen kam nicht infrage

Zeina Nassar durfte ins Training und wurde schnell besser. Das Kopftuch war bis dahin kein Problem. Auch nicht die langen Leggings und das lange Shirt, das Zeina wegen ihres Glaubens trug.

Sie wurden erst zu einem, als die Trainerin sie zum Wettkampf anmelden wollte. Denn die Regeln des deutschen Boxverbandes besagten: Arme und Beine müssen nackt sein, der Hals unbedeckt. Doch das Kopftuch ablegen war für die junge Muslimin keine Option: «Das wäre für mich Unterdrückung. Ich habe mich aus freiem Willen für das Kopftuch entschieden und will dafür auch einstehen.»

Werbegesicht für Sportkopftuch

Also machte sich ihre Trainerin daran, die Wettkampfregeln zu ändern – und schaffte es: 2013 passte der Deutsche Boxverband die Regeln an. Vier Jahre später auch der internationale. In der Zwischenzeit war Zeina Nassar Deutsche Meisterin geworden im Federgewicht – und international bekannt. Der Sportartikelhersteller Nike hatte sie zum Werbegesicht gemacht für sein Sportkopftuch. Und die Fangemeinde in den sozialen Medien war gewachsen.

Du kannst alles schaffen, was Du willst

Nun hat Zeina Nassar ein Buch über ihren Weg geschrieben. «Dream Big» heisst es. «Ich will Frauen und Kinder aus der ganzen Welt ermutigen, sich Ziele zu setzen, und sich nicht einreden zu lassen, du schaffst das nicht», sagt Zeina Nassar. Denn viel zu oft würden Frauen, gerade Frauen mit Kopftuch, unterschätzt.

Zeina Nassar will zeigen, dass das Kopftuch nichts mit Unterdrückung zu tun hat. Es sei Ausdruck ihres Glaubens, der ihr auch beim Sport helfe: «Boxen und mein Glaube haben vieles gemeinsam: Es geht um Respekt und Disziplin.» Denn Boxen sei 70 Prozent Hirn und nur 30 Prozent Kraft. Dank ihres Glaubens verspüre sie eine innere Ruhe und vor jedem Kampf helfe ihr ein Gebet, in sich zu gehen.

Buchhinweis

Zeina Nassar: «Dream Big. Wie ich mich als Boxerin gegen alle Regeln durchsetzte», Hanserblau, 2020.

Vorbild für andere sein

Erreicht hat Zeina Nassar ihre Ziele auch dank der Unterstützung ihrer Familie. Vater und Mutter kamen aus dem Libanon nach Deutschland, haben sich eine Existenz aufgebaut und ihre Tochter stets gefördert.

«Wichtig ist aber auch, dass ich an mich selbst glaube.» Dieses Selbstvertrauen habe sie dank des Boxens. «Deshalb liebe ich es, wenn andere Menschen zum Sport gehen und sich weiterentwickeln», ergänzt die junge Muslimin. Dafür wolle sie ein Vorbild sein: Dass Menschen alles erreichen können, was sie wollen.

Radio SRF 2 Kultur, Perpektiven, 27.09.2020, 17.59 Uhr

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3 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    "Sie will beweisen, dass das Kopftuch nichts mit Unterdrückung zu tun hat." Wirklich? Weiss diese gute Frau nicht, dass Männer die Burka und das Kopftuch den Frauen vorgeschrieben haben?
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  • Kommentar von Hans Klein  (HansKlein)
    Wenn es einen allmächtigen Gott geben würde, der wünscht, dass Frauen Kopftuch tragen, dann hätte er sie damit von Anfang an ausgestattet, d.h. Kopftücher wären Teile des Körpers. Sind sie aber nicht.
    (Und ja, auch Kleidung ist – bei entsprechenden Temperaturen – überflüssig. Aborigines u.a. lebten Jahrtausende ohne und sind nicht an ausgestorben: Weder am Wetter noch an "Kulturverfall".)
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    1. Antwort von Samuel Röthlisberger  (S.Roethlisberger)
      Herr Klein, das kann man dann einfach über alles sagen, so wie es einem grad passt. Kreuze an einer Kette, Beschneidung, Weihwasser etc. Das Argument ist völlig nichtig.
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