Brasiliens Singer-Songwriter-Superstar Djavan

Hierzulande kennt ihn kaum jemand – in Brasilien hingegen ist er ein Superstar. Und das seit 30 Jahren: der Sänger, Komponist und Gitarrist Djavan. Eine Geschichte aus einer der ärmsten Städte Brasiliens, die über die Karriereleiter Telenovela in amerikanische Studios führt.

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Bildlegende: Djavan versuchte zuerst, mit Fussball der Armut zu entkommen. Als dies nicht klappte, griff er zur Gitarre. Tomas Rangel

Als der brasilianische Singer-Songwriter Djavan zum ersten Mal in den USA eine Platte aufnimmt, ist als Gast der grosse Stevie Wonder mit von der Partie. Ein Erfolg, für den Djavan hart gearbeitet hatte. 1949 in Macaó zur Welt gekommen, also in einer der allerärmsten Städte im Nordosten Brasiliens, probierte Djavan zunächst mit Fussball der Armut zu entkommen. Als das nicht klappte, griff er als 16-Jähriger zur Gitarre. Dass er dazu sang, war schon fast selbstverständlich, schliesslich hatte auch seine Mutter die ganze Zeit gesungen. Auch dass er bald schon eine Beatles-Cover-Band hatte, war im Grunde normal, das hatten viele andere auch.

Die Melodie steht im Zentrum

Überraschender ist da eher, was Djavan mit den Melodien anstellte. «Es gibt keinen anderen Musiker, der dem Rhythmus in der Melodie so viel Aufmerksamkeit schenkt wie Djavan», sagt Rodrigo Botter Maio, brasilianischer Saxophonist und Komponist aus Zürich. Er ist in Campinas, São Paulo, aufgewachsen. Dort liefen in den 80er-Jahren die Songs von Djavan den ganzen Tag am Radio, und schon damals war es die raffinierte rhythmische Behandlung der Melodie, die Rodrigo Botter Maio so beeindruckte. Wie beispielsweise beim Song Fato Consumado.

Der Telenovela-Effekt

Nur sind ein paar gute Songs noch kein Durchbruch. Dass Djavan diesen Durchbruch mit seiner eigenen Musik dann auch wirklich schafft, hat neben der speziellen Rhythmik vor allem mit der Karriere zu tun, die Djavan davor schon gehabt hat: als Sänger von Telenovela-Songs.

Die Telenovelas, das sind die TV-Serien in Brasilien, die damals noch populärer waren als heute – und sagenhafte Multiplikatoren: Wenn ein Song es schaffte, in einer Telenovela gespielt zu werden, dann wurde er in kurzer Zeit unglaublich populär. Und so klang die Stimme von Djavan in den Ohren ganz vieler Brasilianerinnen und Brasilianer schon vertraut, noch bevor sie seinen Namen und seine eigenen Stücke kannten.

Woher kommt diese Stimme?

Joao Gilberto + Beatles = Djavan?

0:36 min, aus Musik der Welt vom 31.01.2014

Und seine Stimme ist es auch, die Djavan noch heute von den vielen wunderbar begabten Musikerinnen und Musikern aus Brasilien abhebt. Woher die kommt? Auch Rodrigo Botter Maio fällt es nicht einfach, die Herkunft dieser Stimme festzumachen. Djavan pur halt.

So ersingt sich Djavan Ende der 70er- und anfangs der 80er-Jahre eine glänzende Karriere als Star der Música Popular Brasileira, der brasilianischen Pop-Musik. Seine Stücke werden auch von anderen wichtigen brasilianischen Künstlern gesungen, von Chico Buarque etwa oder von Maria Bethânia.

Und dann wagt Djavan den Schritt nach Norden. 1982 nimmt er in den USA sein Album «Luz» auf. Das Album bringt ihm – auch Dank Stevie Wonders Unterstützung – den Durchbruch ausserhalb Brasiliens und Konzerttourneen rund um den Erdball.

Und die Politik?

Nicht vielen Künstlern in Brasilien ist in den 80er-Jahren eine so glatte Karriere gelungen – immerhin war das ja auch die Zeit der Militärdiktatur, und manch einer war gezwungen, Brasilien zu verlassen und im Exil weiterzumachen.

Politisches Engagement aber ist nicht Djavans Sache, seine Texte sind unpolitisch. Da kann man sich schon fragen: Wie hat er es geschafft, mit unkritischer Musik in den 80er-Jahren Erfolg zu haben und – vor allem – diesen Erfolg dann auch in die Zeit nach der Militärdiktatur hinüberzuretten?

Das ist tatsächlich eine Art Grauzone in der Musik von Djavan, in der es nicht um Armut oder Rassismus geht, sondern eher um gutes Wetter. Oder wie Rodrigo Botter Maio es sagt: «Wenn du eine Djavan-Platte auflegst, geht die Sonne auf.»

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