Kultur und Tourismus Bye bye, Bastrock: Hawaii will weg vom Klischee

Zurück zu den Wurzeln: Das ist die neue Tendenz im Kulturtourismus. Die Hula-Heimat Hawaii tut sich schwer damit.

Plastikfigur: Frau mit Blumenkette um den Hals und Bastrock. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kitsch-Kultur und Kommerz, Baströcke und Bambusbars: Hawaii tut sich schwer im Kampf gegen die Klischees. Getty Images

Das Wichtigste in Kürze

  • Hula-Girls in Bastrock und Kokos-BH: Viele Touristen erwarten hawaiianische Klischees auf der Pazifikinsel.
  • Die Tourismusindustrie HTA will Hawaii nicht länger mit falschen Stereotypen verkaufen – sondern mit authentischen Traditionen.
  • Die HTA hat für Reiseanbieter und Hotelangestellte Kurse im Angebot, in denen sie ein anderes Hawaii kennenlernen und vermitteln können.

Denken Sie an Hawaii! Welche Bilder tauchen vor Ihrem inneren Auge auf? Höchstwahrscheinlich diese: Die nackten Füsse im weissen Sand, einen Mai Tai in der Hand. Neben der Tiki-Bar aus Bambus tanzt ein Hula-Mädchen – in Bastrock und Kokosnuss-BH.

«Das ist das Einzige, was wir zu bieten haben», sagt Kalani Kaanaana über die hawaiianischen Klischees – in einer Mischung aus Ärger und Ironie. Kalani Kaanaana ist der Direktor für kulturelle Angelegenheiten bei der HTA, der hawaiianischen Tourismusbehörde.

Er schaut, dass die Tourismusindustrie Hawaii nicht mit Klischees verkauft, sondern mit authentischen Traditionen – im Aus- und im Inland. Denn noch 2010 zeigte eine Studie, dass fast 60 Prozent der hawaiianischen Befragten finden, es sei nicht nützlich, die eigene Sprache und Kultur zu erhalten.

Eine Hula-Tänzerin auf Hawaii, bebobachtet von einem grossen Publikum. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Hula-Tänzerin – kaum aus den Köpfen der Touristen zu kriegen. Keystone

«Verkitschte Kultur»

Weg von den Klischees, zurück zur Tradition: In Hawaii ist dieser Weg besonders harzig. «Weil andere Länder aus der authentischen hawaiianischen Kultur eine Trivialkultur gemacht haben», sagt Kalani Kaanaana.

In den 1950er- und 1960er-Jahren ist auf dem US-amerikanischen Festland die Südseefantasie omnipräsent.

In zahlreichen Songs zeigt sich die Hula-Tänzerin als exotische Schönheit, und leicht zu haben ist sie auch. Noch in den 1980er-Jahren singt John Prine in «Let’s talk dirty in Hawaiian»: «Lege deine Kokosnüsse auf meinen Tiki».

Tiki ist nicht hawaiianisch

Pseudo-hawaiianische Bambus-Bars servieren in Kalifornien pseudo-hawaiianische Cocktails. Der Gast trinkt aus einem Tiki-Becher, aus dem Antlitz des Gottes Tiki. Dass Tiki nicht hawaiianisch, sondern maorisch ist, spielt dabei keine Rolle. In Hawaii heisst dieser Gott Ki-i.

«Ki-i ist heilig», sagt Kalani Kaanaana von der Tourismusbehörde. «Er wurde durch die Kitsch-Kultur entwertet und kommerzialisiert. Es war schwierig für uns, den Göttern ihre wahre Identität und ihre Bedeutung für unsere Religion und Kultur zurückzugeben.»

Denn viele Touristen erwarten, diese Kitsch-Kultur auf der Insel anzutreffen. Sie erwarten das Hula Girl in Bastrock und Kokos-BH – auch wenn das alles gar nicht authentisch ist. Gewisse Restaurants oder Touristen-Shops auf der Insel nährten damals dieses Klischee.

Renaissance der Tradition

In den späten 1970er-Jahren erlebt Hawaiis Kultur eine Renaissance, erzählt Kalani Kaanaana, Direktor für kulturelle Angelegenheiten bei der hawaiianischen Tourismusbehörde.

«Nicht zuletzt auch dank der Weltumrundung des polynesischen Segelboots ‹Hokulea›. Dieser Trip erweckte unsere ganze Kultur. Die Menschen begannen wieder Hawaiianisch zu sprechen – die Sprache, die seit der Annexion durch die USA 1898 verboten war. Sie praktizierten wieder die Handwerkskunst der Vorfahren. Das brachte uns den Stolz zurück.»

Seit über 40 Jahren dauert der Kampf gegen die falschen Stereotypen nun schon. «Wir haben schon viel erreicht», sagt Kalani Kaanaana. Aber noch heute gebe es Orte, an denen die Klischees bedient werden.

Hula für Männer

Die hawaiianische Tourismusbehörde bietet deshalb Kurse für Reiseanbieter und Hotelangestellte an, in denen diese die echten Traditionen lernen: Die Namen und Hintergründe von Blumen etwa. Oder dass auch Männer Hula tanzen.

Auch ausserhalb der HTA wird aktiv gegen die Kitsch-Kultur gearbeitet: 2011 etwa hat Disney in Hawaii das Resort «Aulani» eröffnet. Der Tourist kann seinen Drink an der Bar nur auf Hawaiianisch bestellen.

Und wenn man die Lobby betritt, erklingt kein Song über ein schönes Hula-Girl, sondern hawaiianische Pop-Musik mit traditionellen Instrumenten.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kontext, 1.7.2017, 9:02 Uhr

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