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Mehr als Gartendekoration: Buddhismus in der Schweiz
Aus Rendez-vous vom 26.05.2021.
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Buddhismus in der Schweiz Warum Buddha-Statuen die Gartenzwerge verdrängen

Nur 0,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind Buddhistinnen und Buddhisten – das sagt die Statistik. Eine neue Studie zeigt: Es sind Hunderttausende, die sich dem Buddhismus zugehörig fühlen.

Dass der Buddhismus hierzulande beliebt ist, zeigt das grosse und vielfältige Angebot: Urbane Meditationskurse, Auszeiten im ländlichen Retreatzentrum oder Besuche im tibetischen Kloster Rikon und dem thaibuddhistischen Tempel in Gretzenbach.

Aber gerade mal 0,5 Prozent der Menschen bezeichnen sich hierzulande offiziell als Buddhistinnen und Buddhisten – knapp 36'000 Personen. Das besagen Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Die Universität Luzern zeichnet nun ein anderes Bild: Gemäss neuesten Umfragen und Zahlen ist das Zugehörigkeitsgefühl sechs Mal grösser. Das entspricht einer Viertelmillion.

Fast 160 Gemeinschaften

Dass sich viele Menschen dem Buddhismus zugehörig fühlen, zeigt sich auch an der Vielzahl buddhistischer Gemeinschaften und Meditationszentren. In der Schweiz gibt es gemäss der Universität Luzern knapp 160. Die genaue Verteilung zeigt eine Karte, die Professor Baumann und sein Team erstellt haben.

Legende: Die geografische Verteilung buddhistischer Traditionen in der Schweiz (2021) Universität Luzern

Bei den Zentren seien Meditationsangebote jeweils das Aushängeschild, weiss Martin Baumann aus seiner Forschung: «Meditation als Ruhe und Entspannung ist eine Art Gegensatz zur hektischen Welt.»

Der Buddha im Garten: Lifestyle oder religöses Symbol?

Meditation und Textstudium kommen bei Schweizerinnen und Schweizern gut an – etwa bei Luc Feldmann. Der Psychiater und Medizininformatiker meditiert seit mehr als 30 Jahren und folgt einer koreanischen Meisterin. Ihm gefalle die Meditation, weil er sie im Alltag praktizieren und sich daran orientieren könne.

Heute sei Buddhismus aber nicht ausschliesslich spirituelle Orientierung, sagt Luc Feldmann. Buddhismus sei auch im Lifestyle der Leute angekommen, beobachtet der Präsident der Schweizerischen Buddhistischen Union SBU: «Ich habe den Eindruck, Buddha-Statuen und Buddha-Köpfe ersetzen langsam die Gartenzwerge.»

Video
Aus dem Archiv: Buddhismus in der Schweiz
Aus 10 vor 10 vom 29.07.2005.
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Natürlich empfinden sich nicht alle als Buddhisten, die einen Buddha im Garten aufstellen. Trotzdem zeigt das Beispiel, wie offen viele Menschen gegenüber dem Buddhismus sind. Das mag auch mit der sympathischen Figur des Dalai Lamas zusammenhängen: Das spirituelle Oberhaupt der Tibeterinnen und Tibeter besuchte schon mehrmals die Schweiz, viele Bücher zu und von ihm sind im Umlauf.

Vielfältiger Schweizer Buddhismus

Den tibetischen Buddhismus brachten in den 1960er-Jahren Geflüchtete aus Tibet in die Schweiz. Das Kloster Rikon wurde für sie zur religiösen und kulturellen Heimat.

Bis heute dominiert der tibetische Buddhismus in der Schweiz. Nebst Menschen mit Migrationserfahrung praktizieren ihn auch viele Schweizerinnen und Schweizer. Andere grosse Gemeinschaften gehören zum Zen-Buddhismus oder kommen aus der thailändischen Tradition des sogenannt südlichen Buddhismus.

Die Untersuchung der Universität Luzern zeigt, dass sich weit mehr Menschen dem Buddhismus zugehörig fühlen, als statistisch erfasst wurde. Und sie dokumentiert, wie vielfältig  der Buddhismus in der Schweiz ist.

Buddhistische Traditionen in der Schweiz

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  • Der Theravada oder südliche Buddhismus dominiert vor allem in Sri Lanka, Thailand und Laos. Er geht zurück auf Mönche, die dem historischen Buddha (geb. 563 v. Chr.) folgten. Kennzeichen ist eine strikte Trennung zwischen Laienbuddhisten und Mönchen bzw. Nonnen. Der asketische Mönch ist das Ideal.
  • Der Mahayana oder nördliche Buddhismus ist vor allem in Zentral- und Ostasien verbreitet. Er entstand ca. 500 Jahr nach dem Tod des historischen Buddhas. Das Ideal ist die Figur des Bodhisattva, der den Geburtenkreislauf überwunden hat und Mitmenschen auf dem Weg zur Erleuchtung unterstützt. Eine der wichtigsten Schulen des Mahayana ist der Zen-Buddhismus mit Schwerpunkten in Japan.
  • Der tibetische Buddhismus ist vor allem in Tibet verbreitet. Er entstand ab dem 4. Jahrhundert und beruht ebenfalls auf dem Ideal des Bodhisattva. Der Körper und Sinnesempfindungen spielen für das Erlangen der Erleuchtung eine wichtige Rolle. Oft ist er stark rituell und mystisch-zeremoniell geprägt.

 

 

 

Radio SRF, Rendez-vous, 26.5.2021, 12:30 Uhr.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Boris Minder  (Siluan)
    Ich begreife das nicht. Würde jedermann eine Jesus-Statue in seinem Garten aufstellen, würde man ihn als besteuert anschauen. Buddha-Statue ist aber völlig ok & in. LOL.
    Schade, dass in unserem Land das Exotische mehr Platz hat und akzeptiert wird als die eigene Kultur./Religion.
  • Kommentar von Manuel Marty  (Bosbolo)
    Hat die Studie jeden Ort, der Meditation in der Gruppe anbietet dem Buddhismus zugeordnet? Ist das korrekt? Müsste dann jeder Yogakurs dem Hinduismus zugeordnet werden?!?
  • Kommentar von markus kohler  (nonickname)
    Es geht um etwas ganz anderes. Der Buddhismus ist völlig offen in der Interpretation, alle können sich ihren "own personal Jesus oder besser Buddha" basteln und zu Recht legen. Mit dem Buddhismus lässt sich alles und nichts erklären und legitimieren. Egal ob Veganismus, Feminismus, selbst knallharter Kapitalismus passt rein. Was als Buddhismus verkauft wird ist postmoderne Beliebigkeit.
    1. Antwort von Joerg Lehmann  (lejo.moo3)
      Im Buddhuismus gibt es immer eine Erklärung! Gehen Sie mit einem Problem, einer offenen Frage zu einem Mönch, er wird Ihnen immer eine Erklärung geben können, welche auch immer, aber kaum eine Lösung der Problems. Um eine Lösung zu finden muss man sein eigenes Gehirn anstrengen, halt mit Denkarbeit verbunden. Der Mönch gibt Ihnen höchstens einen Anstoss zum nachdenken. Bin nicht Buddhist aber habe gute pers. Kontakte zu Tempel und Mönchen hier in Thailand, mein Alltag.