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FOKUS: 78 Tamedia-Frauen protestieren gegen Diskriminierung
Aus 10 vor 10 vom 08.03.2021.
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Brief an Tamedia-Chefetage «Wir haben eher wenig Frauen – das prägt die Kultur»

78 Tamedia-Journalistinnen wenden sich mit einem Brief an die Geschäftsleitung und Chefredaktion. Darin formulieren sie, was für Frauen im Unternehmen aus ihrer Sicht schief läuft. Die Rede ist von Einschüchterung und Sexismus.

Der Brief, der eigentlich als internes Dokument gedacht war, wurde am Wochenende auf Twitter veröffentlicht. Eine der Unterzeichnenden ist Inlandredaktorin Claudia Blumer.

Claudia Blumer

Claudia Blumer

Redaktorin bei Tamedia

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Claudia Blumer ist Inland-Redaktorin bei Tamedia. Sie ist Mitunterzeichnerin des kürzlich veröffentlichten Briefes.

SRF: Der Brief nennt eine grosse Bandbreite von Vorwürfen, es ist von Lohnungleichheit, vom Mangel an Frauen in Führungspositionen und von einer sexistischen Betriebskultur die Rede. Weshalb haben Sie unterschrieben?

Wir haben in gewissen Ressorts, und vielleicht auch insgesamt, eher wenig Frauen – auch in den Führungsgremien. Und das prägt die Kultur. Man muss das nicht unbedingt als positiv oder negativ bewerten. Aber wenn ein gewisser Prozentsatz Männer sind, prägt das die Kultur. Dies spüren einige dann allenfalls negativ.

Wie könnte man dem entgegenwirken?

Ich bin dafür, dass man den Frauenanteil erhöht. Das ist das Wichtigste. Das würde viele Probleme lösen, die in diesem Brief angesprochen werden: Das Klima, den Umgang miteinander, vielleicht auch den Sexismus. Für mich war der eigentliche Beweggrund der Frauenanteil – also die Frauenvertretung in den Ressorts und in den Führungsgremien.

Gewisse Vorwürfe richten sich auch gegen den rauen Umgangston. Da ist nicht immer klar, ob sich das explizit gegen Frauen richtet, also sexistisch ist.

Es kommt in diesem Brief viel zusammen. Ganz klar: Es ist nicht in jedem Fall Sexismus. Es gibt auch Männer, denen das Klima nicht behagt. Es gab auch Männer bei uns , die mit dieser Aktion sympathisiert haben, die sich noch überlegt haben, auch zu unterschreiben oder separat einen Brief aufzusetzen. (Anmerkung der Redaktion: In der Zwischenzeit gibt es ein Solidaritätsschreiben der Männer.)

Und selbst was Lohnungleichheit betrifft: Natürlich betrifft das vor allem Frauen, dass sie weniger verdienen als ihre Kollegen. Aber es gibt auch Männer, die weniger verdienen als ihre Kollegen. Diese Probleme betreffen mitunter auch Männer.

Audio
Claudia Blumer über den Brief der Journalistinnen
03:51 min, aus Kultur-Aktualität vom 09.03.2021.
abspielen. Laufzeit 03:51 Minuten.

Die Vorwürfe im lassen auf strukturelle Probleme in der Medienbranche schliessen. Warum ist es heute grundsätzlich immer noch so anspruchsvoll als Frau in einem Medienunternehmen?

Es ist vielleicht so, dass es einfach in den letzten Jahrzehnten eher ein Männerberuf war. Da braucht es ein bisschen Mut, dies zu öffnen und aufzubrechen – und vielleicht auch mal einer Quereinsteigerin eine Chance zu geben. Dazu braucht es aber auch Frauen, die sich getrauen und sich bewerben.

Das Gespräch führte Anna Jungen.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 8.3.2021, 17:20 Uhr;

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